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Augsburg
10.05.2022

Was tun im Notfall? So vermeidet man Vergiftungen bei Kindern

Hausapotheken gehören abgesperrt, damit Kinder keinen Zugang dazu haben.
Foto: Norbert Försterling, dpa

Die Augsburger Uniklinik behandelt jährlich rund 60 Kinder und Jugendliche wegen einer Vergiftung. Putzmittel, Beeren und Medikamente sind die häufigsten Ursachen.

Kinder stecken einfach alles in den Mund. Die roten Tabs für die Spülmaschine? Sehen so lecker aus. Der Saft in der grünen Flasche? Leuchtet so schön. Auch giftige Pilze und Beeren üben manchmal eine große Anziehungskraft auf kleine Kinder aus. Im Notfall bietet der Giftnotruf unter der Telefonnummer 089/19240 Hilfe.

Drei große Gruppen an Vergiftungsursachen hat Matthias Pütz, pflegerischer Leiter in der Kindernotaufnahme des Augsburger Uniklinikums, in den 20 Jahren seiner Berufstätigkeit ausgemacht: Putz- und Reinigungsmittel, Pilze, Beeren und Efeu sowie Medikamente. Jährlich werden an der Uniklinik circa 60 Kinder und Jugendliche mit Vergiftungen ambulant und stationär behandelt (Vergiftungen durch Alkoholmissbrauch nicht mitgerechnet. Das waren zuletzt 56 pro Jahr).

Vergiftung bei Kindern: Putzmittel sind nicht mehr so aggressiv

Auch wenn Putz- und Reinigungsmittel heute nicht mehr so aggressiv sind wie früher und oft nur einen überschäumenden Magen bei dem Kind hinterlassen, das die rote Perle aus dem Spülmaschinentab gegessen hat - es gibt sie immer noch, die hochdramatischen Vergiftungsfälle, bei denen Kinder für den Rest ihres Lebens unter den Folgen zu leiden haben. So erinnert er sich gut an eine Familie in der Region, deren Vater Felgenreiniger in eine Apfelsaftflasche abgefüllt und diese im Auto liegengelassen hatte. Der fünfjährige Sohn wurde mit schwersten Verätzungen im Mundraum ins Krankenhaus eingeliefert und musste - da man bei dieser Art der Vergiftung außer Mundspülungen keinen sehr großen Handlungsspielraum hat - danach eine Zeit lang über eine Magensonde ernährt werden.

Pilze, Beeren und Efeu können, hat das Kind oder der Jugendliche eine relevante Menge davon gegessen, Bauchschmerzen, Übelkeit und Kopfschmerzen verursachen, im schlimmeren Fall zu Krampfanfällen, Lähmungserscheinungen und neurologischen Symptomen wie Schläfrigkeit führen. "Bei Zwei- bis Vierjährigen kommen Vergiftungen am häufigsten vor", erklärt Pütz. Auch Medikamente spielen hierbei eine Rolle. Senioren, die häufig Besuch von ihren Enkelkindern bekommen, sollten immer mal wieder in ihre Pillendosen schauen, ob der Wochenvorrat noch vollständig hinterlegt ist. Wenn ein Dreijähriger die Wochenmenge von Opas Herzmedikament nimmt, kann das schnell lebensbedrohlich sein.

Experte der Augsburger Uniklinik gibt Tipps, um Vergiftungen zu vermeiden

Während der Corona-Pandemie hatte die Kindernotaufnahme der Uniklinik auch einige Vergiftungsfälle zu verzeichnen, bei denen sich Jugendliche Medikamente in suizidaler Absicht zugeführt hatten. Pütz erinnert sich an eine 16-Jährige, die große Mengen Paracetamol eingenommen hatte. "Das kann die Leber schwer schädigen und damit tödlich sein", sagt Pütz. Der Diplom-Pfleger setzt beim Thema Vergiftungen auf Prävention. Dazu gehören der abgesperrte Schrank mit den Putzmitteln oder die regelmäßige Kontrolle der Hausapotheke. Pütz, selbst Vater eines sechsjährigen Sohnes, rät Eltern mit kleinen Kindern auch zur Aufklärung des Nachwuchses. "Dazu gehört meines Erachtens nicht nur das Verbot, dieses oder jenes nicht zu essen", erklärt der 45-Jährige. "Sprechen Sie ruhig mit Ihrem Kind so, dass es keine Angst hat sich zu offenbaren, wenn es dann doch von den verbotenen Dingen genascht hat."

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Und er rät Eltern oder Aufsichtspersonen, zuallererst den Giftnotruf in München zu wählen unter der Nummer 089-19240. "Dort sitzen Experten am anderen Ende, die Zugriff auf eine Riesen-Datenbank haben, in der zum Beispiel auch die Chargennummer des russischen Putzmittels oder der Tabletten aus der Türkei hinterlegt sind", sagt Pütz. "Die Experten geben Tipps, ob Sie das Kind nüchtern lassen oder ihm ein Glas Wasser geben sollen und eine erste Einschätzung, ob der Fall eher harmlos ist oder nicht. Rufen Sie dann gegebenenfalls den Notarzt." (AZ)

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