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Augsburg

19.08.2017

Zweifel an Rettungskonzept für den Bahnpark

Die Dampflokhalle im Bahnpark wurde bislang für die Dampflokdinner genutzt. Nach den aktuellen Plänen von Stadt und Investoren könnten diese Essen nicht mehr stattfinden.
Bild: Rene Lauer

Die Fördervereine des Bahnparks sehen die neue Lösung der Stadt aus mehreren Gründen kritisch. Sie suchen nun auf Hochdruck nach besseren Alternativen – und einem anderen Investor.

Die Stadt hat mit ihrem Rettungskonzept für den finanziell angeschlagenen Augsburger Bahnpark für Überraschung gesorgt – auch bei Beteiligten, die seit Jahren mit Herzblut an dem Projekt hängen. Die Freunde des Bahnparks, wie sie in Kurzform bezeichnet werden, sind von den Überlegungen der künftigen Nutzung des Areals im Hochfeld nicht begeistert. Sie haben die große Sorge, dass das neue Konzept eines Eisenbahnmuseums weit hinter den jetzigen Überlegungen und Planungen zurückbleibt. Eine Vollversammlung im Bahnpark am heutigen Samstag soll klären, ob es bessere Alternativen zum neuen Konzept der Stadtspitze gibt.

Wie die gemeinnützige Bahnpark GmbH als Betreiber des Eisenbahnschaugeländes an der Firnhaberstraße mitteilt, sind zu der Vollversammlung alle fördernden Vereine des Bahnparks mit insgesamt rund 350 Mitgliedern eingeladen. Teilnehmen sollen auch die die Eigentümer von rund 25 historischen Lokomotiven, die in Augsburg geparkt sind. Die Loks aus Deutschland und Europa wurden dem Eisenbahnschaugelände bislang als Museumsleihgaben zur Verfügung gestellt.

Am Samstag gibt es eine Vollversammlung

Bahnpark-Geschäftsführer Markus Hehl will bei der Vollversammlung das neue Rettungskonzept der Stadt vorstellen, das unter Führung von Oberbürgermeister Kurt Gribl erarbeitet wurde. Auch zu dem geplanten neuen Investor in der Dampflokhalle soll es mehr Informationen geben. Hehl will darüber hinaus in der Vollversammlung Informationen einholen, wie das städtische Rettungskonzept bewertet wird. Weiter soll geklärt werden, ob die Eisenbahnfreunde selbst eine alternative Lösung mit einem anderen Investor anbieten können.

Als strittiger Punkt der städtischen Lösung gilt insbesondere die Dampflokhalle. Bisher wurde sie für Schauveranstaltungen mit historischen Lokomotiven und für Gastronomie, etwa die beliebten Dampflokdinner, genutzt. Das soll künftig nicht mehr möglich sein. Wenn auch die Loks diese Halle verlassen sollen, wäre der Bahnpark eines wichtigen Teils seiner Attraktivität als lebendiges Museum beraubt. Denn im Ringlokschuppen sollen aus Brandschutzgründen keine größeren Veranstaltungen mit Musik oder Kultur zugelassen werden. So steht es in den städtischen Unterlagen für das Planfeststellungsverfahren für das künftige Museum.

Ohne Dampflokhalle keine Museumszüge?

Hehl zufolge können ohne die Dampflokhalle auch keine Museumszüge mehr von Augsburg aus fahren. Denn dort befindet sich eine Spezialwerkstatt, in der die historischen Lokomotiven gewartet und repariert werden. In den Werkstätten für heutige Züge sei das nicht möglich. Es sei dann davon auszugehen, dass historische Loks von den Besitzern aus Augsburg abgezogen werden, heißt es. Auf alle Fälle besteht bei den Unterstützern des Bahnparks hoher Redebedarf. Daher findet kurzfristig am heutigen Samstag eine Art Krisensitzung statt, bei der sich die Beteiligten untereinander austauschen und abstimmen wollen. Einberufen hat die Sitzung Markus Hehl, der Geschäftsführer des Bahnparks. Er ist in der Öffentlichkeit das Gesicht des Bahnparks. Für Hehl selbst wurden die zurückliegenden Monate zu einer extremen Belastung, da der Bahnpark in wirtschaftliche Schwierigkeiten schlitterte. Dem Vernehmen nach haftet Hehl, der als Architekt tätig ist, mit seinem Privatvermögen.

Hintergrund der drohenden Insolvenz ist vor allem auch das aufwendige Genehmigungsverfahren für einen dauerhaften Museumsbetrieb, mit dem so niemand gerechnet hatte. Seither ist der Bahnpark weitgehend lahmgelegt. Wichtige Einnahmen fehlen. Auch zwei geplante Millionenprojekte für Investoren im Bahnpark, ein Studentenwohnheim und ein Eisenbahn-Themenhotel, halten Fachleute der Stadt nicht für realisierbar.

Um der Bahnpark GmbH aus der Krise zu helfen, legte die Stadt in Absprache mit Hehl am Donnerstagabend ein neues Konzept vor. Ein wesentlicher Bestandteil ist der Einstieg eines Investors, der die Dampflokhalle als wirtschaftlichen Betrieb nutzen möchte. Über den Investor dringen bislang wenig Informationen nach außen. Die Stadt will den Namen nicht nennen. Es heißt, dass der Mann als Geschäftsmann aktiv ist und ihm das weiträumige Areal rund um den Bahnpark vertraut ist. Nach nicht bestätigten Informationen soll er hier bereits in diesem Umfeld geschäftlich aktiv sein. Die Halle könnte später einmal genutzt werden, wenn die Staudenbahn wieder dauerhaft zum Einsatz kommt.

Ehemalige Pläne sind nicht mehr realisierbar

In einem zweiten Schritt sehen die städtischen Pläne vor, dass sich ein vergleichsweise kleiner Verein, die Bayerisch-Schwäbische-Museumsbahn, um das Bahnmuseum mit Sonderfahrten kümmern soll. Er müsste ein neues Konzept entwickeln, der bisherige Museumsrahmenplan des Bahnparks, der mit der Landesstelle für nichtstaatliche Museen abgestimmt war, wäre wohl nicht mehr realisierbar. Was Insider dabei irritiert, so ist zu hören, sei die Nähe eines Mitarbeiters der Regierung von Oberbayern zu diesem Verein. Die Behörde ist für das Genehmigungsverfahren zuständig.

Droht die nächste Katastrophe?

Die Kurzfristigkeit der neuen Lösung irritiert die Unterstützer des Bahnparks. Dies sagten am Freitag unabhängig voneinander Heinz Hohn, Vorsitzender des Fördervereins Bahnpark, und Robert Brütting, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Bahnpark. Hohn hat eigens seinen Urlaub früher beendet, um an der Sondersitzung am Samstag teilnehmen zu können. "Die jetzige Situation passt irgendwie zur zurückliegenden Zeit", sagt Hohn. Er verstehe nach wie vor nicht, warum es ein aufwendiges Genehmigungsverfahren für die künftige Nutzung des Areals habe geben müsse. Von Hehl und seinen Mitstreitern wird angeführt, dass gerade dieses Prozedere dem Bahnpark die Luft zum Atmen genommen habe. "Sollte jetzt für uns die Dampflokhalle wegfallen, wäre das die nächste Katastrophe", sagt Hohn. Robert Brütting sieht ebenfalls die große Gefahr, dass das langjährige Engagement der vielen Ehrenamtlichen wegen des neuen Konzepts auf der Strecke bleiben könnte. Diese Personen hätten stets an das große museale Konzept geglaubt, wie es unter Geschäftsführer Hehl initiiert wurde. Von dieser Idee würde sich wohl bei Umsetzung des Rettungskonzepts verabschieden. Es dränge sich ihm derzeit der Eindruck auf, so Brütting, dass die Stadt zunächst froh sei, überhaupt eine Lösung präsentieren zu können. 

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