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Augsburg

06.10.2018

Zu viel los? Wie die Stadt mit dem Rathausplatz umgeht

Der Rathausplatz ist ein Anziehungspunkt für Augsburger und Touristen.
Bild: Bernd Hohlen

Plus Manche Augsburger kritisieren, dass auf dem zentralen Platz zu viel los sei. Aber welche Regeln gelten? Und was machen Ulm und München?

Beachvolleyball, Demos, Kundgebungen, Turamichele ... Werden auf dem Augsburger Rathausplatz zu viele Veranstaltungen zugelassen? Mancher Gastronom und manche Cafébesucher fühlen sich davon gestört. Andere wiederum begrüßen, dass etwas los ist. Ordnungsreferent Dirk Wurm erklärt, wie achtsam die Stadt inzwischen mit Vergaben umgeht. Der Blick nach Ulm und München zeigt, dass auch dort die Genehmigungen von Veranstaltungen auf den zentralen Plätzen ein sensibles Thema ist.

In Augsburg fand zuletzt ein Beachvolleyball-Turnier auf dem Rathausplatz statt.
Bild: Ulrich Wagner

Vor seiner Zeit als Ordnungsreferent empfand Dirk Wurm die Veranstaltungen auf dem Augsburger Rathausplatz selbst als zu viel. „Da gab es zum Teil auch gewerbliche Aktionen. Damals herrschte eine Überfrachtung des Platzes.“ Vor drei Jahren habe er daraufhin klare Nutzungsrichtlinien für die Innenstadtplätze vorangetrieben. Seitdem wird der Rathausplatz restriktiver vergeben. Auf ihm sollen laut Wurm nur kulturelle, künstlerische oder sportliche Veranstaltungen stattfinden. Der Stadtrat entscheidet über jede einzelne. Aktionen auf anderen Plätzen hingegen genehmigt die Verwaltung. Doch bei manchen Veranstaltungen auf dem Rathausplatz ist selbst der Stadtrat machtlos.

Manchmal ist der Stadtrat machtlos

Bei Demonstrationen und Kundgebungen nämlich gilt die Versammlungsfreiheit, die gesetzlich verankert ist. „Diese sind nicht genehmigungspflichtig. Sie werden uns nur mitgeteilt. Natürlich suchen sich die Veranstalter dafür zentrale Plätze wie am Rathaus oder am Kö aus.“ Als Stadt könne man lediglich Auflagen machen, was etwa die Dauer anbelangt oder die Anzahl der Ordner.

Rund 56 Mal wird der Augsburger Rathausplatz in diesem Jahr für Veranstaltungen genutzt. Wenn man die etwa 32 Kundgebungen und Demos abzieht, bleiben noch 24 übrig, die der Stadtrat genehmigt hatte. Wurm will nicht bestreiten, dass auf dem Rathausplatz viel los ist. „Der Veranstaltungskalender der Stadt ist dichter als vor zehn Jahren. Aber wir tun unser Möglichstes, um den Platz zu entlasten.“

50 bis 60 Anfragen allein für den Rathausplatz würden pro Jahr durch den Stadtrat abgelehnt, sagt Wurm. Für sie würden Alternativen gesucht. Nicht gewerbliche Veranstaltungen wie Infopavillons von Vereinen verlagert man unter anderem in die Fußgängerzone. Gewerbliche Veranstaltungen, wie das Casting für die TV-Show „Deutschland sucht den Superstar“ werden nur am Königsplatz oder auf dem Willy-Brandt-Platz zugelassen. Ähnlich streng steuert München seine Platzvergabe.

„Vor allem in der Innenstadt ist es notwendig, sorgfältig zwischen dem Interesse der Öffentlichkeit an Veranstaltungen, dem Ruhebedürfnis der Anlieger und der Wahrung des Freiraumcharakters des jeweiligen Platzes abzuwägen“, meint Pressesprecher Johannes Mayer. Auf dem Marienplatz selbst fänden rund 40 Veranstaltungen im Jahr statt, inklusive Demonstrationen. „Die Veranstaltungen sind sehr verschieden.

Wie macht es Ulm?

Da gibt es die Meisterfeier des FC Bayern, Fasching, den Christopher Street Day oder den mehrwöchigen Christkindlmarkt.“ Mit der Benutzung anderer Plätze wolle man den Marienplatz entlasten. Auch in München wurden dafür Verwaltungsrichtlinien festgelegt. Streng sind die Ulmer auch mit der Vergabe ihres Münsterplatzes. Dort geht nichts, ohne vorab die evangelische Kirche oder das Stadthaus gefragt zu haben.

München will den Marienplatz entlasten, aber die Bayern-Meisterfeier (hier 2014) ist erlaubt.
Bild: Peter Kneffel, dpa

Finden im Ulmer Münster oder im städtischen Veranstaltungshaus etwa Konzerte statt, bleibt der Münsterplatz für Aktionen tabu, erklärt Rainer Türke, Abteilungsleiter der Bürgerdienste in Ulm. Der Münsterplatz ist, wie der Augsburger Rathausplatz, teilweise von Cafés und Außengastronomie eingesäumt. „Auch wir haben Druck auf den Platz. Es gibt immer mehr Veranstaltungen. Enge Absprachen mit den Gastronomen sind uns daher wichtig.“ Gewerbliche Nutzungen des Ulmer Münsterplatzes werden, wie auch auf dem Augsburger Rathausplatz, kategorisch abgelehnt. Bis zu acht Großveranstaltungen finden laut Türke pro Jahr auf dem zentralen Platz in Ulm statt, das Konzert am Schwörmontag etwa oder das Weinfest.

In Ulm gibt es vor dem Münster jährlich bis zu acht Großveranstaltungen – etwa das Konzert am Schwörmontag.
Bild: Alexander Kaya

Auch Augsburgs Ordnungsreferent Dirk Wurm weiß, dass der Umgang mit dem beliebten Rathausplatz wohl überlegt sein muss. „Es ist der Platz im Herzen unserer Stadt. Hierher kommen viele Besucher, um das Flair zu genießen und auf das Rathaus zu schauen.“ Aber Augsburg sei eine Stadt mit vielen Gesichtern, betont Wurm. „Hochwertige Veranstaltungen, wie das Beachvolleyball, ziehen die Menschen in die Innenstadt. Davon profitiert letztendlich auch der Einzelhandel und die Gastronomie“, ist er überzeugt.

Lesen Sie auch den Kommentar "Wann der Rathausplatz am schönsten ist.

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