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Amateurfußball: Benjamin Schuldt hat jeden Fußballplatz in Augsburg besucht

Amateurfußball

Benjamin Schuldt hat jeden Fußballplatz in Augsburg besucht

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    Groundhopper Benjamin Schuldt hat jeden Fußballplatz in Augsburg besucht. Der Platz des SV Ottmarshausen fehlt ihm nach dem Spielausfall noch.
    Groundhopper Benjamin Schuldt hat jeden Fußballplatz in Augsburg besucht. Der Platz des SV Ottmarshausen fehlt ihm nach dem Spielausfall noch. Foto: Benedikt Dahlmann

    Es wäre ein einziges Klischee gewesen. Ein kalter Mittwochabend Mitte November, zwei Grad, leichter Schneeregen und dazu das Spiel des SV Ottmarshausen II gegen den KSV BIH Augsburg. Wahrscheinlich wäre es am Ende 0:0 ausgegangen, hätte Schiedsrichter Linus Benesch nicht drei Minuten vor Anpfiff die Reißleine gezogen. Platz nicht bespielbar, lautet der Grund für die Absage. Den Spielern ist immerhin die Aufwärmeinheit geblieben. Ein bisschen 5-gegen-2, ein paar Sprints, der eine oder andere Abschluss. Benjamin Schuldt hingegen ist den ganzen Weg aus München mit öffentlichen Verkehrsmitteln angereist und kann den Ausweichplatz SV Ottmarshausen, so der offizielle Name für die Spielstätte, nun nicht einmal in seine App eintragen. Schuldt ist Groundhopper.

    Erst nach der Halbzeit zählt der Platz für Grundhopper

    „Das ist höhere Gewalt“, sagt er in der Vereinsgaststätte, „aber wenn ich nicht mindestens eine Halbzeit lang zugeguckt habe, zählt der Platz für mich nicht.“ Wie andere Kühlschrankmagneten oder Kronkorken sammeln, sammelt Schuldt Grounds, also Fußballplätze. Als „Groundhopper“ besucht er seit zwei Jahren gezielt so viele Plätze wie möglich. Am liebsten im Amateurbereich. Denn hier findet für ihn noch der echte Fußball statt.

    Das Fußball-Profigeschäft wurde ihm zuwider

    Früher war Schuldt bei jedem Heimspiel der SpVgg Unterhaching, häufiger auch bei Auswärtsspielen. Aber mit der Zeit wurde ihm das Profigeschäft, das sich in immer tiefere Spielklassen zieht, zuwider. „Ich würde nicht sagen, dass ich mich vom Profifußball abgewendet habe, aber es ist einfach zu viel geworden. Das ist nicht mehr meine Welt“, sagt er. Im Amateursport finde man noch Menschen, die sich mit dem Verein identifizieren. „Die hängen sich genauso rein, vielleicht sogar mehr.“ Zudem sehe er auch im Amateurfußball tolle Spielzüge, spannende Spiele und schöne Tore.

    Wie der Name vermuten lässt, kommt das Phänomen Groundhopping aus England. Geoff Rose hatte in den 1970er Jahren die Idee, allen Fans, die jedes der 92 Stadien der vier britischen Profiligen besucht haben, eine spezielle Krawatte zu schenken. Daraus ist ein Trend entstanden, der sich in Zeiten von Social Media weiter ausgebreitet hat. Mittlerweile gibt es Menschen, die ihre Tausenden Follower online an die entlegensten Fußballstadien auf der ganzen Welt mitnehmen. Von Eisplätzen auf den norwegischen Lofoten bis zu Dschungelplätzen in Nicaragua.

    Der Augsburger arbeitet in München in der Medienbranche

    Auch Benjamin Schuldt erfasst mithilfe der App Futbology alle besuchten Spielstätten digital. Die teilt er dann inklusive Foto und Adresse der Anlage mit seinen Followern auf Instagram. Er beschränkt sich aber auf Plätze in der Region. Den Kindern zuliebe: „Meine Familie geht immer vor. Durch meine Arbeit bin ich ohnehin schon viel unterwegs.“ Schuldt arbeitet als Lokalredakteur in München. Da er in Augsburg wohnt, verbringt er viel Zeit mit Pendeln.

    Hier in Augsburg hat er nach eigenen Angaben alle Fußballplätze besucht. 27, sagt er, sind es. Und etwa 30 bis 40 Vereine. Welche Mannschaft spielt, ist ihm egal. Von B-Jugend bis zur ersten Mannschaft nimmt er bei Männern und Frauen alles mit, was geht. Über eine weitere App sieht er immer, welche Spiele in der Region gerade stattfinden. Höher als Bezirksliga geht er dabei ungern. Sobald das erste Geld fließt, geht die Identifikation mit dem Verein nach und nach verloren, findet Schuldt. Zudem bleibt sein Hobby durch diese Einschränkung und das 49-Euro-Ticket vergleichsweise günstig.

    Sein Favorit ist die Sportanlage des SV Bergheim

    Auslöser seiner Begeisterung war der Fußballplatz des SV Bergheim. „Das ist ein wunderschöner Platz. Ein Naturplatz könnte man sagen. Die haben die Tribüne in den Hang hineingebaut. Von dort aus hat man einen tollen Blick.“

    Die Anlage des SV Bergheim hat Benjamin Schuldt ins Herz geschlossen.
    Die Anlage des SV Bergheim hat Benjamin Schuldt ins Herz geschlossen. Foto: Fred Schoellhorn

    Für ihn ist es der schönste Platz in der Region. Aber es gibt noch unzählige weitere Plätze, über die er schwärmen könnte. Je älter, desto besser.

    TSG Thanhausen spielte im DFB-Pokal gegen Borussia Dortmund

    Außerdem spielt die Geschichte des Vereins eine Rolle. So hat der TSG Thannhausen aus dem Landkreis Günzburg 2006 in der ersten DFB-Pokal-Runde gegen Borussia Dortmund gespielt. „Die haben damals Zusatztribünen für insgesamt 10.000 Zuschauer am Stadion angebaut. So einen Platz zu sehen, ist auch etwas Besonderes“, sagt Schuldt. „Leider gibt es das Duell groß gegen ganz klein heutzutage kaum noch.“

    2006 wollten 10.000 Zuschauer das Pokalspiel der TSG Thannhausen gegen Borussia Dortmund sehen.
    2006 wollten 10.000 Zuschauer das Pokalspiel der TSG Thannhausen gegen Borussia Dortmund sehen. Foto: Augsburger Allgemeine

    Wenn ein Bayern- oder Landesligist noch mal im DFB-Pokal antritt, wäre Benjamin Schuldt sofort dabei. Ansonsten schaut er sich vom Profifußball höchstens die Zusammenfassungen an. Wenn seine Kinder mal ein Spiel des FCA sehen wollen, dann würde er sie selbstverständlich mitnehmen. Aber da das im Moment nicht der Fall ist, bleibt er lieber beim SV Ottmarshausen II. Oder bei sonst einem Verein, den er noch nicht kennt.

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