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Augsburg-Stadt

20.11.2013

Zahn-Implantat kam beim Niesen aus der Nase

Eine 61-jährige Frau bekommt 4000 Euro von ihrem ehemaligen Zahnarzt, nachdem die Anpassung einer Zahnprothese ziemlich daneben gegangen war. Symbolbild
Bild: Hans Wiedl (dpa)

 Zahnarzt und Patientin treffen sich vor Gericht wieder. Der Mediziner bestreitet Fehler, stimmt dann aber doch einem Vergleich zu

Eine 61-jährige Frau bekommt 4000 Euro von ihrem ehemaligen Zahnarzt, nachdem die Anpassung einer Zahnprothese ziemlich daneben gegangen war. Die Frau hatte sich vor fünf Jahren am Oberkiefer mehrere Titan-Stifte setzen lassen, mit denen ein herausnehmbares Gebiss verankert werden sollte.

Allerdings stellten sich schnell Probleme ein: Zwei Stifte mussten herausgenommen werden, nachdem sie bis in die Kieferhöhle vorgedrungen waren. Die Prothese, die regelmäßig gereinigt werden muss, ließ sich zudem nicht mehr aus dem Mund herausnehmen. Außerdem begann eines der Implantate im Knochen zu wandern, so die 61-Jährige. „Eines kam beim Niesen aus der Nase heraus“, berichtet die Frau. Schließlich mussten die Implantate herausgebohrt werden.

Zahnarzt auf 5000 Euro Schmerzensgeld verklagt

Gestern wurde der Fall vor dem Landgericht verhandelt. Die 61-Jährige (Anwalt: Michael Scheerschmidt) hatte den Zahnarzt auf 5000 Euro Schmerzensgeld verklagt, nachdem sich im Nachgang auch eine Entzündung gebildet hatte. Soweit man anhand eines Sachverständigengutachtens sehen könne, sei die Maßnahme „nicht gelungen“, so Richter Hermann Wagner am Anfang der Verhandlung zu dem Zahnarzt.

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Sollte alles so stimmen wie von der Klägerin behauptet, seien 5000 Euro auch keine überzogene Forderung. Häufig gehen Patienten in derartigen Fällen mit deutlich höheren Forderungen ins Rennen, um Verhandlungsspielraum nach unten zu haben, falls es zu einem Vergleich kommt.

Gutachten: Einsatz ist im Knochen gewandert

Angesichts der deutlichen Einschätzung des Gerichts stimmte der Zahnarzt einem Vergleich über 4000 Euro zu, abhängig von der Zustimmung seiner Haftpflichtversicherung. Zuvor hatte der Zahnarzt bestritten, Fehler gemacht zu haben. Es sei etwa fraglich, ob es besser gewesen wäre, die Prothese sofort mit Gewalt zu entfernen, statt noch etwas zu warten, so sein Anwalt David Herrmann.

Ein für gestern geladener Gutachter wurde nicht mehr gehört, da eine Einigung erzielt wurde. Er hatte in seinem schriftlichen Gutachten angesprochen, dass bei der Patientin offenbar zu wenig Knochensubstanz für ein Implantat vorhanden war. In den Unterlagen finden sich auch Einzelheiten zu dem wandernden Implantat, das laut Klägerin bei der Nase herauskam. Offenbar hatte es zuvor den Nasenboden durchstoßen. Röntgenaufnahmen legen dies nahe. Die 61-Jährige nutzt nach dem Vorfall eine Zahnprothese, die mit Haftcreme befestigt wird.

Etwa fünf Klagen im Monat werden vor dem Landgericht von Patienten gegen ihre Zahnärzte verhandelt. Häufig geht es dabei um Implantate, also Titan-Stifte, die im Kieferknochen verankert werden und die Zahnwurzel ersetzen. Zwar ist die Technik etabliert, allerdings können in manchen Fällen Komplikationen auftreten, weil der Knochen angebohrt werden muss.

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