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Augsburg
29.04.2022

Städtische Neubauten bekommen künftig Unisex-Toiletten

Eine Unisex-Toilette ist für Männer wie Frauen zugelassen. Auch in öffentlichen Gebäuden in Augsburg soll es künftig geschlechtsneutrale Toiletten geben.
Foto: A. Heimken, dpa (Symbol)

Die Grünen im Augsburger Stadtrat hatten zusammen mit der CSU die Einführung von geschlechtsneutralen WCs beantragt. Nun gibt es eine Entscheidung – die für Debatten sorgt.

Die Stadt Augsburg wird künftig in allen Neubauten zusätzlich zu Männer- und Frauen-WCs auch geschlechtsneutrale Toiletten einplanen. Dies wird wohl jeweils mit einem fünfstelligen Betrag zu Buche schlagen. Baureferent Gerd Merkle (CSU) sagte, man werde je nach Gebäudeart schauen, ob das sinnvoll sei. "In einer Grundschule muss man sicher keine Unisex-Toilettenanlage einbauen." Das Vorhaben, zusätzliche geschlechtsneutrale Toilettenräume zu schaffen, geht auf einen gemeinsamen Antrag von CSU und Grünen zurück. Zudem wird es künftig auch auf allen Männer-WCs in Neubauten einen Wickeltisch geben.

Unisex-Toiletten: Antrag war ursprünglich weitreichender gewesen

Der Antrag der Koalitionspartner war ursprünglich weitreichender gewesen. CSU und Grüne wollten auch geprüft haben, ob in Neubauten mehr Frauentoiletten geschaffen werden könnten. Die längeren Warteschlangen vor Frauentoiletten seien nicht darin begründet, dass Frauen länger auf der Toilette brauchen, sondern dass es dort weniger Toilettenanlagen gebe. Auf den Raum einer Toilettenkabine passten in der Regel zwei Pissoirs für Männer.

Dass Männertoiletten in Neubauten in der Folge weniger Quadratmeter als Frauentoiletten bekommen werden, um Gleichheit bei der Zahl der jeweiligen Toilettenanlagen zu bekommen, wird aber nicht kommen. Dem stünden diverse Richtlinien zu Arbeitsstätten und Schulbau entgegen, so die Stadt. Möglich wäre nur eine Vergrößerung von Frauentoiletten, allerdings verbunden mit entsprechenden Kosten.

Kritik an Unisex-Toiletten in Augsburg: "Unsinnige Projekte"

Im Bauausschuss des Stadtrats sorgte das Thema für Kontroversen. Christine Kamm (Grüne) bezeichnete die Schaffung zusätzlicher Unisex-Toiletten als "pragmatischen, überfälligen Schritt zum Umgang mit Geschlechterrollen". Es gehe darum, Menschen, die nicht der gängigen Geschlechteridentität entsprechen, vor Diskriminierung zu schützen. Die CSU, die das Thema in der Koalition eher still mitgetragen denn vorangetrieben hatte, schwieg im Ausschuss. Gregor Lang (Sozialfraktion) merkte an, dass es einfacher wäre, wenn man die ohnehin nötigen Toiletten für Behinderte gleichzeitig als Unisex-Toilette ausschildere und dort auch einen Wickeltisch anbringe. "Das wäre vom Kosten- und Platzaufwand her einfach möglich", so Lang. Diese Lösung biete sich auch in bestehenden Gebäuden an. "Es ist richtig, dass sich Augsburg auf den Weg macht, aber die Schritte müssen pragmatisch und nicht unendlich verteuernd sein." Ablehnung für den Beschluss kam nur von der AfD. "Solche unsinnigen Projekte sind der Grund, warum die AfD überhaupt existiert", so Fraktionschef Andreas Jurca.

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