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09.06.2009

Zwei Kilometer Medien ziehen um

Dutzende Bücherei-Umzüge hat Jörg Exner miterlebt. Er ist Projektleiter des Spezialunternehmens Kühne, das die Stadtbücherei mit ihrem Umzug beauftragt hat. Zwölf Mann stark reiste die Firma, die schon ganze Museen "umgezogen" hat, am Dienstag aus Dortmund an. Am morgigen Mittwoch will sie fertig sein. 20 000 Euro kostet der Umzug. Die Zeit drängt, denn Freitag in einer Woche ist Eröffnung - und noch viel zu tun.

Die Planungen für den Umzug laufen eigentlich seit Jahren. Damals begann das Team um Büchereileiter Manfred Lutzenberger mit der Diskussion, wie die Bücher im neuen Gebäude geordnet werden könnten. Ergebnis im Prinzip: Es gibt jetzt eine thematische Zuordnung und nicht nur nach Alphabet.

Ende Januar begann die intensive Phase für den Büchereimitarbeiter Robert Forster. Er führte eine Menge Vorgespräche und stellte ab Ende März den "Regalplan" zusammen, der einen ganzen Ordner füllt. Jedes Regal ist mit allen Fächern und deren Inhalt skizziert. Zuwachs ist eingeplant. Die Mitarbeiter mussten außerdem jedes Buch mit einem Chip für die neue Ausleihe und Rückgabe am Automaten versehen.

135 000 Medien ziehen um: Bücher, Zeitschriften, Spiele, CDs und DVDs. Aneinandergereiht ergibt das eine Kette von zwei Kilometern. Damit könnte man die Strecke zwischen den Standorten Gutenbergstraße und Ernst-Reuter-Platz mehrmals überwinden.

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Dort pendeln zwei Umzugslaster. Die Medien werden nach Themen in "Umzugsportionen" vorsortiert und in Plastikkisten per Schrägaufzug aus der alten Bücherei geholt. In zwei Teams kümmern sich die Mitarbeiter der Spezialfirma um die 500 Kisten, packen ständig ein und aus, sodass immer ein Kreislauf herrscht, nie Leerlauf.

Das ist nämlich das letzte, was man kurz vor der Eröffnung am 19. Juni brauchen kann. Wegen Verzögerungen bei den Handwerkern geriet der Zeitplan durcheinander. Daher wird überall noch gebohrt und gehämmert, der Treppenbelag fehlt, der Boden ist noch dreckig. Trotzdem wird schon eingeräumt, was den Ablauf erschwert. Flexibilität ist das Gebot der Stunde. Auch die sozialen Einrichtungen, die in das Gebäude kommen, ziehen dieser Tage ein. Ebenso die Büchereiverwaltung selber, für die es aber noch nicht einmal Toiletten gibt.

Für die Bücher allein sind 4200 Quadratmeter Platz in dem 15-Millionen-Euro-Bau. An den Fensterfronten können zwar keine Regale gestellt werden, dafür sorgen sie und die Lichttrompeten im Dach für schönes Licht.

Sind die Medien untergebracht, werden die Regale beschriftet. Außerdem werden die Ausleihe-Automaten aufgebaut und getestet. Auch die Internetarbeitsplätze und Leseecken müssen installiert werden. Mit Hochdruck wird das Café Tivoli eingerichtet, dessen Name an das alte Kino an dem Platz erinnert.

Am 19. Juni ist Eröffnung für geladene Gäste, am 20. Juni Tag der offenen Tür. Danach gibt es viele Veranstaltungen. Lutzenberger rechnet gerade am Anfang mit einem Riesenansturm und auf Dauer mit einer Erhöhung der Besucherzahlen von 300 000 im Jahr auf 450 000. Deshalb gilt ab der Eröffnung bis Ende Juli Urlaubssperre für alle Mitarbeiter.

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