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Augsburg

04.10.2019

Wogen im Bäderstreit glätten sich vorerst

Ein Blick ins Gögginger Hallenbad. Es ist wie alle anderen Augsburger Hallenbäder sanierungsbedürftig. Zudem reichen die Beckenkapazitäten angesichts steigender Bevölkerungszahlen insgesamt nicht mehr aus.
Bild: Silvio Wyszengrad

Das Bündnis für ein 50-Meter-Becken sieht für ein Bürgerbegehren aktuell keinen Anlass. An den Bäder-Plänen der Stadt gibt es aber weiterhin Kritik

Ein Bündnis aus Schwimm- und Wassersportvereinen sowie Wasserwacht und DLRG hat am Freitag seine Forderung nach einem 50-Meter-Schwimmbecken für Augsburg bis zum Jahr 2024 bekräftigt. Am kommenden Montag wird sich der Sportausschuss des Stadtrats mit der Frage befassen, wie die Augsburger Bäderlandschaft ausgebaut werden kann. Im Hinblick darauf, dass die fünf Hallenbäder für öffentlichen Betrieb, Schulschwimmen und Vereinssport angesichts des Bevölkerungswachstums immer weniger ausreichten, müsse die Stadt handeln, so Bernd Zitzelsberger, Sprecher der „Arbeitsgemeinschaft 50-Meter-Becken“.

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Vereine kritisierten Sportreferent Wurm

Sportreferent Dirk Wurm (SPD) war von der Arbeitsgemeinschaft Anfang September öffentlich scharf angegangen worden, weil die städtischen Planvarianten für Sanierung und Erweiterung der Bäderlandschaft nicht praktikabel seien. Wurm will alle Bäder sanieren und teils neu bauen, um mehr Wasserfläche zu schaffen.

Die Verwaltung favorisiert aktuell den Neubau eines Familien- und Freizeitbades(an einem bestehenden Hallenbadstandort) und den Neubau eines Sportbades mit 50-Meter-Bahn (am Standort Spickelbad). Das Paket würde 66 Millionen Euro kosten. Nachdem die Reihenfolge zunächst unklar war, präzisierte Wurm zuletzt, dass das 50-Meter-Becken Priorität haben soll und dann das Familien- und Freizeitbad mit 25-Meter-Becken und Rutschen nachgezogen werden soll. Das mache die Bäderlandschaft attraktiver.

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Hat die Stadt das Geld für ein Freizeitbad?

Mit dieser Reihenfolge könnte die Arbeitsgemeinschaft prinzipiell leben. Der Kritikpunkt, dass bei diesem Konzept während der Neubaumaßnahmen bestehende Standorte für mehrere Jahre wegfallen würden, besteht aber weiterhin. Schon die Sanierung des Plärrer-Hallenbads vor einigen Jahren habe zu massiven Einschränkungen geführt. Abgesehen davon müsse sich die Stadt fragen lassen, ob ein Freizeitbad angesichts enger Finanzen auf der Prioritätenliste oben stehe könne, so Sprecher Zitzelsberger. Er will für die CSU in den Stadtrat einziehen, wobei die Arbeitsgemeinschaft aus 23 Vereinigungen betont, überparteilich zu agieren.

Ein Standort an der Schwimmschulstraße?

Auf Anregung der Arbeitsgemeinschaft prüft die Stadt aktuell die Frage, ob im Bereich des seit 2003 geschlossenen Freiluft-Sportbades an der Schwimmschulstraße eine Halle mit Sportbecken und Sprunganlage gebaut werden könnte. Man befinde sich in Gesprächen mit der Stadt, so Knut Weise vom Schwimmverein Augsburg. Ein Bürgerbegehren für ein 50-Meter-Becken, wie es die Arbeitsgemeinschaft im September als letzte Option in den Raum stellte, sei für den Moment kein Thema.

Augsburg steht im bayernweiten Vergleich schlecht da

Dass Augsburg mehr Schwimmfläche benötigt, ist zwischen Arbeitsgemeinschaft und Stadt unstrittig. Zitzelsberger rechnete am Freitag vor den Medien vor, dass Augsburg im bayernweiten Vergleich mit 45 Zentimetern Hallenschwimmbadfläche pro Einwohner nicht gut dastehe. Der Abbau der Traglufthalle im Bärenkeller sowie die Schließung des Sportbads und eines Beckens an der Schwimmschulstraße hätten die Situation in der Vergangenheit nicht verbessert.

Kinder und Erwachsene können schlechter schwimmen

Dagmar Leeb, Sprecherin der Augsburger DLRG, sagte, dass sowohl die Schwimmfähigkeit von Kindern als auch von Erwachsenen immer schlechter werde. Bundesweit sind inzwischen nur noch 60 Prozent aller Zehnjährigen sichere Schwimmer (Schwimmabzeichen Bronze). „Zudem nehmen die motorischen Fähigkeiten allgemein ab. Mit einem Schwimmkurs mit zehn Einheiten kommen wir nicht mehr hin. Längere Kurse haben aber auch längere Belegungszeiten von Bädern zur Folge.“

In der Schule lernen nicht mehr alle Kinder das Schwimmen

Gertrud Nigg-Klee, schwäbische Bezirksvorsitzende des Bayerischen Lehrerverbandes, sagte, dass neben dem Mangel an qualifizierten Lehrern und den Änderungen der Schülerstruktur die mangelnde Verfügbarkeit von Hallenbadkapazitäten ein Hindernis sei, aus allen Grundschülern Schwimmer zu machen. Ein Fünftel des Sportunterrichts in der Grundschule solle aus Schwimmen bestehen. „Das kann nicht mehr in allen Klassen durchgeführt werden.“

Auch kleinere Städte haben ein 50-Meter-Becken

Harald Walter, Präsident des Bayerischen Schwimmverbandes, lobte das Augsburger Bündnis als einzigartig in Bayern. Schwaben sei, was 50-Meter-Becken betrifft, in Bayern „ein kleines schwarzes Loch“. Bayernweit komme man auf knapp zehn derartige Hallen, auch in kleineren Städten wie Bamberg, Bayreuth, Ingolstadt oder Würzburg.

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Die Diskussion ist geschlossen.

06.10.2019

@Gerold R.

Für Oberhausen wäre es deshalb am Besten, das alte Sportbad in der Schwimmschulstraße würde zum neuen großen Hallenbad mit 50-m-Becken, das natürlich dann auch der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen muss.

Lange Bahnen bieten mehr Wasserfläche und ergo mehr Platz. So keine Leinen gezogen sind, kann man ja auch quer schwimmen. Evt. ist ja auch noch Platz für ein zusätzliches kleineres Becken (Sprungbecken), für die Badegäste, die sich mit 12 oder 20 m Bahnlänge sicherer fühlen.

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05.10.2019

Augsburg hat genug Schwimmbäder, nur die Öffnungszeiten sind teilweise auf die Bedürfnisse von Rentnern und Arbeitslosen optimiert. Etwas mehr Personal wäre hilfreicher als irgendwelche utopischen Bauprojekte. Ist ja schon traurig genug, dass in allen Bädern die Sauna gesperrt wurde und das Stadtbad das einzige ist, das den kompletten Service anbietet und das auch nur nach Bürgerprotesten. Das Plärrerbad ist nur für Vereine göffnet, für mich die schlimmste Verschwendung wertvoller Infrastruktur schlechthin.
Wozu braucht AUgsburg ein 50- Meter Becken? Reicht kein kleineres um Schwimmen zu lernen?

Es wäre besser, die aktuelle Bäder- Infrastruktur oderntlich zu bewirtschaften anstatt was neues zu bauen.

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05.10.2019

Augsburg hat sich ja immer gerne als Sportstadt apostrophiert. Das waren mal die Leichtathleten - viele Jahre lang die Kanuten (die ja unlängst jemand auch als Randsportart aus der Förderung ausgeschlossen sehen wollte) und nun hat wie überall König Fußball übernommen, der auch entsprechend gefördert wurde, obwohl Profisport. Aber natürlich gehört zu einer 300 000 Einwohner zählenden Stadt mit 4 Schwimmvereinen, die diverse Wassersportarten anbieten (Schwimmen, Kunstschwimmen, Kunstspringen, Wasserball, Tauchen, Unterwasserrugby) auch ein ausreichend großes überdachtes Wettkampfbecken. Dieses bietet auch mehr Fläche für normale Badegäste, so dass sich diese nicht so drängen müssen, wenn man viel los ist.

Das Plärrerbad bündelt den Trainingsbetrieb und blockiert damit weniger Badezeit in den anderen (Hallen-)Bädern.

(Darf man fragen bei welcher Sportart Sie Übungsleiter sind, die sie besser gefördert sehen wollen? ;-) )

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05.10.2019

Ich finde es nicht schlecht, dass es vier Schwimmvereine in Augsburg gibt. Aber es ist gerade für den relativ unattarktiven Stadtteil Oberhausen schade, wenn so eine Attraktion wie ein Schwimmbad nicht öffentlich zugänglich ist.
Ein 50- Meter Becken würde ein komplett neues Schwimmbad bedeuten, genauer genommen zwei herkömmliche Augsburger Schwimmbecken zu jeweils 25 Meter Länge und wer zahlt das?
50 Meter Beckenlänge sind eine Autobahn für Extremkrauler, der normale Badegast hat gar nichts davon. Ein irrsinniger Aufwand für eine kleine Minderheit.

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