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11.12.2014

Zwei Orchester, viele Nuancen

Die Philharmonie Aichach wird seit zwei Jahren von Alexander Möck geleitet. Das Orchester spielte zuletzt in Altomünster.
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Die Philharmonie Aichach wird seit zwei Jahren von Alexander Möck geleitet. Das Orchester spielte zuletzt in Altomünster.

Das Symphonieorchester Stadtbergen und die Philharmonie Aichach: Die beiden Laien-Ensembles spielen in der Region qualitätvolle Musik zur Adventszeit – hier swingenden Bläsersound, dort gepflegten Streicherklang

Wie lebhaft die musikalische Szene der sogenannten Provinz vom Westen bis in den Osten der Region die adventliche Erwartung bereichert, zeigte das Wochenende an zwei Beispielen. Das Symphonieorchester Stadtbergen bot sein Programm zweimal in Augsburg (Ev. Heilig Kreuz, St. Thomas). Auch die Philharmonie Aichach profilierte sich doppelt: am Stammsitz Deutschherren-Gymnasium sowie in der Klosterkirche Altomünster.

Es sind von versierten Dirigenten betreute Ensembles, in denen fast ausschließlich Laienmusiker mit beachtlichem Niveau für Konzertvergnügen sorgen. Jedes hat ein eigenes Gesicht und bot die unterschiedliche Vielfalt weihnachtlicher Musik.

Das 1995 aus 20 Musikern hervorgegangene Symphonieorchester Stadtbergen hat sich zu einem multiinstrumentalen Klangkörper entwickelt. Bis 2001 leistete Kurt Eichenseher Pionierarbeit. Nach wechselnder Leitung sorgt Tristan Uth seit 2010 für Stabilität. Im jüngsten Konzert war eine neue zweite Dirigentin zur Stelle. Als Spezialistin für symphonische Blasorchesterleitung setzte Irene Anda besonders auch die Bläser überzeugend ein. Die Norwegerin steuerte einen swingenden Ton heiterer Adventstimmung bei. Leroy Anderson war mit „Christmas-Festival“ und dem Hit „Sleigh Ride“ vertreten – darin imitierte das Blech erfolgreich das Wiehern eines Schlittenpferdes. Aus ihrer Heimat brachte sie norwegische Weihnachtslieder mit.

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Orchestral-lautmalerische Farben kamen in Stücken wie Prokofieffs „Kije“-Suite zum Ausdruck. Höhepunkt war Mendelssohns Choralkantate „Vom Himmel hoch“, worin neben anderen Vokalstücken Edda Sevenichs „The Chaplains“ ihr Können zeigten. Ein Highlight war der Auftritt der Sopranistin Theresa Steinbach, die Max Regers „Wiegenlied“ hinreißend sang.

Der Zufall wollte es, dass sie am nächsten Tag in Altomünster mit der Philharmonie Aichach ihre Doppelbegabung präsentierte, als Harfenistin in Camille Saint-Saëns’ „Oratorio de Noël“. Wie Theresa Steinbach die archaischen Orgellinien mit kristalliner Präzision akzentuierte, im „Tecum principium“ ihre silbern schwebenden virtuosen Klangwolken mit Orgel und Streichern verband, machte das Werk zum Juwel. Von den Geigen, über Bratschen, Celli bis zum tief-samtenen Kontrabass-Fundament wurde beeindruckend intoniert. Alexander Möck hat sein Kernensemble einer vorzüglichen Schulung unterzogen. Der Klang ist homogen, hat kammermusikalische Transparenz.

So kam das auf lineare Feinheiten angelegte „Oratorio“ schön zur Geltung. Angela Schweiger (Sopran), Christiane Braun-Breuer (Mezzo), Nathalie Fiessa (Alt), Michael Braun (Tenor) und Michael Wolfrum (Bass), alle Sängerprofis, brachten die Soli zum Leuchten. Der Altochor Altomünster profilierte sich mit einer festlichen Adaption von Händels „Tochter Zion“. Corellis berühmtes Weihnachtskonzert lebte vom gepflegten Streicherklang. Alexander Möck hat die Philharmonie Aichach vor zwei Jahren übernommen. Dem Spitzenprofi, Stimmführer der zweiten Geigen bei den Münchner Philharmonikern, liegt die Arbeit mit der Liebhaberszene, die musikalisch-technisch weiterkommen möchte, am Herzen: „Man muss die Balance finden, fordern und fördern.“ Und: „Das Wichtigste ist, für ein lebendiges Publikum live zu musizieren.“

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