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Geschichte

15.06.2017

Zum Andenken an jüdische Familien aus Augsburg

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2 Bilder
Stolpersteine zum Gedenken an Familie Oberndorfer.
Bild: Silvio Wyszengrad

Die Stadt bringt neue Erinnerungsbänder an. Für diesen Tag werden besondere Gäste erwartet.

Anfang Mai wurden sie in Augsburg erstmals auf öffentlichem Grund angebracht. Seitdem erinnern Stolpersteine und Erinnerungsbänder an Menschen wie Emma und Eugen Oberdorfer oder Josef und Anna Weichenberger. Wie viele andere wurden sie zu Opfern des NS-Regimes. Sie wurden deportiert und ermordet, weil sie Juden waren, im Widerstand kämpften oder den Nationalsozialisten aus anderen Gründen ein Dorn im Auge waren.

Wem sie gewidmet sind

Ende Juni werden auf Initiative der Erinnerungswerkstatt Augsburg und des Jüdischen Kulturmuseums nun weitere Erinnerungsbänder installiert. Sie sind Mitgliedern der jüdischen Familien Englaender, Steinfeld und Einstein gewidmet. Einige wurden von den Nationalsozialisten ermordet, andere wählten ob der Ausweglosigkeit ihrer Situation den Freitod. Angebracht werden die Erinnerungsbänder während eines besonderen Ereignisses: Das Jüdische Kulturmuseum hat zum hundertjährigen Bestehen der Synagoge Nachfahren jüdischer Familien eingeladen, die aus Augsburg vertrieben wurden. Knapp hundert Gäste reisen aus der ganzen Welt an.

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Der Terminplan steht: Am Mittwoch, 28. Juni, geht es um 14.30 Uhr in die Annastraße 6, wo an Paul und Hedwig Englaender erinnert wird. Das Paar heiratete 1914. Ein Jahr später kam Tochter Elisabeth auf die Welt, 1919 Sohn Hans. Englaenders lebten in der Annastraße 6, in diesem Haus war auch die Zahnarztpraxis von Paul Englaender. Das Paar konnte seine Kinder in die USA in Sicherheit bringen. Am 7. März 1943, einen Tag vor der angeordneten Deportation, wähltees den Freitod.

Er förderte den Bau der Synagoge

Um 15 Uhr geht es in die Bahnhofstraße 18 1/5. Dort lebten Hugo und Lina Steinfeld, die Eltern von Hedwig Englaender. Hugo Steinfeld war einst ein wohlhabender Geschäftsmann, er förderte den Bau der Synagoge. Das Ehepaar ging am 6. November 1941 in den Freitod.

In der Ulmer Straße 185 wird um 16 Uhr ein Erinnerungsband für Max, Johanna, Heinrich, Isak, Ida, Moriz und Lydia Einstein angebracht. Die Brüder Max, Heinrich, Isak und Moriz stammten aus der jüdischen Familie Einstein, die ein Viehhandelsunternehmen betrieb. Max Einstein heiratete 1938 Johanna Stern. Das Ehepaar wurde am 2. April 1942 mit Heinrich und Camilla Einstein über München nach Piaski (heute Polen) deportiert und kam dort ums Leben. Isak Einstein heiratete 1912 Ida Schlossberger, Bruder Moriz ehelichte Lydia Seligmann. Beide Ehepaare wurden mit Herrmann und Mina Einstein über München-Milbertshofen nach Auschwitz deportiert und ermordet.

Deportiert und getötet

Auch einen Tag später, am Donnerstag, 29. Juni, werden Erinnerungsbänder angebracht – zunächst um 9 Uhr an der Ulmer Straße 121. Dort lebte Camilla Einstein, die mit dem 1939 verstorbenen Samuel Einstein aus Kriegshaber verheiratet war. Am 2. April 1942 wurde sie über München nach Piaski deportiert und kam dort ums Leben.

Um 9.45 Uhr geht es weiter in die Ulmer Straße 139. Hermann und Mina Einstein heirateten 1911 und lebten in Kriegshaber. Hermann Einstein war Teilhaber des Viehhandelsunternehmens Gebrüder Einstein. 1916 kam Tochter Brunhilde zur Welt, die 1939 nach England emigrierte. Am 8. oder 9. März wurde das Ehepaar Einstein über München-Milbertshofen nach Auschwitz deportiert und ermordet.

Die Stadt Augsburg hatte sich nach vielen Diskussionen über das Gedenken an NS-Opfer im März vergangenen Jahres auf einen eigenen Weg geeinigt. Er sieht mehrere Erinnerungszeichen vor: Stolpersteine im Boden und Erinnerungsbänder auf Augenhöhe, angebracht an Laternenmasten oder Pfosten von Verkehrsschildern.

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