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17.06.2009

Zwei Mädchen sollen vor Gericht

Eigentlich wollte man die Sache am Maria-Ward-Gymnasium in Ruhe intern regeln. So weit, dass die Staatsanwaltschaft zwei Schülerinnen auf die Anklagebank zitieren will, sollte es nicht kommen. Doch nach dem Amoklauf von Winnenden reagieren die Behörden sensibel: Gegen zwei 15 und 16 Jahre alte Gymnasiastinnen hat die Staatsanwaltschaft nun Anklage erhoben. Der Vorwurf: Die Mädchen sollen im März auf eine Schulbank und einen Zettel Sätze gekritzelt haben, die einen Amoklauf androhten.

Oberstaatsanwalt Matthias Nickolai bestätigte auf Anfrage, dass die Anklage gegen die beiden Mädchen in dieser Woche dem Amtsgericht zugestellt worden sei. Dort muss nun entschieden werden, ob die Anklage zugelassen wird oder nicht. Sollte es tatsächlich zu einem Prozess kommen, würde er - wie immer, wenn die Angeklagten noch nicht 18 Jahre alt sind - unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden.

In der Anklageschrift steht, die Schülerinnen hätten den öffentlichen Frieden gestört, weil sie Straftaten ankündigten. Rechtsanwalt Michael Weiss, der Verteidiger der 15-jährigen Schülerin, sieht das ganz anders. Das Verhalten sei zwar in der Tat "geschmacklos und unreif" gewesen, argumentiert er, ein Einschreiten der Justiz hält er jedoch für übertrieben. Die Schülerinnen seien schon gestraft. Außerdem bereuten sie ihr Verhalten. In einem mehrstündigen Gespräch mit der Schulleitung und den Eltern hätten sich die Mädchen unter Tränen entschuldigt. Anwalt Michael Weiss hat deshalb den Antrag gestellt, das Verfahren abzuweisen.

Die Schülerinnen sagen, sie hätten vorgehabt, das Gekritzel wieder von der Bank zu entfernen und den Zettel wegzuwerfen. Doch dann hätten sie es vergessen. Schüler, die danach in dem Raum Unterricht hatten, entdeckten die Kritzelei und informierten die Lehrer.

Schulleiter Peter Kosak bezeichnete den Vorfall gegenüber der AZ als "große Dummheit". Er habe aber zu keinem Zeitpunkt vermutet, dass seine Schülerinnen tatsächlich mit Amok drohen wollten. An der Schule lief der Unterricht normal weiter. Panik, berichtete Kosak, habe es nie gegeben. Der Direktor wollte die Mädchen zwar intern bestrafen, stellte sich nach außen aber vor seine Schülerinnen. Der Polizei wollte er zunächst sogar ihre Namen nicht nennen. Doch die Beamten blieben hartnäckig. Zu hartnäckig, meint Verteidiger Weiss.

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