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Augsburg

11.07.2020

Wohnungen statt Firmensitz: Eberle-Sägenfabrik sucht neuen Standort

150 Jahre lang produzierte die Firma Eberle auf ihrem Fabrikgelände in Pfersee-Nord. Sogar die Straße ist nach dem Bandsägen- und Bandstahlhersteller benannt. Nun wurde das Areal verkauft. Auf dem Gelände sollen Wohnungen entstehen.
Bild: Ulrich Wagner

Plus Auf dem Firmengelände der Eberle-Fabrik sollen in einigen Jahren Wohnungen entstehen. Das Unternehmen will nun nach einem anderen Standort in Augsburg suchen.

Nach 150 Jahren wird der Bandsägen- und Bandstahl-Hersteller Eberle sein Fabrikgelände in Pfersee-Nord an der Eberlestraße aufgeben. Das Areal wurde vor Kurzem an die Firma PHI Immobilien aus dem baden-württembergischen Hockenheim verkauft. PHI möchte dort mittelfristig Wohnungen errichten und in Absprache mit der Stadt dafür einen städtebaulichen Wettbewerb zur Neuplanung des Quartiers durchführen. Die denkmalgeschützten Backsteingebäude an der Eberlestraße, in denen aktuell noch die Produktion stattfindet, sollen erhalten und „revitalisiert“ werden, so PHI.

Die Firma Eberle will im Stadtgebiet einen neuen Standort finden

Allerdings wird es frühestens in fünf Jahren so weit sein. Denn die Firma Eberle hat vertraglich vereinbart, das Firmengelände für fünf Jahre zuzüglich zweier jeweils einjähriger Verlängerungsoptionen zurückmieten zu dürfen. Bis dahin will Eberle eine andere Produktionsstätte in Augsburg gefunden haben. „Wir wollen definitiv im Stadtgebiet bleiben“, sagt Geschäftsführer Martin Döring. Die Stadt unterstütze bei der Suche. Noch offen sei, ob man künftig eine neue Immobilie oder ein bestehendes Gebäude beziehen werde. Laut Döring ist ein Umzug in voller Größe geplant. „Wir wollen weder unser Portfolio noch unsere Produktionstiefe reduzieren“, sagt er. Eberle hat knapp 300 Mitarbeiter, davon arbeiten 275 am Augsburger Hauptsitz.

Hintergrund für den Verkauf des Traditionsstandorts sei, dass die aktuelle Lage inmitten von Wohnbebauung nicht mehr zukunftsträchtig für das Unternehmen sei. „Wir produzieren auf mehreren Ebenen, was viel interne Logistik nötig macht“, so Döring. Man stehe im internationalen Wettbewerb und müsse effektiv produzieren. Mit einem Verkauf beschäftige man sich bereits seit dem vergangenen Jahr. Gleichzeitig scheint Eberle beziehungsweise die Hauptgesellschaft Greiffenberger AG das Geld aus dem Verkauf – es handelt sich um einen zweistelligen Millionenbetrag im unteren Bereich – auch durchaus gut brauchen zu können. Die Folgen von Corona haben auch das Unternehmen, das etwa zu 90 Prozent ins Ausland exportiert, getroffen.

Eberle ist die letzte produzierende Fabrik in Pfersee

Die Corona-Pandemie sei nicht die Ursache für den Verkauf, so Martin Döring, gleichwohl benötige man für die Bewältigung der Krise Geld. In der Hauptsache soll mit den Einnahmen aus dem Grundstücksverkauf ein laufendes Darlehen weitgehend zurückgezahlt werden. Die Rückmietung soll in den nächsten Jahren nur geringfügig mehr kosten als die zuletzt aufgelaufene Zinsbelastung.

Mit Eberle wird sich die letzte produzierende Fabrik aus Pfersee, das während der Industrialisierung vom Dorf zum Augsburger Stadtteil heranwuchs, zurückziehen. Das benachbarte Textilunternehmen Dierig hat seine Produktion vor Ort schon vor einigen Jahren eingestellt, unterhält hier aber noch seinen Firmensitz und Lagerhallen. Ein Teil des Dierig-Areals, das als Gewerbepark genutzt wird, soll in den kommenden Jahren in Wohnungen umgewandelt werden.

Bereits vor Jahrzehnten hatten die Spinnerei-Weberei-Pfersee an der Augsburger Straße und die Chemische Fabrik Pfersee ihre Standorte aufgegeben. Dort entstanden das Dienstleistungsquartier Pfersee-Park nahe der Herz-Jesu-Kirche und das Mühlbach-Viertel mit Wohnungen.

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