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Augsburg

29.03.2009

Zur Strafe ab an den Herd

Er hatte sein Mofa frisiert und war damit Rennen gefahren. Vom Augsburger Schülergericht hat der 17-Jährige eine besondere Strafe aufgebrummt bekommen. Von Sonja Krell

Er hatte sein Mofa frisiert, war mit den Jungs in seiner Clique Rennen gefahren. Vom Jugendrichter hätte er vermutlich Sozialstunden aufgebrummt bekommen. Bettina Spychala (17) aber hat sich eine andere Strafe einfallen lassen. Der Junge musste einen Tag in einer Unfallklinik verbringen - und sehen, was bei solchen Rennen passieren kann.

Es sind Fälle wie diese, über die Krips, das kriminalpädagogische Schülergremium, entscheidet. Ein anderes Beispiel ist ein Jugendlicher, der zum zweiten Mal beim Schwarzfahren erwischt wird. Er muss einen Aufsatz schreiben, wie sein Leben in zehn Jahren aussehen wird, wenn er sich nicht bessert. Die Täter sollen darüber nachdenken, was sie falsch gemacht haben, so Erwin Schletterer, Geschäftsführer des Vereins "Brücke", der das Projekt sozialpädagogisch betreut.

Die Idee, die hinter dem Schülergericht steht, ist einfach: Schüler verhandeln mit gleichaltrigen Beschuldigten ein Delikt und verhängen eine geeignete Maßnahme gegen ihn. Die "Strafen" sind ausgefallen: Kuchenbacken für die Belegschaft eines Drogeriemarktes für einen Jugendlichen, der dort ein Parfüm hatte mitgehen lassen. Ein anderer, der seinen Ausweis gefälscht hatte, um sich ins Casino zu schleichen, sollte einen Rap-Text schreiben - über die Folgen von Glücksspielen.

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50 jugendliche Täter hat Krips, das auf dem Modell des amerikanischen Teen-Courts basiert, seit seiner Gründung im September abgeurteilt. 100 sollen es pro Jahr werden. Die Suche nach geeigneten Fällen ist schwierig, sagt Cornelia Böttcher, bei der Augsburger Staatsanwaltschaft für Jugenddelikte zuständig. Denn nur bestimmte Fälle gehen an Krips - Ersttäter zwischen 14 und 17 Jahren, die ein Geständnis abgelegt haben und an dem Projekt teilnehmen wollen.

In Betracht kommen zudem nur leichte bis mittelschwere Straftaten. Und es sind immer wieder die gleichen: Diebstahl, aufgemotzte Mofas, Sachbeschädigung, Körperverletzung oder Urkundenfälschung. Drogenmissbrauch oder schwere Körperverletzung bleiben dem Jugendrichter vorbehalten. Wer einwilligt, sich Krips zu stellen, entgeht einer Anklage durch den Jugendrichter oder Sozialstunden.

Die Beschuldigten landen vor einem dreiköpfigen Gremium

Der Vorteil: Die Gleichaltrigen begegnen sich auf Augenhöhe. Für jeden Beschuldigten wird ein dreiköpfiges Gremium ausgewählt, das das gleiche Alter hat und die gleiche Schulart besucht, erklärt Sozialpädagogin Brigitte Schüürmann. "Wir bekommen viel mehr von dem Umfeld eines Täters mit, von seiner Familie und seinen Freunden und können uns ein besseres Bild machen", erklärt Alisa Höß (16).

28 Jugendrichter wurden in Wochenendseminaren für ihre Tätigkeit geschult. Ihnen geht es nicht darum, drakonische Strafen zu verhängen. Es geht um angemessene Wiedergutmachung. Und darum, dass die Jugendlichen sich mit ihrer Tat auseinandersetzen und auf den richtigen Weg gebracht werden.

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