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Augsburger Rentner sorgt für Eklat

07.10.2009

Wutanfall auf der Anklagebank

Weil ein Rentner in einem Zivilstreit leer ausging, schwenkte er auf dem Augsburger Rathausplatz eine Hakenkreuzfahne. Bei der Verhandlung dieses Falles sorgte der Mann für einen weiteren Eklat. Von Klaus Utzni

Der Angeklagte, ein 73 Jahre alter Rentner, scheint den deutschen Rechtsstaat abgrundtief zu verachten.

Weil er in einem Zivilstreit gegen seinen ehemaligen Mieter um Schadensersatz für eine demolierte Türe leer ausging und dafür den Staat verantwortlich macht, schwenkte er mitten auf dem Augsburger Rathausplatz eine rote Hakenkreuzfahne, schrie "Sieg Heil" und hob die Hand zum Hitler-Gruß.

Beim Einsatz der Polizei kam es zu einem großen Menschenauflauf. Im Strafjustizzentrum sorgte der Mann nun für einen weiteren Eklat: Beim Prozess gegen ihn schrie und tobte er derart, dass er nach dem Urteil von zwei Justizwachtmeistern aus dem Haus gebracht werden musste.

Wutanfall auf der Anklagebank

Es war am Nachmittag des 14. August 2008, als der Rentner unmittelbar neben dem Augustusbrunnen eine selbst gebastelte Hakenkreuzfahne ausrollte, sie durch die Luft schwenkte und "Sieg Heil" rief. Sofort bildete sich eine Menschentraube.

Ein Dutzend Polizisten wurden zum Rathausplatz beordert. Der Rentner weigerte sich, seinen Ausweis zu zeigen, bei der Festnahme kam es zu einer Rangelei und der 73-Jährige musste gefesselt werden. Beim Polizeieinsatz erlitt er eine Schulterverletzung und kurzzeitig vor Aufregung einen Schwächeanfall.

Jetzt folgte im Strafjustizzentrum das Nachspiel der verqueren "Protestaktion". Wegen Verwendung verfassungswidriger Kennzeichen und Widerstands musste sich der Rentner vor Richterin Vera Hörauf verantworten.

Der Prozess begann mit Schreien und Schlägen auf den Tisch und endete mit einem Tobsuchtsanfall des Angeklagten. Er habe nur gegen "unseren Unrechtsstaat protestieren und halt Aufsehen erregen wollen, weil wir heute genau da sind, wo wir damals unter Hitler waren". Niemals habe er das Nazi-Regime verherrlichen wollen. "Ich habe ja selbst den Krieg miterlebt." Immer wieder eskalierte die Situation im Sitzungssaal, der Rentner brüllte voller Wut und unterbrach Zeugen, sodass ihm Staatsanwalt Michael Nißl mehrfach ein Ordnungsgeld androhte: "Sie fordern unseren Rechtsstaat ein, führen sich hier aber ungebührlich auf. Das geht nicht." Auch wer sich ungerecht behandelt fühlt, habe kein Recht, Straftaten zu begehen.

Als Richterin Vera Hörauf das Urteil - 4200 Euro Geldstrafe - verkündete, sorgte der Rentner für den Schluss-Eklat: Er weigerte sich aufzustehen und wurde dafür umgehend zusätzlich mit einem Ordnungsgeld von 300 Euro belegt. Der darauf folgende lautstarke Tobsuchtsanfall liéß zwei Wachtmeister zum Gerichtssaal eilen, die den wütenden Angeklagten mit sanfter Gewalt ins Freie schafften.

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