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Augsburg

13.07.2017

Wo sich Bauern und Kunden treffen

Carmen Rauh (rechts) versorgt sich wöchentlich an der Verteilstelle am Oberen Graben mit einer Ration Salat und Gemüse, das Bauern aus der Augsburger Umgebung angebaut haben. Dafür zahlen die Kunden vorab einen festen Preis. Landwirte wie Jana Linzenkirchner (links) werden so vom Preisdruck befreit.
Bild: Michael Hochgemuth

Für zwölf Euro pro Woche bietet das Projekt „Solidarische Landwirtschaft“ Bio-Lebensmittel von Landwirten aus der Region. Es ist eine Bewegung gegen Preisdruck und Normierung.

Vergangene Woche waren es verschiedene Salate, Rüben, Zucchini, zwei Handvoll Kartoffeln und weitere Gemüsesorten, die Carmen Rauh im Hinterhof am Oberen Graben in ihre Tasche packen konnte: Rauh ist Mitglied beim Projekt „Solidarische Landwirtschaft“, das Landwirte aus dem Umland mit Verbrauchern in der Stadt zusammenbringt.

Man zahlt zwölf Euro pro Woche und bekommt dafür eine Auswahl an Gemüse von Bauern aus der Region. „Mit zwei Kindern kam der Ansatz biologisch, regional und direkt vom Bauern gerade recht“, sagt Rauh. „Und weil man auf den Feldern mithelfen kann, können die Kinder auch sehen, woher Lebensmittel kommen.“

Mehrere Verteilstellen

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Seit mittlerweile zwei Jahren gibt es das Projekt. Es garantiert vier Bauern die Abnahme einer Mindestmenge zu einem Preis, von dem sie leben können. Die Ware wird jede Woche an Verteilstellen in der Augsburger Innenstadt und in den Stadtteilen gebracht.

Mit 65 Abnehmern, hinter denen oft eine ganze Familie steht, startete das Projekt, inzwischen sind es um die 100, für kommendes Jahr sind 200 Abnehmer angepeilt, sagt Bruno Marcon, der das Projekt mitinitiiert hat.

Marcon wurde bekannt als Initiator des erfolgreichen Bürgerbegehrens gegen die Stadtwerke-Fusion, engagiert sich aber schon seit vielen Jahren beim globalisierungskritischen Netzwerk Attac.

Es gehe ihm und seinen Mitstreitern auch darum, das Thema Lebensmittelerzeugung von der Profitmaximierung und ihren Folgen zu befreien, sagt er. „Wir wollen weg vom Einfluss der großen Märkte. Auch im Biobereich geben die Großen den Ton an“, sagt Marcon. Der stetige Preisdruck sei in der Landwirtschaft für die Bauern ein Problem. Und den Verbrauchern sei der Bezug zur Landwirtschaft und den Umständen der Lebensmittelerzeugung verloren gegangen, wenn sie nur genormte Ware in den Supermarktregalen finden.

Es gibt Salat satt

Die Idee der Solidarischen Landwirtschaft ist, Verbraucher und Erzeuger näher zusammenzubringen. Sie werden eine Art Schicksalsgemeinschaft: Fällt die Ernte schlecht aus, könnte theoretisch auch mal nur eine Karotte in der wöchentlichen Kiste liegen. Bisher ist aber eher das Gegenteil der Fall: Momentan gibt es Salate satt, im Winter sind es Feldsalat, Kartoffeln und Kohl.

Wer will, kann auch auf den Feldern helfen. Im Frühjahr hatte Jana Linzenkirchner, die bei Schrobenhausen in ihrer kleinen Gärtnerei Tomaten und Paprika zieht, neun Freiwillige zum Setzen der 300 Pflanzen da. „Es kommen eigentlich immer genug Helfer, wenn man welche braucht. Die kommen gerne wieder und schauen sich an, wie groß die Tomaten inzwischen geworden sind.“

Man kann unverbindlich vorbeischauen

Marcon spricht bei den Mitgliedern darum auch eher ungern von Konsumenten. Er verwendet den Begriff „Stadtwirte“, weil sie etwa den Vertrieb ehrenamtlich organisieren oder mitberaten, was angebaut wird. Inzwischen wurde an der Innenstadt-Verteilstelle am Oberen Graben 9 (ehemals Betten Friedmann) ein Info-Laden für Solawi eröffnet. „Wir wollen das Projekt weiter öffnen für Leute. Man kann einfach mal unverbindlich vorbeischauen“, sagt Marcon.

Gedacht ist auch daran, die Produktpalette zu erweitern: Neben Öl, Obst und Säften soll es künftig regional erzeugten Käse und sogar Brot geben.

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