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05.06.2009

Zu viel Wehmut und Selbstverzweiflung

Ihr Leben ist beeindruckend, ihr Werk in die Kunstgeschichte eingegangen. Die mexikanische Surrealistin Frida Kahlo, zu Beginn des 20. Jahrhunderts geboren, fand durch ein Busunglück im Alter von 18 Jahren zur Malerei. Sie hatte sich schwere Verletzungen am Becken zugezogen und griff im Krankenbett zu Pinsel und Papier. Die schweren Verletzungen, von denen sie sich nie mehr ganz erholte, und die Malerei prägten ihr Leben.

Der Treffpunkt Zunge, der seit vier Jahren Lesungen im S'ensemble Theater organisiert, brachte dieses Leben im Stück "ZuFrida" mit beeindruckend starken Bildern und einer Performance, die an die körperlichen Grenzen ging, auf die Bühne. Das 60-minütige Stück ließ erstaunen, hatte aber gleichzeitig mit Längen zu kämpfen.

Hinter dem Stück standen die beiden kolumbianischen Künstler Magda Agudelo und Otto Novoa, die es gemeinsam im Sinne der "creacion collectiva" entwickelt haben. Es waren bewegte und bewegende Bilder von dem folgenschweren Unfall, von Kahlos Liebe zu Diego Rivera, ihren Liebschaften und dem Tod als übermächtigen Schatten, der in Frida Kahlos Leben stets präsent war, welche die Performance-Künstlerin Agudelo ergreifend darstellte, manches Mal aber zu sehr auskostete. Auf einem Gerüst - dem einzigen bespielbaren Requisit in der Blackbox - vollbrachte Agudelo körperliche Verdrehungen, die an die Schmerzgrenze gingen. Intensiv ihre Ausdruckskraft, die den Druck vermittelte, der auf Frida Kahlos Leben gelastet haben muss.

Genau hierin spiegelte sich aber die zweite Schwäche des Stückes. Denn Kahlo war, so sehr ihre Gebrechlichkeit ihr Leben behindert haben mochte, zeitlebens eine Frohnatur geblieben - extrovertiert und lebenshungrig. Zu sehr lag die Interpretation auf dem Schwermütigen, zerging die Protagonistin vom Anfang bis zum bitteren Ende in Wehmut und Selbstverzweiflung. Die eingeflochtenen, traditionellen Lieder aus Südamerika, von Sara Klein-Schild mit zaghafter Stimme dargebracht, unterstrichen die dramatische Stimmung noch. Ein Lächeln hin und wieder hätte der Ko-Produktion vom Theaterlabor "Unser Theater" Schwabhausen und dem Treffpunkt Zunge sicher gut zu Gesicht gestanden.

Weitere Aufführungen im S'ensemble Theater sind am 10., 17. und 24. Juni. Beginn ist jeweils 20.30 Uhr.

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