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Augsburg

19.10.2015

Wohnraum wird knapp: Muss Augsburg in die Höhe wachsen?

Augsburg kann kaum noch in die Breite wachsen, also muss es in die Höhe gehen. Wie kann das geschehen, ohne dass alles ganz hässlich aussieht? Bild: Ulrich Wagner

Wohnraum in Augsburg wird knapp. Aber die Stadt kann kaum noch in die Breite wachsen. Also muss es in die Höhe gehen. Wie kann das geschehen, ohne dass alles hässlich aussieht?

Angesichts der Zuspitzung auf dem Augsburger Wohnungsmarkt sind die Rufe nach Neubauten auf der grünen Wiese laut, doch dem sind Grenzen gesetzt – schlicht und einfach die Stadtgrenzen. Einzig im Süden Augsburgs – Göggingen oder auch Haunstetten – sehen Fachleute noch nennenswerte Freiflächen zur Entwicklung größerer Baugebiete. Also bleiben die kreative Fahndung nach mehr oder weniger großen Baulücken, die Umwandlung von Brachen und Gewerbeflächen und die Verdichtung – mit all ihren Aspekten.

Der wachsende Anteil Alleinstehender in der Stadt bedingt eine Zunahme der Wohnfläche pro Person. Viele werden sich schon aus finanziellen Gründen darauf einstellen müssen, sich zu verkleinern, vor allem im Alter, so hart das ist. In Mega-Citys wie New York sind flexible 20-Quadratmeter-Designer-Wohnungen für Yuppies inzwischen in. Hauptsache, die Wohnlage passt. Davon ist Augsburg weit entfernt, aber der Städtebau wird sich auch hier wandeln.

Jedes Jahr kommen rund 5000 neue Augsburger

Der Trend geht in die Stadt, weltweit und auch in der Region. Jedes Jahr sind in Augsburg 5000 Menschen zusätzlich unterzubringen. Da die Entwicklung des Wohnbaus kaum mehr in die Breite gehen kann, wird sie in die Höhe gehen müssen, mit einem oder zwei Stockwerke mehr als den in Augsburg gängigen vier Etagen. Das bremst die zunehmende Versiegelung von Flächen. Die steigenden Bau- und vor allem Grundstückskosten lassen sich mit höheren Geschossflächenzahlen wenigstens ein bisschen abfedern – letztlich für die Käufer und Mieter.

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Die Herausforderung wird es sein, die Verdichtung geschickt zu gestalten, sodass gesundes, qualitätvolles und gleichzeitig bezahlbares Wohnen weiter möglich ist. Langweilige Riegelbebauung generiert keine Urbanität, egal wie viele Stockwerke sie hat. Interessant ist, dass inzwischen sogar Klausbau einräumt, man würde die vor wenigen Jahren heftig umstrittenen Maxhöfe auf dem Hasenbräu-Gelände heute so nicht mehr bauen. Bei seinem neuen Projekt Vis à Vis hat sich das Unternehmen bedeutend mehr Mühe gegeben, kann sich das von den Käufern bezahlen lassen – und verspricht es auch für das Areal von Kerzen Miller im Georgsviertel.

Was also tun? Letztlich wird es gelten, massive und kleinere Bauten abzuwechseln, vielleicht Abstände teilweise zu verringern zugunsten der Möglichkeit, Plätze zu schaffen, die das Gefühl von Weite erzeugen und Treffpunkt werden können in einer immer anonymeren Stadt. Versetzte Bebauung, unterschiedliche Höhen, eine geschickte Positionierung der Baukörper: Es gibt viele Möglichkeiten, auch verdichtet spannend zu bauen. Augsburg hat dafür Vorbilder auf dem Stadtgebiet: Alte Wohnhöfe der Wohnungsbaugesellschaften und Genossenschaften haben vor fast 100 Jahren genau das geschafft, und zwar im aktuell wieder dringend nötigen sozialen Wohnungsbau.

Auch an den normalen Geldbeutel denken

Denn so schick ein exquisites Wohn- und Geschäftshaus in bester Lage ist und so wichtig für die Entwicklung der Stadt – es wird genauso Wohnraum für Menschen mit normalem Geldbeutel brauchen, für Menschen in schwierigen Lebenslagen. Die Entwicklung in Augsburg war lange recht einseitig, das sollte wieder in Balance gebracht werden. Wünschenswert sind neue, innovative Projekte – wie etwa das „Wohnen am Römerhof“, das das Wohnungs- und Stiftungsamt vor einigen Jahren gegenüber der Heilig-Kreuz-Kirche in einem Kraftakt realisiert hat. Dort werden Ansätze gemeinschaftlichen und generationsübergreifenden Wohnens mit sozialer und gewerblicher Nutzung verbunden – eine Aufwertung für das Viertel.

Größere Areale können in den ganzen Stadtteil hineinstrahlen und Impulse für Verbesserungen geben. Allerdings muss dazu Qualität gewährleistet sein. Sie zieht dann vielleicht auch Bewohner in einen Stadtteil, die diesen sonst meiden, ihm aber ganz guttun würden. Ein guter Weg hierzu sind Architektenwettbewerbe. Positivbeispiel ist hier der neue Dehner-Park in Kriegshaber. Auch an anderen Standorten wären sie wünschenswert, zum Beispiel auf dem Cema-Gelände – nicht obwohl, sondern gerade weil es „nur“ in Oberhausen liegt.

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