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Jubiläum

21.06.2013

Wortkunst unter Kastanien

Carl Amery las im August 2001 im Biergarten Drei Königinnen.
Bild: Ruth Plössel

„Literatur im Biergarten“ gehört seit 25 Jahren zum Augsburger Sommer

Wenn man dort Gstanzl singen und Theater spielen kann, warum dann nicht auch die Literatur in den Biergarten holen? Vor 25 Jahren hatten Buchhändler Kurt Idrizovic und Literaturagent Arno Löb die zündende Idee. Als geeigneten Ort guckten sie den mit hohen Mauern eingefriedeten Altstadt-Biergarten Drei Königinnen hinter der Fuggerei aus. Ein Oskar-Maria-Graf-Gedächtnisfest eröffnete im August 1987 beim damaligen „Lochwirt“ eine bis heute in Bayern einmalige Reihe.

Geistigen Anspruch sollte die dort vorgetragene Wortkunst haben und doch zünftig zu einer Maß Bier und einem Radi passen. Der Rückgriff aufs bayerische Volksgut mit deftiger Direktheit und hintersinnigem Humor lag nahe. Aber das Publikum goutierte auch ganz andere Sachen. Ausverkauft waren die rund 300 Plätze unter den Kastanien ebenso, als die scharfzüngige Papstkritikerin Uta Ranke-Heinemann („Eunuchen für das Himmelreich“) kess den Hocker erklomm oder als Gregor Gysi den „Zeitgeist des Sozialabbaus“ geißelte. Bei Harry Rowohlt drehte um 23 Uhr die Polizei den Strom ab und damit den Redeschwall des Literaturfreunds.

Den Münchner Richter Herbert Rosendorfer („Briefe in die chinesische Vergangenheit“) musste Kurt Idrizovic 1990 erst davon überzeugen, dass er im Augsburger Biergarten nicht gegen Gläserklirren und Geschwätz würde ankämpfen müssen. „Er konnte sich nicht vorstellen, welches wunderbare Ambiente und welch aufmerksames Publikum wir haben“, erinnert sich Idrizovic. Auch Urs Widmer, Gerhard Köpf und Carl Amery muteten ihren Zuhörern anspruchsvolle Kost zu. Amery gehört zusammen mit Jörg Hube und Wolf Euba zu den bereits verstorbenen renommierten Gästen der Literatur im Biergarten.

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„Im August war eigentlich nichts los“

Kurt Idrizovic und Arno Löb erwarben sich mit der Reihe auch das Verdienst, in der veranstaltungsarmen Sommerpause attraktive Kulturtermine zu bieten. „Als wir 1987 angefangen haben, war in Augsburg im August eigentlich nichts los. Touristen wie Einheimische hat man einfach im Stich gelassen“, erklärt Idrizovic. Ein nahezu immer (oft im Voraus) ausverkaufter Biergarten gab den Veranstaltern recht. Nur 1991 gab’s ein Jahr Pause, weil die Wirtschaft umgebaut wurde.

Natürlich mussten die Voraussetzungen stimmen: „Wir haben einen der schönsten Biergärten, einen aufgeschlossenen Gastronomen und ein angemessenes Platzkontingent“, zählt der Buchhändler auf. All dies trug dazu bei, dass Idrizovic so lange mit der Reihe durchhalten konnte. „Es war für uns immer ein Vergnügen – auch wenn es mit viel Arbeit verbunden war“, sagt Idrizovic.

Bis heute gilt: Die Veranstaltungen finden bei jedem Wetter statt. Axel Hacke hat bei einem heftigen Gewitter fürchterlich gelitten, aber das Publikum harrte aus. Idrizovic: „Die Profis kommen schon mit Regenschutz ausgestattet.“

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