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Augsburg: Sie starben im KZ: An diese Menschen erinnern neue Stolpersteine in Augsburg

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Sie starben im KZ: An diese Menschen erinnern neue Stolpersteine in Augsburg

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    Im Hunoldsgraben erinnert seit dieser Woche ein so genannter Stolperstein an Josef Eisenmann.
    Im Hunoldsgraben erinnert seit dieser Woche ein so genannter Stolperstein an Josef Eisenmann. Foto: Silvio Wyszengrad

    Kleine goldfarbene Steine mit Namen und Daten - mit diesen sogenannten Stolpersteinen wird nicht nur in Augsburg an Opfer des NS-Regimes erinnert. Diese Woche wurden wieder drei neue Erinnerungszeichen verlegt. Hinter jedem steht ein besonderes Schicksal.

    Wilhelm (Willi) Weise, geboren am 23. Mai 1900, war Sattler mit eigener Werkstatt in Haunstetten. Weise war zwei Jahre lang Mitglied bei der SPD, im Oktober 1932 schloss er sich der KPD an. Dort wurde er Propagandaleiter in Lechhausen. Zudem war er Herausgeber der örtlich kommunistischen Zeitung „Der rote Greifer“ und soll alle Schriften von Heinrich Heine auswendig gekannt haben. Zwei Tage nach der Reichstagswahl im März 1933 wurde er wegen seines politischen Engagements verhaftet und ins Konzentrationslager nach Dachau gebracht. Weise wurde mehrfach wegen Schwarzarbeit, Untreue, Hehlerei und Übertretung des Reichspressegesetzes bestraft. Nach seiner Entlassung aus

    Ein neuer Stolperstein in der Bretanostraße 10 (Lechhausen) erinnert an Josef Anton Wittmann, geboren am 17. September 1904. Er stammte aus ärmlichen Verhältnissen, machte eine Ausbildung zum Elektrotechniker und war ein Jahr lang bei der Reichsarmee angestellt, wurde dort aber entlassen. Später wurde bei Wittmann Schizophrenie diagnostiziert. Er gab sich als Musiker oder Zahnarzt aus und bestahl junge Frauen. Als die Betrügereien auffielen, wurde er zu einer mehrwöchigen Gefängnisstrafe verurteilt. 1935 wurde Wittmann gegen seinen Willen sterilisiert, da sein „Schwachsinn“ zwar angeboren war, aber nicht in dem Maße vorlag, dass es seine Strafbarkeit ausschloss. Es kam zu weiteren Verhaftungen mit Gefängnisstrafen, die Wittmann erst in Straubing, dann im Gefangenenlager Esterwegen absaß. 1943 wurde er ins Konzentrationslager Natzweiler verlegt, wo er 1943 starb. Offizielle Todesursache: akute Herzschwäche bei Mittelohrentzündung.

    Schon Betteln genügte, um vom NS-Regime verhaftet zu werden

    Im Hunoldsgraben (Innenstadt) erinnert ein Gedenkstein an Josef Eisenmann. Er wurde am 24. Juni 1906 geboren, arbeitete meist als Hilfsarbeiter und war auf Wanderschaft auf Suche nach Arbeit. Wenn er nach Augsburg kam, wohnte er bei seinen Eltern im Hunoldsgraben 25. Da im Nazi-Regime Wanderarbeiter als asozial galten, kam er durch sein Vorstrafenregister von Februar 1935 bis 1936 ins Gefängnis nach Heidelberg, anschließend weitere viereinhalb Monate ins Strafgefängnis nach Landsberg und dann bis Ende Februar 1937 in die Anstalt Bernau. Die genauen Straftaten sind nach Recherchen der Augsburger Erinnerungswerkstatt nicht bekannt. Oft habe allerdings schon Landstreicherei oder Betteln genügt, um eine Gefängnisstrafe zu erhalten. Am 13. März 1937 wurde Eisenmann ins KZ Dachau verlegt. Nach sieben Monaten im Konzentrationslager starb Eisenmann am 13. Oktober 1937.

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