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Augsburg

17.05.2015

Wohnzimmer schafft Kontakte im Schwabencenter

Zwar nicht mitten in der Ladenpassage wie auf diesem symbolischen Bild, aber inmitten der  Einzelhandelsflächen gibt es jetzt einen Treffpunkt für Schwabencenter-Bewohner und Gäste. Ziel ist, dass dieses "Wohnzimmer" täglich zu den Kernzeiten geöffnet ist.
Bild: Annette Zoepf

Das Projekt „Lebensraum Schwabencenter“ hat ein erstes Ergebnis erbracht: Ein leeres Ladenlokal ist zum sozialen Treffpunkt für Bewohner und Menschen aus dem Herrenbach umgestaltet worden

Von Andreas Alt

Herrenbach An der Damenrunde, die gerade Patchworkdecken herstellt, ist auf den ersten Blick nichts Ungewöhnliches – abgesehen vom Ort ihres Treffens. Der Raum ist ein leeres Ladenlokal. Draußen, hinter einer Glasfront, laufen Scharen von Einkäufern vorbei, die ab und zu neugierige Blicke hineinwerfen. Hier wurde kürzlich ein „Wohnzimmer“ eingerichtet, eine erste konkrete Umsetzung des Projekts „Lebensraum Schwabencenter“, mit dem das Einkaufszentrum mit drei großen aufgesetzten Hochhausblöcken und etwa 1200 Bewohnern umgestaltet werden soll.

Das Projekt hatte im Februar mit einer Ausstellung begonnen, in der Visionen von Wohn- und Lebensformen und neuen Impulsen für den Einzelhandel präsentiert wurden (wir berichteten). Die Besucher hatten zugleich die Möglichkeit, ihren persönlichen Bezug zu dem 45 Jahre alten Bau darzustellen und Wünsche zu äußern. „Wir sind dabei mit 600 Leuten ins Gespräch gekommen“, sagt Architektin Marion Wöhrl, die für die Lokale Agenda 21 ehrenamtlich an dem Projekt mitarbeitet.

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Man wusste damals bereits: Trotz eines etwas zweifelhaften Rufs des Schwabencenters als Wohnstätte leben viele Menschen gern hier. Das bestätigt die 72-jährige Helga Hillebrand, Teilnehmerin des Patchwork-Kurses, die seit zehn Jahren hier eine Eigentumswohnung hat. Sie schätzt die grandiose Aussicht auf die Alpen von den oberen Etagen aus, die Nähe zum Botanischen Garten und zum Siebentischwald, vor allem auch, dass sie im Schwabencenter alles vor der Tür hat: Ärzte, Apotheke, Bank, vielfältige Einkaufsmöglichkeiten. Und das Haus ist barrierefrei – eine echte Alternative zum Seniorenheim.

Aber wie viele andere Bewohner stört sie, dass es abends nach Ladenschluss keinen Treffpunkt mehr gibt – übrigens nahezu im gesamten Herrenbachviertel nicht. „Ich möchte aber nicht immer nur zum Nachbarn, sondern mit einer größeren Nachbarschaft in Kontakt kommen.“ Dem soll das Projekt „Lebensraum Schwabencenter“ jetzt durch die Einrichtung des „Wohnzimmers“ abhelfen. Lisa Schuster von der SIC-Quartiersentwicklung ist froh, dass die Centerleitung nichts dagegen hatte und ein Ladenlokal zunächst bis Jahresende dafür zur Verfügung gestellt hat.

Der Ladenschluss um 20 Uhr ist für die Nutzung dieses Raums kein Hindernis, denn es gibt einen Zugang von der Friedberger Straße her. Mit der Centerleitung wird gerade geklärt, wie sich das mit der Hausordnung vereinbaren lässt. Allerdings ist an eine tägliche Kernöffnungszeit momentan noch nicht zu denken. „Die Angebote wachsen langsam, aber stetig“, sagt Schuster. Es gibt ein Monatsprogramm mit verschiedenen Kursen, geselligen Veranstaltungen und Planungstreffen. Am morgigen Samstag soll ab 10 Uhr das „Wohnzimmer“ im Rahmen eines Aktionstags weiter hergerichtet und verschönert werden. Es fehlt aber noch das Personal, um den Raum über diese Termine hinaus zu öffnen.

An Ideen mangelt es nicht. Weil bisher fast ausschließlich Frauen das Programm nutzen, will man am Donnerstag, 21. Mai, ab 19 Uhr erstmals einen Schafkopfabend veranstalten und hofft, dass dazu auch ein paar Männer kommen. Wöhrl denkt daran, vielleicht Sprachkurse anzubieten. Der Inhaber des türkischen Imbisses habe hier bereits für die Besucher Gitarre gespielt. Mit dem Kulturpark West ist sie im Gespräch, um Ausstellungen in den Raum zu holen. Schuster hat eine offene Bücherwand im Sinn, die geschaffen werden könnte (jeder kann gratis Bücher einstellen oder mitnehmen). Auch eine Infobörse („suche – biete“) hält sie für wünschenswert.

„Wenn wir mit Leuten in Kontakt kommen, fragen wir immer nach: Haben Sie Lust, sich hier einzubringen? Jeder kann etwas anderes beitragen. Damit soll im Schwabencenter ein Wir-Gefühl entstehen“, sagt Schuster. Das Wohnzimmer habe auch den Charme des Improvisierten. Bisher gibt es nach ihren Worten einen harten Kern von 15 bis 20 Personen, die beim Projekt „Wohnzimmer“ mitarbeiten, und einen noch überschaubaren Kreis von Besuchern. „Aber ich treffe jetzt beim Einkaufen im Center immer Leute, die ich vom Wohnzimmer her kenne“, fügt Wöhrl hinzu, „es ist schon nicht mehr so anonym wie früher.“

Vor allem will man weiter auf Anregungen der Bewohner und Nachbarn des Schwabencenters eingehen. Künstlerin Yvonne Schlosser hat etwa gehört, dass viele die Zoohandlung vermissen, die es früher im Center gab. Jetzt bereitet sie eine Ausstellung mit Origami-Tieren vor, die an diesen Laden erinnern soll.

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