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Augsburg

17.03.2014

Wohnungsbetrüger zocken auf Immobilienportalen ab

Wer in der Augsburger Innenstadt eine günstige Wohnung mieten möchte, zahlt dafür oft einen hohen Preis. Betrüger nutzen den derzeit umkämpften Wohnungsmarkt.
Bild: Anne Wall

Sie locken mit bezahlbaren Angeboten und fordern von Interessenten vorab eine Kaution. Wer das Geld überweist, sieht es nie wieder. So zocken Wohnungsbetrüger ab.

Das Angebot auf Immobilienscout24 klingt mehr als verlockend: Eine Wohnung in einem top sanierten Jungendstil-Altbau, mitten in der Innenstadt in Augsburg. 70 Quadratmeter groß, zwei Zimmer, moderne Kücheninsel, Aufzug und Balkon. Mietkosten: schlappe 500 Euro, keine Provision. Eben das, was jeder sucht. Angeboten wird die Wohnung von einer gewissen "Maggie". Zu schön um wahr zu sein?

Wohnungsbetrüger agieren meist unter englischen Decknamen

Was klingt wie eine Traumwohnung, ist in Wirklichkeit eine Masche von Betrügern. Immer wieder stoßen Nutzer in Immobilienportalen auf verlockend billige Wohnungen in idealer Lage. In den vergangenen Monaten verstärkt auch in Augsburg. Inseriert werden sie von Wohnungsbetrügern, meist getarnt unter englischen Decknamen - wie Monica Halen, Andrea Hamilton, Hillary oder eben Maggie.

Das Schema, mit dem sie dabei vorgehen, ist meist ähnlich. Die Betrüger laden sich auf Seiten von Maklern Fotos, Exposés und Beschreibungen von Wohnungen herunter, die tatsächlich verkauft und vermietet werden. Und genau diese landen dann auf den einschlägigen Portalen – mit abgeänderter Adresse, anderem Kontakt und einem verlockend günstigen Preis.

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So, wie bei Maggie. Auch Maggies Wohnung ist in Augsburg tatsächlich zu finden. Nur in einer komplett anderen Lage und einem anderen Haus. Wer Maggie kontaktieren möchte, kann das nur per Mail. Denn im Adressformular des Portals, wo normalerweise Makler oder Privatleute stehen, werden weder Adresse noch Telefonnummer genannt.

Antwort von einem polnischen Ingenieur

Wer an die anonyme E-Mail-Adresse schreibt, bekommt jedoch prompt Antwort: Jetzt allerdings nicht mehr vor Maggie, sondern einem polnischen "Ingenieur" namens Moreau Duboies. In gebrochenem Deutsch erklärt er, dass er aus beruflichen Gründen nach England ziehen musste und seine alte Wohnung schnell vermieten wolle. Für die Schlüsselübergabe schlägt Duboies, der sich gelegentlich auch Dubois nennt, eine Kaution vor, die bereits vorab gezahlt werden soll.

Vorgeschlagen werden dann meist Institutionen, bei denen man Bargeld ohne konkreten Personennachweis überweisen kann, wie zum Beispiel Western Union. Ist das Geld bezahlt, gibt es allerdings weder Schlüssel noch Wohnung. Und die Empfänger melden sich dann natürlich auch nicht mehr.

Mietbörsen sind die Tricks längst bekannt

Mietbörsen im Internet sind diese Tricks seit langem bekannt.  Im Sommer 2009 tauchten die ersten Fälle auf, seither werden es immer mehr. Beim Marktführer Immobilienscout24 habe man deshalb technische Maßnahmen installiert, die die eingestellten Objekte überprüfen. "Es wird nach Auffälligkeiten gesucht wie sehr niedrige Mietpreise, Wortverdrehungen im Text oder merkwürdige E-Mailadressen“, wie Pressesprecherin Sonja May gegenüber AZ-Online erklärt. Verdächtige Angebote würden dann selbstverständlich gelöscht, das zugehörige Nutzerkonto gesperrt.

In der Realität, so May, sei das allerdings ein reines Katz-und-Maus-Spiel: Es kann nicht verhindert werden, dass sich ein gesperrter Nutzer später unter einem neuen Account wieder anmeldet und dasselbe Angebot mit denselben Bildern erneut einstellt. Bei monatlich über 10 Millionen Nutzern und mehr als 1,5 Millionen Inseraten würden bedauerlicherweise auch Betrüger angelockt. Und dies erhöhe die Wahrscheinlichkeit, dass unter den Interessenten einer ist, der auf die Betrugsmasche hereinfällt.

Helfen kann das Unternehmen den Geschädigten nicht. Das Geld bleibt verloren, da Immobilienscout24 nicht für die Angebote haftet. Unter www.sichere-immobiliensuche.de informiere das Portal deshalb zusätzlich über die Betrugsthematik, erklärt May. Generell gelte jedoch vor allem eines: "Finger weg, wenn eine Zahlung gefordert wird, bevor man überhaupt die Wohnung gesehen hat."

Betrüger bleiben im Ausland fast immer unerreichbar

Informieren über die Wohnungsbetrüger kann man sich auch auf dem Blog wohnungsbetrug.blogspot.de.  2013 wurden auf dem Blog knapp 6000 Beiträge zu Fake-Anzeigen veröffentlicht. Auch Moreau Duboies ist dort zu finden. Eine kurze Recherche zeigt, dass der angeblich polnische Ingenieur unter anderem auch in Köln, München, Stuttgart oder Frankfurt Wohnungen vertreibt. Selbstverständlich in Top-Lage und zu einem Spott-Preis.

Der Betreiber des Wohnunsbetrug-Blogs scannt die einschlägigen Wohnungsportale und lässt sich von seinen Lesern Links und Mails zu dubiosen Angeboten zuschicken. Seine Identität möchte er nicht offenbaren. Zu viele Drohungen seien bei ihm schon eingegangen, erklärt er. Er vermutet, dass hinter den englischen Namen weltweit agierende Betrüger stecken. Doch sicher, ist er sich nicht.

Tatsächlich kann in vielen Fällen gar nicht oder nur schwer nachvollzogen werden, wer hinter den Annoncen steckt - ob es sich um Einzelpersonen oder ganze Betrügerbanden handelt. Auch den Betrugsdezernaten der Polizei ist der Wohnungsschwindel zwar bekannt, die anonymen Täter bleiben im Ausland jedoch fast immer unerreichbar.

Zahl der Opfer bislang gering

In Augsburg ist die Zahl der bekannten Opfer bislang gering: "Es wurden uns drei Fälle gemeldet", erklärt Ludwig Zausinger vom Polizeipräsidium Schwaben Nord. Sie alle seien auf eine kürzlich kursierende Annonce hereingefallen, in der eine frisch renovierte 4-Zimmer-Wohnung in bester Altstadtlage rund 30 Prozent unter Normalpreis angeboten wurde. Auch hier wurden die Geschädigten aufgefordert, Geld per Vorkasse an eine Person nach Polen zu überweisen.

Auch Zausinger rät deshalb, niemals in Vorleistung zu gehen. Vor allem bei Zahlungen mit Western Union, mit PaySafe oder Überweisungen an englische Banken sei Vorsicht geboten.

Die zehn teuersten Häuser in Augsburg 

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