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13.11.2013

Zitti, zitti und ein Tipi

Cathrin Lange überzeugt in der Rolle als Gilda.
Bild: Nik Schölzel/Theater Augsburg

„Rigoletto“ mit zweiter Besetzung

Der Schreck, als ein (vorzüglicher) Einspringer die Premiere von „Rigoletto“ retten musste und die Rolle des Herzogs von der Seite ins Operngeschehen sang, ist längst vorbei. Mittlerweile hat sich Ensemble-Mitglied Ji-Woon Kim als leichtfertiger Womanizer in Verdis Melodram eingespielt. In der gut besuchten Vorstellung am Sonntagnachmittag war die Applaus-Stimmung am Ende bestens.

Regisseur Patrick Kinmonth hat das Herzogtum Mantua in den Wilden Westen samt Goldgräber-Saloon verpflanzt und die hierarchische Adelsgesellschaft in eine anarchische Italo-Western-Szene à la Sergio Leone transformiert – gar nicht so abwegig, nimmt Verdi die Verkommenheit der ewigen Intrigen doch relativ realistisch. Und der Beruf der Verdi-Rolle Sparafucile, ein Auftrags-Killer, schien für Kinmonth die auslösende Inspiration, an die Welt etwa von Kino-Fiesling Lee van Cleef zu denken.

Leider hat in seiner Inszenierung nun ein Indianer den Schwarzen Peter (Vladislav Solodyagins schwarzer Bass); im Tipi ist seine Schwester Maddalena der Lockvogel (Kerstin Deschers voluminöser Mezzo). Um sich als Publikum in eine so ambitioniert-ausgeklügelte wie gewöhnungsbedürftige Szenerie hineinzuversetzen, ist es hilfreich, wenn der Hauptdarsteller-Tenor darin und nicht von außen agiert.

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Der softe Herzog in der rauen Männerwelt

Ji-Woon Kim als Herzog spielt in der rauen Männerwelt der Saloons einen eher soften, in seiner überraschenden Liebe zu Gilda beeinflussbaren jungen Mann. Er singt die Belcanto-Highlights – die freche Auftrittsballade „Questa o quella!“, das schon sehnsuchtsvollere „E il sol dell’ anima“ bis zum Mehrfach-Ohrwurm „La donna è mobile“ – mit leichtem, leuchtend beweglichen Tenor, ohne allzu sinnlos zu schmettern. Dazu passt die überzeugend gespielte Gilda, die nicht ausschließlich willenlos zu leiden hat, sondern mit symbolhaft geschärfter Körpersprache etwas bedeutet: Ehre und Hingabe ebenso wie durchaus wirksame Mittel weiblicher Stärke. Cathrin Lange brachte dies wunderbar zum Ausdruck, entzündete die Sopran-Linien mit überlegtem Feinschliff. Ihr jubelte das Publikum besonders zu.

Jacek Strauchs wuchtiger Bassbariton führte den zwiespältigen Rigoletto zwischen leidendem Vater und zynischem Hofnarren durch die Szene. Eine wichtige Hauptrolle, neben dem unter Lancelot Fuhry spielenden Philharmonikern, wurde hervorragend umgesetzt: die Männerchöre, die mit dichter Expression – allen voran die bizarre Entführung-Nummer „Zitti, zitti“ (leise! leise!) – das Böse-Banale schlechthin zu realisieren hatten.

Weitere Termine am 15., 24. und 30. November.

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