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Foto: Silvio Wyszengrad
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Klassik Radio sendet nun von Augsburg aus nach Deutschland, Österreich und in die Schweiz. Das Studio befindet sich unter dem Dach des ehemaligen Stadtarchivs.

Augsburg
02.12.2021

Von Augsburg aus sendet Klassik Radio nun auch bis Österreich und in die Schweiz

Von Miriam Zissler

Plus Seit Kurzem wird im neuen Firmensitz in der Fuggerstraße gearbeitet. Firmengründer Ulrich Kubak liebt das pulsierende Leben in der Innenstadt und die Nähe zum Stadtmarkt.

Zwei Tage nachdem Klassik Radio im Oktober den Sendebetrieb in Augsburg aufgenommen hat, kam schon der erste Klassik-Star an den Lech: Moderator Rolando Villazón war erstmals für seine Radioshow per Flughafen-Shuttle nach Augsburg gebracht und am Königsplatz herausgelassen worden. Da stand der quirlige Star mit seinen dunklen Locken und rotem Schal und wusste nicht weiter. Dabei war er dem Sender schon ganz nah: Seit Oktober residiert Klassik Radio im frisch sanierten ehemaligen Stadtarchiv an der Fuggerstraße, direkt am Stadtmarkt.

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Foto: Stadtarchiv Augsburg
So wandelt sich Augsburgs altes Stadtarchiv an der Fuggerstraße
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Foto: Stadtarchiv Augsburg

Das alte Stadtarchiv blickt auf eine lange Geschichte zurück. Zuvor Wohn- und Geschäftshaus, leitete am 2. Februar 1884 ein Mietvertrag die Nutzung als Archiv in die Wege.

Foto: Anne Wall

So wurde das Gebäude auch lange Zeit genutzt: als schriftliches und bildliches Gedächtnis Augsburgs; 9500 Regalmeter Archivalien von unschätzbarem Wert.

Foto: Anne Wall

Nicht immer lief alles glatt. 2009 befiel der Brotkäfer einen Teil des Stadtarchiv-Bestands. Vor allem ältere, reichsstädtische Dokumente waren betroffen.

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Es gab aber auch positive Überraschungen. 2011 etwa, als Historikerin Simone Herde in einem Haufen Zettel eine Entdeckung machte: einen bis dahin unbekannten Schriftwechsel Leopold Mozarts.

Foto: Anne Wall

Im Jahr 2014 dann zog das Stadtarchiv von der Fuggerstraße um aufs AKS-Gelände. Laster um Laster wurden die Akten abgeholt ...

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... und machten Platz für die neue Bestimmung des Gebäudes.

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Das alte Stadtarchiv wurde zum Kleiderschrank. Die Kostümwerkstätten und der Fundus des Augsburger Theaters kamen zwischenzeitlich am Stadtmarkt unter.

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Statt historischen Büchern, Urkunden und Karten lagerten an der Fuggerstraße ab 2016 Hüte, Kleider, Schuhe und andere Stücke aus dem Theaterfundus.

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Dann die nächste Änderung. Gerüst und Baustelle: Aus dem ehemaligen Stadtarchiv wird das neue Hauptquartier des Radiosenders "Klassik Radio". Dazu bekommt es auch einen grauen Anstrich verpasst ...

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... und so sieht das Gebäude heute von außen aus. Über zwölf Millionen Euro sind in den Umbau geflossen.

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Auch die Innenräume wurden generalsaniert. Kleinstteilige Räume wurden zurückgebaut. So entstand eine offene Atmosphäre.

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Unter dem Dach des ehemaligen Stadtarchivs befinden sich neue Studios.

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Von dort aus sendet Klassik Radio fortan nach Deutschland, Österreich und in die Schweiz.

Klassik Radio kam von Hamburg nach Augsburg

Firmengründer Ulrich Kubak eilte selbst an den Kö, um den Radiomoderator abzuholen und führte ihn anschließend über den Stadtmarkt und zeigte ihm den neuen Firmensitz. "Rolando Villazón lebt selbst in Paris und war aber von Augsburg total angetan", berichtet Kubak, der gebürtiger Augsburger ist. Er entschied vor über fünf Jahren, den Hauptsitz und den Sendebetrieb von Hamburg nach Augsburg zu holen.

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Foto: Silvio Wyszengrad
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Der Firmensitz von Klassik Radio befindet sich in direkter Nähe zum Stadtmarkt.

Heute steht Kubak an seinem höhenverstellbaren Schreibtisch und blickt aus dem Fenster auf den Stadtmarkt und nicht mehr auf ganz Augsburg. Zuvor war die Verwaltung von Klassik Radio im Hotelturm untergebracht. "Damals bin ich dort in den Aufzug gestiegen, habe auf einen Knopf gedrückt und bin in der 35. Etage wieder ausgestiegen. Heute befinde ich mich in der Fuggerstraße und damit mitten im Leben." Das sei ein riesen Unterschied, das Umfeld gebe ihm Kraft und Energie. Seinen Arbeitstag beginnt Kubak nun mit einem Espresso auf dem Stadtmarkt. In seinem Büro sind die großen Flügeltüren immer offen. So könne er einen langen Gang entlang von Raum zu Raum sehen. "Es hat hier eine tolle Atmosphäre", schwärmt er.

Der Augsburger Hotelturm hätte nicht genug Platz geboten

Für eine Zusammenlegung hätten die Räumlichkeiten im Hotelturm nicht gereicht, auf die grüne Wiese oder in ein Industriegebiet wollte Kubak mit dem Firmensitz von Klassik Radio nicht, genauso wenig wie in eine andere Stadt. Augsburg sollte es sein, mit dem ehemaligen Stadtarchiv war für ihn der ideale Standort gefunden.

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Foto: Silvio Wyszengrad
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Kleinstteilige Räume wurden zurückgebaut. So entstand eine offene Atmosphäre.

Über zwölf Millionen Euro sind in den neuen Standort geflossen geflossen, der unter anderem erhebliche statische Probleme und hohe Brandschutzauflagen hatte, wie sich im Verlauf der Bauarbeiten zeigte. Kubak habe keine Kompromisse gemacht, sondern den Bau, den er zuvor der Stadt abgekauft hatte, mit "allen Konsequenzen" saniert. "Dabei habe ich zu 90 Prozent Handwerksbetriebe aus der Region gewählt", sagt er. Zwei Etagen mit kleinstteiligen Räumen wurden zurückgebaut, ein Schieferdach angebracht, ein Aufzug eingebaut.

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Kubak war wichtig, dass das Gebäude mit einer "top Ausstattung" versehen wird. Jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter verfüge nun über einen höhenverstellbaren Schreibtisch, es gebe keine Telefone mehr, die Kommunikation funktioniere über Microsoft Teams. Rund 100 Beschäftigte haben in dem Gebäude Platz.

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Foto: Silvio Wyszengrad
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Firmengründer Ulrich Kubak entschied sich vor fünf Jahren, den Firmensitz nach Augsburg zu holen.

Einige Mitarbeiter sind Klassik Radio gefolgt und von Hamburg nach Augsburg oder ins Umland gezogen. "Ein Mitarbeiter ist erst einmal nach München gezogen und von da aus nach Augsburg gependelt, bis er feststellte, wie schön die Stadt eigentlich ist. Nun ist er wenige Monate später auch hierher gezogen", freut sich der Firmenchef. Die Erreichbarkeit des Arbeitsplatzes mitten in der Innenstadt sei ein wichtiges Thema, sagt Geschäftsführer Richard Goerlich. Parkplätze werden benötigt. Für ihn sei es ein falsches Signal, dass es Pläne gebe, Parkgebühren am Plärrer zu erheben. "Das wäre eine Verschlechterung des Mobilitätsangebotes insgesamt. Dann muss man auf der anderen Seite auch eine Verbesserung anbieten. Dann wird ein Schuh daraus." Derzeit arbeiten Corona-bedingt ohnehin viele Mitarbeiter im Homeoffice - von denen abgesehen, die für Sendebetrieb zuständig sind. Unter dem Dach wurden zwei Sendestudios neu eingerichtet.

Klassik Radio erreicht rund sechs Millionen Hörerinnen und Hörer

Von Augsburg aus erreicht Klassik Radio etwa sechs Millionen Hörerinnen und Hörer in Deutschland. Es wird von hier aus jetzt auch nach Österreich und in die Schweiz gesendet. "Wir haben die Pandemie genutzt, um weiter zu wachsen", so Ulrich Kubak. Daneben wurde Beats Radio als neue Audio-Marke auf den Markt gebracht und wird nun ebenfalls von Augsburg aus gesendet - ein House- und Deep-House-Sender und ein willkommener Bruch im Portfolio.

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Foto: Silvio Wyszengrad
Foto: Silvio Wyszengrad

Richard Goerlich ist Geschäftsführer von Klassik Radio.

In Gebäude werden nun die restlichen Arbeiten in Angriff genommen und die letzten Stellen besetzt. Firmengründer Kubak freut sich darauf, endlich alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den sanierten Räumen zu begrüßen - mit ihnen einmal über den Stadtmarkt zu schlendern. Für Kubak ist der Ort ein "Schatz". Es habe sich schon jetzt eine schöne Nachbarschaft entwickelt. "Wir wurden mit einem Plakat empfangen: Stadtmarkt begrüßt Klassik Radio", freut er sich. Klassik Radio werde aber künftig keine eigenen Veranstaltungen auf dem Bauernmarkt präsentieren, stellt Goerlich fest. Das habe zuletzt die Runde gemacht, sei so aber nicht richtig. Klassik Radio veranstalte Konzerte in der Reihe "Live in Concert" etwa im Münchner Gasteig oder im Berliner Tempodrom. "Eigentlich ist da die Kongresshalle schon zu klein. Da machen wir aber gerne, weil wir hier ansässig sind." Sie würden sich auch künftig an einem Stadt- oder Stadtmarktfest beteiligen, aber keine eigenen Veranstaltungen angehen. Der Stadtmarkt werde aber immer eine feste Anlaufstelle für Ulrich Kubak sein, betont er. "Allein schon, weil ich hier jetzt häufig die Einkäufe für die Familie erledigen kann. Früher hat das meine Frau gemacht, jetzt habe ich den Job übernommen", sagt er und lacht.

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