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Prozess in Augsburg

12.09.2019

Zahnarzt steht vor Gericht, weil ihm Geiselnahme vorgeworfen wird

Ein Zahnarzt soll einem Mann im Raum Augsburg eine Waffe an den Kopf gesetzt haben.
Bild: Alexander Kaya

Ein Mediziner soll einem Mann im Raum Augsburg eine Waffe an den Kopf gesetzt haben. Mit dem Fall hat sich auch das Bundesverfassungsgericht befasst.

Auf der Internetseite seiner Münchener Praxis zeigt sich Harald B.* (Namen geändert) als lächelnder, vielfach engagierter Zahnarzt. Wer im Internet nach ihm sucht, stößt auf einen Mann, der bei seinen Patienten beliebt zu sein scheint und den Eindruck erweckt, die angenehmen Seiten des Lebens durchaus zu schätzen. Das Leben, das er zuletzt geführt hat, kann allerdings nicht angenehm gewesen sein, bis Juni vergangenen Jahres hatte er monatelang in Untersuchungshaft im Gablinger Gefängnis gesessen.

Was ihm die Staatsanwaltschaft Augsburg vorwirft, hat es durchaus in sich. Der Anklageschrift zufolge eilte der Zahnarzt im Oktober 2017 mit zwei weiteren Männern von München aus per Taxi in den südlichen Landkreis Aichach-Friedberg, wo eine Mitarbeiterin des Zahnarztes lebte. Sie stritt sich mit einem weiteren Mann, Onur K., offenbar ein Beziehungsstreit. Die Frau fühlte sich bedroht und rief ihren Chef an, der laut Anklage folgendermaßen reagierte: Er soll an dem Abend im Oktober 2017 in eine Kneipe in München gestürmt sein und zwei ihm bekannte Gäste aufgefordert haben, mitzukommen.

Am Wohnort der Mitarbeiterin angekommen, drückte der Zahnarzt Onur K. eine Gaspistole an den Kopf und forderte den Mann auf, zu verschwinden. Später sollen die beiden Männer aus München ihr Opfer in ein Taxi nach Augsburg und dort in einen Zug nach Frankreich gesetzt haben. Der Vorwurf lautet unter anderem auf Geiselnahme, darauf steht, sollte es so verurteilt und der Strafrahmen nicht nach unten verschoben werden, mindestens fünf Jahr Haft.

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Prozess in Augsburg: Zahnarzt soll Geisel genommen haben

Ursprünglich hätte der Prozess gegen den Zahnarzt bereits vergangenes Jahr stattfinden sollen. Ein weiterer Angeklagter, ein Geschäftsmann, der damals mit dem Zahnarzt per Taxi in die Region Augsburg gefahren war und Onur K. mit einem Baseballschläger bedroht hatte, wurde damals auch bereits verurteilt. Er gestand die Tat und erhielt vor der 3. Strafkammer des Augsburger Landgerichtes wegen Geiselnahme eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren.

Harald B. könnte möglicherweise eine härtere Strafe drohen, er war nach den Erkenntnissen der Ermittler die treibende Kraft des Geschehens. Dass der Zahnarzt erst jetzt vor Gericht steht, liegt daran, dass er in Untersuchungshaft schwer erkrankte. Das Verfahren gegen ihn wurde abgetrennt. Mit seinem Fall hatte sich sogar das Bundesverfassungsgericht befasst. Sein Verteidiger Richard Beyer hatte Verfassungsbeschwerde aufgrund der Haftbefehle gegen seinen Mandanten eingereicht, mit Erfolg. Die Richter entschieden, dass Beschlüsse des Landgerichtes und des Oberlandesgerichtes, die Haftbeschwerden des Zahnarztes verworfen hatten, den Mann in seinen Grundrechten verletzen.

Monatelang hatte ein Zahnarzt aus München in U-Haft in Gablingen gesessen. Mittlerweile ist er frei, muss aber jetzt in Augsburg vor Gericht.
Bild: Marcus Merk (Symbol)

Grund: Die Begründungen der Gerichte waren zu dünn. Wörtlich hieß es etwa: „Die Entscheidung des Landgerichts vom 13. Februar 2018 enthält über eine lediglich formelhafte Begründung hinaus keine näheren Ausführungen zur Flucht- und Verdunkelungsgefahr sowie zur Verhältnismäßigkeit der Haft; sie genügt verfassungsrechtlichen Begründungsanforderungen offensichtlich nicht“. Seit Juni 2018 ist Harald B. wieder ein freier Mann – offenbar ist er mittlerweile wieder gesund genug, um einen Prozess durchstehen zu können. Los geht es vor der 3. Strafkammer des Landgerichtes am heutigen Donnerstag. Gegenüber den Ermittlungsbehörden hat der Zahnarzt geschwiegen. Anwalt Beyer sagt, sein Mandant werde auch vor Gericht zunächst keine Angaben zur Sache machen.

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