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15.06.2009

Zwei Mal Märchen modern - federleicht und wuchtig schwer

So sieht produktiver Kulturaustausch aus: Das Pittsburgh-Augsburg-Projekt, die Zusammenarbeit der Augsburger Studententheatergruppe "Panoptikum" mit der Oyster Theater Company zerstäubte von der ersten Minute an alle Befürchtungen, dass Unpassendes unter dem Modewort "Interkulturell" zu etwas Beliebigem vermengt wird.

Vielmehr brachte die Uraufführung der beiden Einakter "You can't get lost in America" (von Cory Tamler) und "Wer hat Angst vorm bösen Wolf" (von Nora Schüssler) unter dem gemeinsamen Titel "Von Wölfen und Schafen" im Kulturhaus abraxas das kulturell Typische zum Ausdruck.

In Amerika wird die Erzählkunst hochgeschrieben. Durch und durch solide, federleicht im Fortgang, auf Spannung bedacht und sorgsam sich entwickelnd hatte Tamler ihren Einakter um ein deutsches Geschwisterpaar angelegt (quicklebendig Lauren Diesch, mit dem Schicksal und der Schwester hadernd Vinzenz Martlreiter). Beide verirren sich im Grand Canyon. Der Abstieg in die tiefste Schlucht wird zum fantastischen Abenteuer. Sie begegnen einem sprechenden Raben (stark Ulrike Schwarz) und einem fresssüchtigen Eichhörnchen (bezaubernd in Mimik wie Gestik Julia Hisserich) und zweifeln am eigenen Verstand.

Nach der Pause entwickelte Schüsslers an ein Experiment erinnerndes Stück alle Wucht und Schwere, die den Deutschen gemeinhin in künstlerischen Dingen nachgesagt werden kann: Fünf Schwerkranke warten auf einem Anwesen, das sie nicht verlassen dürfen, auf ihr Ende. Der Künstler Wolfgang (fesselnd und lässig natürlich Parag S. Gohel) will Rotkäppchen mit den anderen filmisch in Szene setzen, um ein Werk von Dauer zu hinterlassen. Ines (überzeugend als Opfer und Täter zugleich Mareike Schemmerling) und Timo (an manchen Stellen zu theatralisch Bastian Gierull) bringen es nicht fertig, sich einander die Wahrheit über den Ursprung ihrer tödlichen Krankheit einzugestehen.

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Ständiger Wechsel vom Deutschen ins Englische

Wenn sich die deutsche und die amerikanische Mentalität in der Auswahl des Stoffes und dessen Durchdringung deutlich gegeneinander abzeichneten, hier das Eingängige auf Spannung bedachte, dort das Sperrige, kaum Bezähmbare, so gelang es den beiden Autorinnen, in den Stücken das Deutsche und das Englische zu einer organischen Einheit zusammenzufassen. Der ständige Wechsel vom Deutschen ins Englische und zurück erfolgte so natürlich, als ob das zweisprachige Stück längst die Regel auf der Bühne sei.

Deutsch-amerikanische Theaterverständigung fand zwischen den Akteuren statt. Ein Teil kam aus Pittsburgh, der andere aus Augsburg. Anspruchsvoll war das vor allem für die Augsburger Studenten. Die Kollegen aus Pittsburgh hatten an ihrer Universität allesamt Schauspiel studiert. Ein Studiengang, der an deutschen Universitäten nicht fest in den akademischen Betrieb verankert ist. Das wohltuend natürliche Spiel der amerikanischen Studenten legte an der einen oder anderen Stelle zu viel Pathos und aufgesetzte Bühnensprache auf Augsburger Seite bloß. Der Applaus für alle Akteure war trotzdem verdient!

Weitere Termine am 15. und 17. Juni um 20 Uhr im Kulturhaus abraxas.

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