Nach Razzia im Augsburger City Club: Ermittlungen gegen über 20 Verdächtige
Augsburg
Razzia im City Club: Mehr als 20 Verdächtige – und ein „Drogen-Ufo“?
Nach der Durchsuchung in dem Club in Augsburg steigt die Zahl der Verdächtigen. Die Polizei erklärt, sie habe konkrete Hinweise auf einen offenen Konsum harter Drogen gehabt.
Polizei-Großeinsatz am Königsplatz: Die Razzia im City Club in Augsburg vergangenes Wochenende löste eine Welle der Kritik aus. Die Polizei wehrt sich.Foto: Helen Geyer
Die Polizei in Augsburg ermittelt nach der Drogen-Razzia im City Club am Königsplatz in Augsburg inzwischen gegen 21 konkrete Verdächtige. Wie die Ermittler auf Anfrage mitteilten, habe man aufgrund von Drogenfunden vor Ort insgesamt 63 Ermittlungsverfahren eingeleitet – in mehr als 40 Fällen ist aus Sicht der Beamten bislang unklar, wem die teils am Boden gefundenen Päckchen gehören. Insgesamt beschlagnahmten die Polizisten bei der Aktion am Samstagabend nach Informationen unserer Redaktion 170 Gramm illegale Drogen, darunter Kokain und Amphetamine. Laut Polizei gab es im Club auch einen besonderen Ort, an dem Drogen konsumiert worden sein sollen.
Wie berichtet, war die Polizei an dem Abend mit 200 Beamten im Einsatz, um drei Objekte zu durchsuchen, darunter den Club und dazugehörige Räume. Diese Durchsuchung basierte auf Beschlüssen des Amtsgerichtes, zudem kontrollierte die Polizei alle anwesenden 263 Personen, also überwiegend Gäste. Diese Maßnahme wiederum basierte auf einem Passus des Polizeiaufgabengesetzes und erfolgte ohne vorherige Anhörung eines Richters. Die Durchsuchungen, bei denen sich Betroffene teils bis auf die Unterwäsche ausziehen mussten, sorgten für massive Kritik.
Nach Auskunft der Polizei seien der Razzia ein anonymer Hinweis und danach „intensive Aufklärungsmaßnahmen über Monate“ hinweg vorausgegangen. Offensichtlich waren auch zivile Ermittler im Einsatz. Die Ermittlungen hätten Erkenntnisse gebracht, dass in den Räumen teils „ein offener Umgang und Konsum mit harten Drogen stattfindet“. Aus Ermittlerkreisen heißt es, es sei zuweilen „direkt von der Theke Kokain geschnupft“ worden. Zudem soll es phasenweise ein sogenanntes „Konsum-Ufo“ gegeben haben, eine Art Kapsel an der Decke, in die sich Leute zurückzogen, um möglicherweise Rauschgift zu nehmen.
Insbesondere der an dem Abend geplante „Dayrave“, eine Techno-Party, sei in den Fokus gerückt. Zur aufgefundenen Menge heißt es von der Polizei, dies sei mehr, als man normalerweise bei Razzien in Gaststätten finde. Eine in der Größenordnung vergleichbare Aktion mit über 250 durchsuchten Gästen gab es indes zuletzt in Augsburg auch nicht.
Razzia im City Club in Augsburg: Polizei findet 170 Gramm illegales Rauschgift
Der Durchsuchungsbeschluss richtete sich gegen den Geschäftsführer der Gesellschaft hinter dem City Club. Dessen Anwältin Martina Sulzberger sagt, der Verdacht eines „schwunghaften Handels mit Betäubungsmitteln“ gegen ihren Mandanten oder im City Club habe sich nach Aktenlage „im Vorfeld schon nicht weiter bestätigt“; die Beschlüsse seien daher nach ihrer Einschätzung nicht rechtmäßig. Zum behaupteten „Drogen-Ufo“ sagt die Anwältin, dieser Ort sei bereits vor Monaten geschlossen worden. Dass von einer Theke mehrfach Kokain geschnupft worden sein soll, gebe die Akte nicht her. Demnach hätten die Beamten nur ein Mal beobachtet, wie ein Gast Kokain von dem Garderobentresen nehme, was dem Personal nicht aufgefallen sei. Ansonsten hätte man diesen Gast aus dem Club geworfen.
Man werde Beschwerde einlegen. Auch andere Betroffene kündigten an, gegen die Polizeiaktion vorgehen zu wollen.
Bilder der Razzia in Augsburg: Polizei durchsucht den City Club
Die Polizei führte am Samstagabend im City Club in Augsburg eine Razzia durch. Über 200 Einsatzkräfte waren beteiligt.
Teils fanden die Beamten vor Ort illegales Rauschgift aber auch in Räumen, die sie „Berechtigten“ zuordnen, wie es hieß. So sollen sie dem Vernehmen nach auch auf eine Dose mit 13 Gramm Kokain in einem Bereich im Erdgeschoss gestoßen sein, der eigentlich nur dem Personal zugänglich sein soll. Ob die Ermittler in diesem Fall wie auch in anderen Fällen die aufgefundenen Drogen konkreten Verdächtigen zuordnen können, ist unklar – und bis zu einem Urteil in möglichen Prozessen gilt die Unschuldsvermutung. Anwältin Sulzberger sagt, man müsse auch berücksichtigen, dass die Polizei „ganze Stockwerke durchsucht hat, die überhaupt nicht zum City Club gehören“.
Die Razzia beschäftigt die Polizei derweil auch intern, hier ist der Ausgang völlig offen. Man gehe jeder Beschwerde nach, heißt es. Der Fall einer Frau, die laut Darstellungen von Zeugen von Beamten massiv zu Boden gedrückt worden sein soll, sei bereits an das LKA weitergeleitet worden, das auch interne Ermittlungen führt.
Unterdessen gibt es weitere Solidaritätsbekundungen mit dem City Club. Der Intendant des Augsburger Staatstheaters, André Bücker, äußerte sich kritisch. In einem Beitrag auf dem offiziellen Instagram-Account des Theaters schreibt er: „Das Ausmaß und die Art und Weise des Polizeieinsatzes gegen den City Club und das theter ensemble irritieren maximal.“ Bücker spielt damit darauf an, dass auch Räume des Theatervereins „theter ensemble“ im City-Club-Gebäude durchsucht wurden. Der Intendant schreibt weiter: „Kulturorte gilt es zu schützen und zu stärken. Auf keinen Fall dürfen sie demonstrativ kriminalisiert werden.“
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
AnmeldenSie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren