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Foto: Ulrich Wagner
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Sie betreiben das neue Studio Napoli in der Maximilianstraße: Oliver Voss, Michael Faltenbacher und Mario Catalano (von links). Das Trio kann es kaum erwarten, dass die Gastronomie, zumindest im Freien, wieder öffnen darf.

Augsburg
19.04.2021

Drei Freunde wollen mit dem Studio Napoli in der Maxstraße endlich loslegen

Von Ina Marks

Plus Mitten in der Corona-Pandemie konzipieren drei Freunde ein neues Restaurant im Augsburger Zentrum. Was sie in dem historischen Gebäude planen.

Das Café Max in der Maximilianstraße war in Augsburg ein Kultlokal. Hier traf man sich zum Frühstücken genauso wie abends zum Feiern. Seitdem gab es in den Räumen am Herkulesbrunnen immer wieder Pächterwechsel und neue Konzepte. Mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Seit Ende 2018 ist das Lokal ganz geschlossen. Aufmerksamen Passanten wird jedoch aufgefallen sein, dass seit einigen Wochen über der Tür ein neues Logo steht: "Studio Napoli". Tatsächlich ist in den vergangenen Monaten im alten Café Max hinter verschlossener Tür viel gearbeitet und saniert worden. Drei Männer haben mit dem Lokal in dem geschichtsträchtigen Haus viel vor.

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Foto: Ulrich Wagner
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Sie betreiben das neue Studio Napoli in der Maximilianstraße: Michael Faltenbacher, Mario Catalano und Oliver Voss (von links).

Warum gehen in Zeiten der Pandemie, wo Restaurants und Cafés bislang meist geschlossen bleiben müssen, Gastronomen mit einem Neuanfang ins Risiko? Die beiden Augsburger Oliver Voss, 38, und Mario Catalano ,36, die seit vielen Jahren miteinander befreundet sind, haben mit dem Münchner Gastronom, Michael Faltenbacher, 59, diesen Schritt gewagt. Im vergangenen Sommer, als die Gastro vorübergehend öffnen durfte, übernahmen sie das einstige Café Max. Mitte Dezember sollte eigentlich die Neueröffnung gefeiert werden. Die drei rechneten nicht mit weiteren Lockdowns.

Italienisches Restaurant in Maxstraße mit neapolitanischer Pizza

Vor der Bar stapeln sich Kartons mit Gläsern für Negroni und andere Getränke. Sie wurden gerade angeliefert. Die Holztische sind eingedeckt, der große Ofen im Durchgang zum Artrium steht bereit, um angeheizt zu werden. Die drei Männer können es kaum erwarten, den Gästen ihr neues Restaurant zu präsentieren. Sie wollen das Studio Napoli zu einem besonderen Italiener in der Maximilianstraße machen. Wie Mario Catalano erklärt, legt man den Schwerpunkt auf neapolitanische Pizza, die aufgrund ihrer Rezeptur und Herstellung zum Weltkulturerbe gezählt wird. Weitere italienische Spezialitäten nach Rezepten von Catalanos italienischer Familie sowie spezielle Aperitifs und Weine sollen angeboten werden.

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Mal rasch auf einen Espresso vorbeikommen, gemütlich essen oder abends bei Sonnenuntergang in Augsburgs Prachtstraße einen Aperitif genießen - das Trio stellt sich das Studio Napoli als einen lebhaften Ort der Begegnung für alle vor. "So wie es auch in Italien typisch ist", meint Michael Faltenbacher. Der Münchner, der, wie er erzählt, jahrzehntelange Erfahrung in der Gastronomie hat und sich zuletzt auf die Innenausstattung von Bars und Restaurants spezialisiert hat, hatte extra ein paarmal Neapel besucht, um von dort Inspiration mit nach Augsburg zu nehmen. Von den Räumlichkeiten am Herkulesbrunnen ist er begeistert. Das Haus, in dem unter anderem die Bars Pantheon und Auster Gäste anlocken, hat eine besondere Historie.

Hier in Augsburg stand einst eine Kapelle, Elias Holl errichtete dort ein Haus

Den Eigentümern des Gebäudes zufolge soll an dieser Stelle im 11. Jahrhundert die Heilig-Grab-Kapelle gestanden sein. Der bekannte Augsburger Baumeister Elias Holl errichtete einige Jahrhunderte später dort das Haus, das 1611 als ein erstes Kaufhaus mit vielen kleinen Läden eröffnete. Holl hatte dabei offenbar als Auflage, die noch bestehenden Mauerreste der Kapelle in sein Bauwerk zu integrieren. Davon zeugt heute noch eine Wand, die im Studio Napoli zu finden ist. Vom vorderen Gastraum und der Bar geht es nämlich nach hinten in das Artrium mit der hohen gewölbten Wand auf der einen Seite.

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Foto: Ulrich Wagner
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Das Gebäude in der Augsburger Maximilianstraße, in dem das Studio Napoli, das Pantheon, die Auster und die Rio Bar untergebracht sind, hat eine lange Geschichte.

Die neuen Pächter haben das Mauerwerk gezielt mit einem modernen Fresko in Szene gesetzt. Dazu engagierten sie die Münchner Künstlerin Theodora Spassova, die Eindrücke aus dem italienische Leben malte. Auch Sophia Loren und eine Szene aus dem Film "Der Pate" sind zu erkennen. Lampen und Fliesen sind aus Italien, Im Barbereich steht eine neapolitanische Krippe als Dekoration. Die Figuren zeigen aber nicht Maria und Josef, sondern Spieler des SSC Neapel. Solche Krippen, sagt Faltenbacher, seien in den Läden in Neapel überall zu finden.

Die drei Gastronomen können es kaum erwarten, zu öffnen. Sie hoffen, dass zumindest Außengastronomie bald möglich sein kann. 36 Sitzplätze hat das Studio Napoli im Freien, innen sind es insgesamt knapp 80. Dass die Pandemie so lange anhält, bereitet den neuen Pächtern freilich Probleme. Als Neugründer sei man bei den staatlichen Hilfen durchgerutscht und müsse dennoch Verträge einhalten, berichten sie. Eine Herausforderung sei es auch, das Team bei Laune zu halten.

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Foto: Ulrich Wagner
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Sie sieht der vordere Raum im Studio Napoli aus. Lampen und Fliesen sind aus Italien.

Schließlich sei ein guter Pizzabäcker, wie sie ihn hätten, nicht leicht zu finden. Wären ihre Vermieter und Partner nicht so kulant in dieser Situation, hätten sie ihr Vorhaben niemals durchziehen können, geben Voss, Catalano und Faltenbacher freimütig zu. Dafür seien sie dankbar. Alle drei wissen, dass der Lockdown irgendwann ein Ende haben wird. Sie sagen, sie haben in ihre Zukunft investiert. Sie sind vom Konzept ihres Studio Napoli überzeugt. Dass es im Lokal NineOfive am Fuggerplatz bereits neapolitanische Pizza gibt und auch in der Maxstraße bereits einige Italiener angesiedelt sind, stört das Trio nicht: "Jedes Lokal hat sein eigenes Flair."

Wie trifft die Corona-Krise die Gastronomie? Hören Sie sich dazu unseren Podcast von Juni 2020 aus der Reihe "Augsburg, meine Stadt" an:

Enchilada-Franchise-Chef Torsten Petersen im Gespräch

Augsburg, meine Stadt

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