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Wie der Verein „schöne Felder“ dem Leerstand entgegenwirkt

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Nach sechs Jahren Leerstand: Wie in ein Haus in zentraler Augsburger Lage wieder Leben einzog

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    Miriam Meiners, Florian Jung und Manuel Renn (von links) haben Räume beim Verein „Schöne Felder“ in der Schaezlerstraße gemietet. Sie schätzen die Gemeinschaft mit den Künstlern, die sich dort angesiedelt haben.
    Miriam Meiners, Florian Jung und Manuel Renn (von links) haben Räume beim Verein „Schöne Felder“ in der Schaezlerstraße gemietet. Sie schätzen die Gemeinschaft mit den Künstlern, die sich dort angesiedelt haben. Foto: Anna Kondratenko

    Endlich herrscht wieder Leben in dem großen grünen Haus an der Schaezlerstraße 34. Sechs Jahre Leerstand in diesem zentral gelegenen herrschaftlichen Gebäude sind zu Ende. Besucher schlendern durch die langen Flure, die kleinen Räume und Keller, in denen Künstlerinnen und Künstler ihre Ateliers und Werke zeigen. Der neue Mieter ist der Verein „Schöne Felder“, der die 69 Räume an seine 85 Mitglieder untervermietet hat. Selbst ein unterirdisches Gewächshaus kann man dort finden.

    Der Verein hatte schon ab 2023 mit 42 Mitgliedern ein leerstehendes Haus am Milchberg angemietet, das jedoch im letzten Jahr geräumt werden musste. „Die Schaezlerstraße war ein Glücksfall“, erklärt Lisa McQueen, Vorsitzende von Schöne Felder. 2500 Quadratmeter und 69 vermietbare Räume haben sie jetzt, die Miete kostet 9,15 Euro inklusive Nebenkosten.

    Miriam Meiners und Florian Jung teilen sich im Haus des Vereins „Schöne Felder“ ein Atelier. Dort fertigen sie besondere Dinge nach den Wünschen ihrer Kunden.
    Miriam Meiners und Florian Jung teilen sich im Haus des Vereins „Schöne Felder“ ein Atelier. Dort fertigen sie besondere Dinge nach den Wünschen ihrer Kunden. Foto: Anna Kondratenko

    Florian Jung (36) und Miriam Meiners (31) hatten Glück, die Räume waren begehrt. Sie haben zu zweit einen Gewölbekeller bekommen. Die beiden, die im bürgerlichen Leben als promovierter Physiker in der Forschung beziehungsweise als Theaterplastikerin im Staatstheater ihr Geld verdienen, arbeiten zwar künstlerisch nicht zusammen. Aber sie waren schon in der Gruppe am Milchberg dabei, kannten sich.

    Eine Minh-Vase, die kontrolliert zerschellen kann

    Werkzeug, Elektrogeräte, fein sortierte Nägel, Dübel, Zangen und ein 3-D-Drucker stehen in Regalen. Jung und Meiners sind keine selbstständigen Künstler mit eigenen Konzepten oder Ausstellungen. Sie fertigen Teile oder technische Lösungen nach Auftrag. Dinge, die andere Künstler brauchen, aber nicht selbst herstellen können. Boxen aus Beton zum Beispiel, oder eine Minh-Vase, die in einem Theaterstück zerschmettert wird, auf der Bühne aber kontrolliert zerschellen soll. Eine Theatergruppe in Berlin, für die Florian Jung öfter tüftelt, wollte von ihm ein Funknetz für die Helmkameras ihrer Figuren, die die Gesichter der Figuren kontinuierlich über einen Beamer auf die Leinwand überträgt.

    Miriam Meiners ist mit einem Riesenspiegelei und einer Spiegeleiserie während der Ausstellung des Theaterviertelfestes im Parkhaus an der Ludwigstraße bekannt geworden. Eigentlich ist sie staatlich geprüfte Produktdesignerin und arbeitete in der Autoindustrie. Dann wechselte sie als Theaterplastikerin in den Malsaal des Staatstheaters. In ihrer Freizeit fertigt sie hier unten, in den Räumen von „Schöne Felder“, Plastiken oder Drachenköpfe für andere, freie Theater. Das Haus und die Künstlergemeinschaft gefällt den beiden gut. „In der Whatsapp-Gruppe ergeben sich super Synergien, einer hat eine Idee und ein Problem, andere die Lösung“, erkärt Meiners.

    Unter Lichtröhren gedeihen im Keller-Gewächshaus von Manuel Renn Pflanzen, die er für Augsburger Restaurants zieht.
    Unter Lichtröhren gedeihen im Keller-Gewächshaus von Manuel Renn Pflanzen, die er für Augsburger Restaurants zieht. Foto: Anna Kondratenko

    Im Keller nebenan leuchten lila Lichtröhren über Etagenregalen. Indorfarming, lebendige Kunst. Manuel Renn hat die Keller-Farm angelegt, in den Kästen wachsen Kohlrabi-, Shiso-, Koriander-, Kresse-Sprösslinge. Mitten in der Stadt ein unterirdisches Gewächshaus für Feinschmecker-Restaurants. Seine Firma heißt Rennkraut und ist schon länger mit verschiedenen Restaurants im Geschäft. Jede Woche sät Renn die Bestellungen an und erntet entsprechend dem Kalender der Kunden frisch. Microgreening im Keller, so der gelernte Wirtschaftsingenieur, sei eine Alternative für die regionale, sogar lokale Versorgung.

    Das langgestreckte grüne Haus der Künstlergruppe gehörte von 1924 bis 2019 der Katholischen Jugendfürsorge (KJF). Errichtet wurde es laut Liste der bayerischen Baudenkmäler 1880 im Stil der italienischen Renaissance. Heute gehört es dem Augsburger Investor Solidas, der sich im letzten Jahr bereit erklärt hatte, das Gebäude an „Schöne Felder“ zu vermieten.

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