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Augsburg

25.09.2016

Wozu die MAN eine Löschkanone braucht

Orhan Duszmes und Alois Miller (von links) von der Werksfeuerwehr der MAN stehen auf dem Dach ihres neuesten Löschfahrzeugs und demonstrieren die Arbeit mit der Löschkanone.
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Orhan Duszmes und Alois Miller (von links) von der Werksfeuerwehr der MAN stehen auf dem Dach ihres neuesten Löschfahrzeugs und demonstrieren die Arbeit mit der Löschkanone.
Bild: Annette Zoepf

Werksfeuerwehren kümmern sich nicht nur um den Brandschutz. Aber hauptsächlich sind sie spezialisiert auf Einsätze, die in ihrem Betrieb nötig werden können.

In Augsburg gibt es nicht nur freiwillige Feuerwehren und die Berufsfeuerwehr. Mehrere Firmen unterhalten auch eine eigene Werksfeuerwehr, so beispielsweise MAN Diesel & Turbo an der Sebastianstraße. Die Kameraden betreuen auch die nahe gelegenen Firmen MAN Roland und MT Aerospace mit. Das hat historische Gründe. Früher gehörten alle zu demselben Konzern.

Ob Betriebe eine eigene Wehr betreiben müssen, entscheidet der Gesetzgeber. Ein Grund kann sein, dass sich dadurch in Gefahrensituationen die Eingreifzeit erheblich verringert im Vergleich zur ausrückenden Berufsfeuerwehr. „Wir haben eine Gießerei und Prüfstände, auf denen Motoren mit der Leistung eines kleinen Kraftwerkes getestet werden. Sollte da etwas passieren, muss schnell gehandelt werden“, erläutert der Sicherheitsingenieur Kim Andres, warum dies bei MAN Diesel & Turbo vorgeschrieben ist. Auf den 13 Prüfständen werden Motoren mit einer Leistung von bis zu 20 Megawatt getestet. Zum Vergleich: Der Intercity-Express 3 wird mit acht Megawatt angetrieben.

Nach den Bedürfnissen des Unternehmens

Auch feuerwehrtechnisch wurde bei den Prüfständen eine ungewöhnliche Lösung gewählt. Weil der Platz nicht ausreicht, damit die Kameraden löschen können, wurden Leerrohre verlegt, an die die Kameraden im Ernstfall ihre Schläuche anschließen und auf diese Weise das Löschmittel ins Innere transportieren. Eigens dafür wurde ein Löschfahrzeug (HLF 20) angeschafft und nach den Bedürfnissen des Unternehmens aufgebaut.

Werksfeuerwehren sind spezialisiert auf die in ihrem Unternehmen zu erwartenden Einsätze und haben deswegen auch teils eine andere Ausstattung als herkömmliche Einsatzfahrzeuge. „Weil wir beispielsweise nicht zu Autounfällen ausrücken, haben wir auch keinen Rettungssatz, zu dem beispielsweise die Blechschere zum Rausschneiden gehört, im Fahrzeug“, erklärt Kommandant Walter Blum.

Transport größerer Lasten 

Die Kameraden rücken aber hin und wieder auch aus dem Werk aus, um Hilfe zu leisten. Das passiert, wenn die Berufsfeuerwehr sie anfordert. Sie sind Teil des Alarmierungsplans der Stadt Augsburg. Angefordert wurden sie unter anderem, als ein gestorbener Mann mit einem Gewicht von etwa 300 Kilogramm aus seiner Wohnung geholt werden musste. „Unser Einsatzfahrzeug hat einen Teleskopmasten. Der fährt nicht nur schneller aus als eine Drehleiter, sondern der Korb ermöglicht auch den Transport größerer Lasten“, so Blum. Der Mast kann auch unterflur, zur Rettung aus Gräben, eingesetzt werden.

Insgesamt 37 Mitglieder hat die Werksfeuerwehr bei MAN, davon üben sechs die Aufgabe hauptberuflich aus, die anderen werden im Einsatzfall per Nachricht alarmiert. Die Wehr ist permanent mit Personal besetzt. Die Gruppenstärke besteht aus mindestens acht Kollegen. Blum selbst war früher als Meister bei MAN Roland in der Reparaturwerkstatt tätig, wechselte später zur Feuerwehr bei Diesel & Turbo. „Mein Vater war schon Kommandant einer Dorffeuerwehr. Wenn man damit aufwächst, lässt einen diese Faszination ein Leben lang nicht wieder los.“ Die meiste Arbeit ist zeitaufwendige Routine. Dazu gehört das Schulen von Mitarbeitern, damit sie sich im Brandfall richtig verhalten, oder die Kontrolle von Sprinklern, Feuermeldern und Feuerlöschern. Die Aktiven kontrollieren auch Feuerklappen und werfen die Pumpen an, wenn es mal wieder stärker geregnet hat. „Auf dem Werksgelände gibt es drei Bäche, und der Grundwasserspiegel ist hoch, da kommen solche Einsätze immer wieder vor“, so Blum.

2000 Schweißgenehmigungen

Viel Zeit nimmt auch eine Aufgabe in Anspruch, an die Außenstehende nicht unbedingt im Zusammenhang mit einer Feuerwehr denken: Schweißarbeiten. Die Kameraden müssen sicherstellen, dass die Arbeitsplätze so hergerichtet sind, dass nichts passieren kann. „Weil unsere Gebäude bis zu 150 Jahre alt sind und auf den aktuellen Stand gebracht werden müssen, haben wir viele Fremdfirmen auf dem Gelände, die kontrolliert werden müssen. Schweißperlen können auch Stunden nach der Arbeit noch glühen und Brände verursachen“, so Andres. 2000 Schweißgenehmigungen wurden dieses Jahr ausgestellt.

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