Scipione Torsiello ist in Augsburg bekannt wie ein bunter Hund. Doch seinen Spitznamen Schipi, der sich von seinem Vornamen ableitet, können viele nicht aussprechen. „Man sagt ja auch Schipione und nicht Scipione. Das ist ein alter römischer Name. Also Schipi“, klärt der 57-Jährige auf. Aussprache hin oder her: Sein kleines, typisch italienisches Restaurant Mediterraneo in der Bäckergasse mit seinen 48 Plätzen drinnen und den 25 Sitzgelegenheiten draußen ist aus Augsburg nicht wegzudenken. Torsiello führt es seit 24 Jahren, auch wenn das seinem Lebensplan so gar nicht entsprach.
„Ich wollte das höchstens vier oder fünf Jahre machen und wollte mich dann noch mehr ausprobieren. Augsburg war mir fast zu langweilig. Dann ist alles anders gekommen“, sagt er lachend. Als Torsiello als junger Mann von Salerno, das ungefähr 70 Kilometer von Neapel entfernt ist, nach Deutschland kam, war seine Wahlheimat zunächst München: „Da war was los. Da fühlte ich mich wohl. Vor allem im Schwabinger Nachtleben war ich zu dieser Zeit viel in den Lokalen, um zu feiern.“ Auch heute hat ihn München noch nicht ganz losgelassen, zumal auch Geschwister von ihm dort leben: „Ich bin immer noch oft da. Dort lebt auch meine Freundin. Wir haben eine Fernbeziehung“, erzählt er.
Scipione Torsielli: „Ich hatte oft eine andere Meinung als meine Chefs“
Sein Geld hat er dann aber in Augsburg verdient. Im damaligen Trattoria di Massimo und im Beethoven-Viertel sammelte der Italiener, der das Hotelfach studiert hat, seine ersten Erfahrungen in der Gastronomie: „Ich wollte ja früher immer an der Amalfi-Küste in Italien arbeiten, aber dazu ist es leider nie gekommen.“ Zumindest seinen Traum von der Selbstständigkeit hat er verwirklicht: „In den Restaurants, in denen ich gearbeitet habe, musste ich ja immer das tun, was die Chefs wollten. Obwohl ich oft eine andere Meinung hatte“, so der schmächtige Italiener. So war die Eröffnung des Mediterraneo der nächste Schritt: „Das war zwar viel Geld damals, aber es war auch eine andere Zeit.“ Vor allem aufgrund seiner hervorragenden Küche wurden das Lokal und „Schipi“ immer mehr zum Geheimtipp in Augsburg.
Der Wirt ist nach all den Jahren immer noch glücklich, damals vor 24 Jahren diese Entscheidung getroffen zu haben: „Ich bin sehr zufrieden. Natürlich zwickt es mal und ich habe Rückenschmerzen, aber ich habe tolle Gäste.“ Allerdings: Seit Corona tritt der Gastronom, bei dem noch zwei Aushilfen und zwei Festangestellte im Lokal arbeiten, etwas kürzer. „Ich habe gemerkt, dass ich einfach keine Zeit für mich mehr hatte, und musste eine Entscheidung treffen. Ich habe dann beschlossen, mittags nicht mehr zu öffnen.“ Außer Montag ist sein Restaurant jetzt täglich ab 17.30 Uhr geöffnet. Warme Küche gibt’s bis 22 Uhr. Da nimmt es Torsiello aber nicht so genau: „Auch wer etwas später kommt, muss bei mir nicht verhungern.“
Wenn er beruflich abschalten will, dann diskutiert er gern über Fußball und seinen Lieblingsklub SSC Neapel oder den FC Augsburg. Mit beiden Klubs ist er derzeit nicht besonders zufrieden. Auch Italien ist ein Gesprächsthema. Mindestens zweimal fährt Torsiello, der zusammen mit sieben Geschwistern aufwuchs, nach Italien. „Leider sind mein Papa und meine Mama schon gestorben“, sagt er. Ansonsten steht auch in Zukunft sein Lokal im Mittelpunkt: „Solange ich gesund bin, werde ich arbeiten. Augsburg und meine Gäste sind mir ans Herz gewachsen. Es gibt für mich nichts Schöneres, als wenn ein Gast sich mit den Worten ,Danke für den schönen Abend, Schipi` verabschiedet.“ Vor allem, wenn der Name dann auch noch richtig ausgesprochen wird.
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
AnmeldenSie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren