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Begegnung

13.12.2017

Zwei Männer, zwei Parteien, ein Stadtteil

Oberhausen liegt Thomas Lidel (links) und Christos Kislinger am Herzen; sie führen die Ortsverbände von CSU und SPD.

Thomas Lidel und Christos Kislinger haben viel gemeinsam: Beide sind 27 Jahre alt, engagieren sich für Oberhausen und sind Ortsvorsitzende. Nur die politische Überzeugung trennt die Augsburger.

Das Foto könnte ihnen Sympathien potenzieller Schwiegermütter einbringen: Thomas Lidel und Christos Kislinger stehen lächelnd nebeneinander in der weihnachtlich geschmückten Ulmer Straße – adrett, seriös und gewinnend. Dass die beiden 27-Jährigen Menschen für sich einnehmen können, hat seinen Grund: Sie stehen beide in der Öffentlichkeit – Lidel ist Ortsvorsitzender der CSU Oberhausen, Kislinger hat diese Funktion im selben Stadtteil in der SPD inne.

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Auf Einladung unserer Zeitung kommen die beiden jungen Kommunalpolitiker zum gemeinsamen Ortstermin unweit des Oberhauser Bahnhofs zusammen. Unter anderem, weil sie in der Diskussion über die Zustände dort und über geplanten Süchtigentreff in der Dinglerstraße konträre Positionen einnehmen. Mit deutlichen Worten kritisiert Lidel in einer Pressemitteilung die „geplante Trinkerstube“, weil dadurch aus einem Problem-Platz ein Problemviertel würde. Kislinger hingegen warb auf einem Facebook-Video für die Infoabende zum Treff und sagt, dass das Angebot in der Dinglerstraße durchaus einen Versuch wert sei. Den Ansatz von Lidel, die Süchtigen in einem Container vor dem Bahnhof zu betreuen, hält er für völlig daneben.

Sie bleiben ruhig und sachlich

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Ihre Standpunkte machen die beiden beim Treffen in der Gaststätte „Bayerischer Löwe“ klar. Sie bleiben dabei ruhig und sachlich. Kraftmeierei ist ihre Sache nicht. Dafür hat es kürzlich innerhalb der CSU Oberhausen gekracht, weil die Arge-Chefin Hannelore Köppl aus Ärger über Lidels Haltung zum Süchtigentreff den stellvertretenden Vorsitz im Ortsverband niederlegte. „Ich lebe meine Überzeugungen, würde mich aber nicht als Hardliner innerhalb der CSU bezeichnen“, sagt Lidel über sich.

Schon als Jugendlicher wusste er, dass er sich politisch engagieren will. Als 18-Jähriger trat der aus einer Oberhauser Unternehmerfamilie (Fenster, Schreinerei, Holzbau) stammende Lidel in die Junge Union ein und schaffte es nur sechs Jahre später an die Spitze des CSU-Ortsverbandes in seinem Heimatstadtteil. Kislingers Wurzeln liegen in Griechenland – daher der ungewöhnliche Vorname. Er kam als Kleinkind nach Deutschland, mit fünf Jahren nach Augsburg und absolvierte nach der Mittleren Reife eine kaufmännische Ausbildung. In die Politik geriet er über sein gewerkschaftliches Engagement. „Von den Themen steht mir die SPD am nächsten.“

Und er beeindruckte offenbar Stadtrat Dieter Benkard, den viele den heimlichen Bürgermeister von Oberhausen-Nord nennen, dermaßen, dass dieser den jungen Deutsch-Griechen als seinen Nachfolger für das Vorstandsamt auserkor. Dieses hat Kislinger seit Anfang des Jahres inne und sucht jetzt noch eine Wohnung in Oberhausen: „Der Stadtteil ist cool, vielfältig und top von der Infrastruktur“, schwärmt er. Hier liegt er mit CSU-Mann Lidel auf einer Wellenlänge: Auch er spricht von „einem tollen Stadtteil mit Zukunftspotenzial“. Dass diesem immer noch ein schlechtes Image anhaftet, liege teilweise an den Bewohnern selbst. „Den Oberhausern wünsche ich mehr Selbstbewusstsein und ein stärkeres Wir-Gefühl“, so Lidel.

Wo die Chancen liegen

Einig sind sich die beiden Ortsvorsitzenden in ihrer Freude über die Umwandlung des Gaskessel-Areals in Oberhausen zu einem Kultur-und Kreativstandort. Die geplanten Neubaugebiete auf den ehemaligen Gewerbeflächen von Cema und Zeuna-Stärker sehen sie ebenfalls als Chance. „Der Stadtteil wird sich megamäßig verändern, die Lebensqualität steigt“, ist sich Kislinger sicher.

Der 27-Jährige weiß, dass er als Kommunalpolitiker auf die Entwicklung seines Umfeldes Einfluss nehmen kann. Dafür investiert er gerne viele Stunden. Zum Eishockeyspielen und zum Anfeuern des FCA bleibe auch noch Zeit, versichert er. Lidel sagt zum Thema Freizeit: „Das Masterstudium und die Politik sind derzeit meine Hobbys.“ Beruflich ist der Ingenieur, der gerade ein Zweitstudium draufsattelt, im Familienbetrieb tätig.

Die Begegnung in der Gaststätte geht zu Ende. Die Köpfe haben sich Lidel und Kislinger dabei nicht heißgeredet. Vielmehr fanden sie es schön, „vom anderen etwas zu erfahren“. Und noch was. „Thomas hat Humor“, sagt Kislinger. Lidel wiederum findet es anerkennenswert, wie „Christos als Nicht-Oberhauser hierherkommt und sich voll reinhängt.“

Übrigens: Die beiden posierten auf dem Foto in der Ulmer Straße nicht für potenzielle Schwiegermütter. Sowohl Kislinger als auch Lidel sind seit Jahren in festen Händen. Die Partnerinnen bringen Verständnis für das politische Engagement mit, bestätigen sie. Lidels Freundin Veronika Hintersberger ist selbst in der CSU aktiv. Die Tochter von Staatssekretär Johannes Hintersberger lebt in Lechhausen – noch. „Wir sanieren gerade das Haus meines Großvaters und werden dort zusammenziehen“. Natürlich in Oberhausen.

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