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"Wodans Erben"

29.11.2019

Wollen Rechtsextreme eine Rocker-Demo in Augsburg kapern?

Mitglieder der rechtsextremen Vereinigung „Wodans Erben“ waren am Wochenende auf einer Augsburger Demo.
Bild: Annette Zoepf

Plus Ein Augsburger organisiert eine Veranstaltung, die den Namen „Rocker gegen Altersarmut“ trägt. Doch neben Motorrad-Fans reist auch eine rechtsextreme Gruppierung an.

Der Augsburger Andreas Schafranek sieht sich als Rocker. Aber im positiven Sinn. Es geht ihm ums Motorradfahren, um persönliche Freiheit. Er sagt, er sei weder ein „böser Junge“ noch politisch extrem. Doch er beschloss, dass er aktiv werden muss. Ihn beschäftige die zunehmende Altersarmut, sagt er. Dagegen wolle er etwas tun. Die Begegnung mit einer Seniorin, die Flaschen sammeln muss, habe tiefen Eindruck bei ihm hinterlassen.

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Schafranek hatte deshalb auf Facebook die Gruppe „Rocker gegen Altersarmut“ gegründet und zu einer Demo nach Augsburg eingeladen. Am Wochenende traf man sich am Königsplatz. Unter den etwa 100 Teilnehmern waren viele Mitglieder unauffälliger Motorradclubs wie die „Motorradfreunde Untermeitingen“ oder die Augsburger „500 for Life Brotherhood“, zu denen auch Veranstalter Schafranek gehört. Zu der Veranstaltung am Sonntag kamen allerdings auch Mitglieder einer rechtsextremen Gruppierung, die im Visier des bayerischen Verfassungsschutzes ist. Als die Rocker sich auf dem Königsplatz versammelten, waren viele verschiedene Kutten zu erkennen.

Die meisten von Rockergruppen, die auch von der Polizei als friedlich und harmlos eingestuft werden. „Hells Angels“ etwa oder „Bandidos“, deren Anhänger immer wieder mit Kriminalität in Verbindung gebracht werden, waren nicht zu sehen. Dafür aber rund ein Dutzend Personen, die Pullis und Jacken mit dem Emblem „Wodans Erben“ trugen. Die rechtsextreme Gruppierung tritt gerne im Stile einer Bürgerwehr auf und machte zuletzt etwa auf sich aufmerksam, als sie Anfang Februar in eine Asylbewerberunterkunft in München-Moosach eindrang, wie die Süddeutsche Zeitung berichtete. Unter den Teilnehmern sollen auch Münchner Pegida-Aktivisten und Mitglieder der NPD gewesen sein.

Wollen Rechtsextreme eine Rocker-Demo in Augsburg kapern?

Demo in Augsburg: "Rocker gegen Altersarmut"

Im Internet lassen sich auf Youtube Videos von „Wodans Erben“ finden, eines zeigt einen mit martialischer Musik unterlegten Spaziergang durch München „Der Balkon wo Adolf Hitler stand, un seine Parade abzunehmen. An den Tag wo Er Reichkanzler wurde“ heißt es in holprigem Deutsch als Hinweis in einer Einblendung.

Vom bayerischen Verfassungsschutz heißt es auf Anfrage, die Aktivisten hätten im Februar auch einen nächtlichen Fackelumzug auf die Tribüne des ehemaligen NS-Reichsparteitagsgeländes in Nürnberg veranstaltet. Der Verfassungsschutz geht derzeit davon aus, dass die Gruppe bis zu 20 Personen mobilisieren könne, gewalttätige Aktionen seien von den Bürgerwehraktivisten in Bayern bisher nicht begangen worden. Der Verfassungsschutz sieht aber bei rechtsextremistischen Bürgerwehraktivisten „eine grundsätzliche Affinität einiger Gruppierungen zu Gewalt“.

Wollen Rechtsradikale das Projekt des Augsburger Motorrad-Fans kapern? Schafranek sagt jedenfalls, er habe sich an dem Tag nicht jedes einzelne Logo auf den Rücken der Teilnehmer angeschaut – und von „Wodans Erben“ zuvor noch nie etwas gehört. Dass er die Teilnehmer mit Handschlag verabschiedet habe, sei nicht als Zeichen der Sympathie mit der Haltung von „Wodans Erben“ zu verstehen. Man habe jeden auf der Veranstaltung begrüßt und verabschiedet, das gebiete der „Anstand unter Motorradfahrern“.

Schafranek sagt, er distanziere sich von jedem rechtsextremen Gedankengut: Die Mehrheit der Teilnehmer der Veranstaltung habe damit nichts zu tun, es seien unter anderem selbstständige Handwerksmeister unter ihnen gewesen, die von möglicher Altersarmut betroffen sind, oder auch ältere Menschen, die mit Gehhilfe oder Rollstuhl vor Ort waren. Er habe „Wodans Erben“ gebeten, zu einer möglichen nächsten Veranstaltung dieser Art nicht zu erscheinen, was die Gruppierung ihm auch zugesichert habe.

Bayerischer Verfassungsschutz hat "Wodans Erben" im Blick

Vom bayerischen Verfassungsschutz heißt es, die rechtsextremistische Gruppe „Wodans Erben Germanien“ sei im Juni 2018 aus den „Soldiers of Odin“ hervorgegangen. Auch die sind in Augsburg nicht unbekannt,rund 15 Aktivisten wurden im März vergangenen Jahres bei einem Rundgang durch die Stadt von der Polizei kontrolliert. Nach Informationen unserer Redaktion war damals mehr als die Hälfte der Gruppe, die von sich behauptete, sie wolle auf den Straßen für Sicherheit sorgen, vorbestraft gewesen, auch wegen rechtsextremer Taten.

Ein Reporter des von der SPD betriebenen Internetportals „Endstation Rechts“ kritisierte, dass die Polizei die Demonstration nicht ausreichend überwacht habe. Erst längere Zeit nach Beginn sei ein Streifenwagen am Königsplatz vorgefahren und habe das Geschehen aus der Distanz verfolgt. Tatsächlich war anfangs keine Polizei auf dem Platz zu sehen. Polizeisprecher Michael Jakob betont aber, man habe das Geschehen ständig im Blick gehabt – auch mit Beamten in Zivilkleidung.

Als sich gezeigt habe, dass mutmaßliche Rechtsextremisten teilnehmen, hätten sich auch Beamte des Unterstützungskommandos vor Ort postiert. Dass die Mitglieder von „Wodans Erben“ – anders als bei ihren Patrouillen – nicht kontrolliert worden seien, hänge damit zusammen, dass die Polizei nicht einfach die Personalien von Demo-Teilnehmern kontrollieren könne. Schließlich sei das Demonstrationsrecht ein Grundrecht, so Jakob. Aus Sicht der Polizei sei jedenfalls alles problemlos abgelaufen. Andy Schafranek plant, möglicherweise im Frühjahr noch einmal zu einer Protestaktion gegen Altersarmut aufzurufen, „wenn die Motorradsaison losgeht“. Dann, vermutet er, würden noch weitaus mehr Rocker zum Protest nach Augsburg kommen.

Lesen Sie auch: Wie Polizei und Geheimdienste gegen rechtsextreme „Bürgerwehren“ vorgehen

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