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Justiz

06.12.2017

Zuhälter kassiert 200000 Euro

Eine Frau aus Rumänien arbeitete in einem Bordell.   

Ein Rumäne lockt eine junge Frau in ein Augsburger Bordell. Als sie aussteigen will, zeigt er sein wahres Gesicht

Als sie den Angeklagten, einen Landsmann, im Dezember 2010 in einem Lokal in Rumänien kennenlernte, war sie 22. Sie arbeitete als Bedienung, hatte ein krankes Kind, dessen Behandlung sie finanziell schwer belastete. Ihr neuer Freund wusste Rat: In Deutschland könne sie viel mehr verdienen. „Du arbeitest in einer Bar, musst Dich mit Männern nur unterhalten und sie zum Trinken animieren“, habe er gesagt. Sie glaubte ihm. Doch als sie in einem sogenannten FKK-Club in Oberhausen zu arbeiten anfing, verlangten die Männer Sex.

Einige Jahre ging sie in dem Großbordell der Prostitution nach und lieferte ihrem Freund den größten Teil ihrer Einnahmen ab – rund 200000 Euro. Wegen Menschenhandels, ausbeuterischer Zuhälterei, Körperverletzung und Freiheitsberaubung stand der 31-Jährige jetzt vor einem Schöffengericht unter Vorsitz von Ulrike Ebel-Scheufele.

Die heute 29-jährige Rumänin blickte im Prozess zurück: „Ich war jung und dumm. Aber ich habe es für mein Kind gemacht.“ In dem Großbordell verdiente sie gut, bis zu 3000 Euro in der Woche. Nahezu täglich habe sie dem Angeklagten ihren Verdienst gegeben, Geld aber auch nach Hause geschickt. Als sie 2013 von ihrem Freund schwanger wurde und einen Sohn gebar, ging sie in ihre Heimat zurück, kam aber 2015 wieder nach Augsburg. Als sie nach einigen Monaten mit der Prostitution Schluss machen wollte, habe sie der Angeklagte geschlagen, ihr gedroht, er werde ihren Eltern Fotos schicken. Man werde ihr die Kinder wegnehmen. Aus Angst habe sie weitergearbeitet. Sie habe geglaubt, ihr Freund spare das Geld, damit sie einmal ein „normales Leben“ zusammen führen könnten.

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Im Oktober 2016 kam es in einer Pension zu einem heftigen Streit. Er schlug sie, stach mit einem Messer auf ihre Handtasche und ihren Koffer ein und versperrte die Zimmertüre, wie es in der Anklage heißt, die Staatsanwältin Katharina Kling verlas. Die Polizei befreite sie. Anzeige erstattete sie erst Monate später. „Ich wollte nicht den Vater meines kleinen Sohnes belasten“, sagte sie. Nachdem die Kripo monatelang das Telefon des Rumänen abgehört hatte, wurde er in seiner Heimat verhaftet und ausgeliefert.

Der Angeklagte, der seinen Beruf mit Musiker und Autohändler angibt, lässt zunächst über seinen Verteidiger Klaus-Peter Knauf verlauten, das Gegenteil der Anklage sei der Fall. Alles sei freiwillig geschehen, er habe „keinesfalls in Saus und Braus“ von dem Geld der Zeugin gelebt. Nicht einmal „mit dem kleinen Finger“ habe er die Frau geschlagen. Nur ein einziges Mal sei ihm die Hand zu einer Ohrfeige ausgerutscht. Alle Vorwürfe seien Ergebnis enttäuschter Liebe der Frau, weil er „eine Andere“ kennengelernt habe. Die „Andere“, so hatte die Kripo ermittelt, war auch eine Prostituierte. Ein Polizist sagt, der Angeklagte sei der Kripo seit Jahren als mutmaßlicher Zuhälter bekannt, der „zur Gewalt neigt“. Die glaubwürdige Aussage des Opfers überzeugt das Gericht. Es verurteilt den Rumänen zu drei Jahren und sechs Monaten Gefängnis. Er muss 43000 Euro sogenannten Wertersatz leisten. Es handelt sich um Geld der Frau, das nachweislich per Banküberweisung an ihn geflossen ist. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

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