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Augsburg

29.05.2015

Wurde eine Augsburgerin in der Türkei festgehalten?

Romantische Sonnenuntergänge in der Türkei: Damit war es bei einem jungen Paar bald vorbei.
Bild: EPA/LINDSEY PARNABY. dpa

Ein junger Türke hält seine Augsburger Freundin in seiner Heimat angeblich gewaltsam fest. Doch was ist wirklich passiert?

Es ist die Geschichte einer zerbrochenen Liebe zwischen einem smarten jungen Türken aus Izmir und einer Deutsch-Russin aus gutem Hause. Es ist die Geschichte einer Beziehung, die hin und her pendelte – meist per Flieger zwischen beiden Ländern – und bei der jetzt ein Gericht den juristischen Scherbenhaufen zusammenkehren muss. Das Ungewöhnliche an diesem Prozess: Die Straftaten von Körperverletzung über Nötigung bis zu Freiheitsberaubung, die die Anklage dem 23-Jährigen vorwirft, haben sich alle in der Türkei abgespielt.

Sie lernten sich über Facebook kennen

Im Sommer 2011 lernen sich die beiden jungen Leute über Facebook kennen. Er lebt in Izmir, sie in Augsburg. Sie fliegt bald darauf in die Türkei, die zwei verlieben sich. Ende 2011 zieht er nach Deutschland, beide beziehen eine Wohnung. Doch das junge Glück wird abrupt gestört: Der 23-Jährige ist in eine Betrugsgeschichte verwickelt, er wird per Haftbefehl gesucht. Er setzt sich im Juni 2012 rasch in die Türkei ab.

Zwei Monate später kommt ihn seine Freundin besuchen – übers Wochenende, so ist es geplant. Doch der Aufenthalt in Izmir und in einer Villa im Badeort Marmaris an der türkischen Ägäis dauert fünf Wochen länger – so lange soll der Türke seine Freundin angeblich mit Gewalt und Drohungen festgehalten haben. Erst mithilfe des deutschen Generalkonsulats in Izmir soll es dem Vater der Frau gelungen sein, sie nach Deutschland zurückzuholen.

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Ob die verlängerte Türkeireise nun freiwillig oder erzwungen war, soll das Jugendschöffengericht unter Vorsitz von Ortrun Jelinek herausfinden. Der Angeklagte, verteidigt von Adam Ahmed und Felix Dimpfl, sagt, er habe seine Freundin weder eingesperrt noch bedroht oder geschlagen.

„Ich habe diese Frau doch über alles geliebt.“ Sie sei freiwillig geblieben, nur ihre Eltern hätten Druck gemacht. Als die 24-Jährige am 14. September 2012 Zuflucht im Generalkonsulat sucht und ein Flugticket nach Deutschland bekommt, steht er schon am Flughafen und wartet auf sie. Mit Gewalt soll er sie in sein Auto gezerrt und wieder in seine Wohnung gebracht haben, was er aber bestreitet. Erst drei Tage später gelingt die Flucht – der Vater der Frau ist nach Izmir gekommen. „Er ist immer ausgeflippt, als ich zurück wollte“, belastet die Ex-Freundin als Zeugin den Angeklagten. „Er drohte, mich aus dem Fenster zu schmeißen, hat mich geschlagen. Ich hatte Angst“.

Dass die Liebe aufgrund der Ereignisse in der Türkei zu diesem Zeitpunkt schon in die Brüche gegangen war, daran lassen zwei Dinge durchaus zweifeln. Als der Türke im Dezember 2012 illegal nach Deutschland zurückkehren will und über Kroatien nach Slowenien reist, holt ihn die 24-Jährige dort ab.

Ein seltsames Verhalten nach all dem, was angeblich passiert ist. Die Erklärung der Frau im Gerichtssaal: „Ich habe ihn nur abgeholt, weil ich von ihm die 5000 Euro zurückhaben wollte, die ich ihm geliehen hatte.“ Sie räumt auch ein, ihren Ex noch drei Wochen vor Prozessbeginn im Knast angerufen zu haben. Der Angeklagte behauptet: „Sie sagte, sie könne vor Gericht nicht die Wahrheit sagen wegen ihrer Familie.“

Das Gericht speckt nach zweitägigem Prozess die Vorwürfe der Anklage im Urteil ab. Es stockt die eineinhalbjährige Jugendstrafe, die der junge Mann wegen Geldwäsche derzeit absitzt, um weitere sechs Monate auf. Allerdings hat der 23-Jährige noch ein weiteres Verfahren zu erwarten.

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