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Augsburg
07.01.2022

Wie Lisa Schuster das Thema Demenz aus der Tabuzone holen will

Lisa Schuster ist die neue Leiterin des Kompetenznetzes Demenz.
Foto: Peter Fastl

Lisa Schuster ist die neue Leiterin des Kompetenznetzes Demenz. Die Gerontologie-Pädagogin möchte ihre Aufklärungsarbeit trotz Corona intensivieren.

In Deutschland leben rund 1,6 Millionen Menschen, die an Demenz erkrankt sind. Aufgrund der immer höheren Lebenserwartung dürfte diese Zahl in den nächsten Jahren noch steigen. Bricht man die Statistik auf Augsburg herunter, sind rund 6000 unterschiedlich stark verwirrte Seniorinnen und Senioren in der drittgrößten Stadt Bayerns zu Hause. Doch trotz der starken Verbreitung wird das Thema oft totgeschwiegen. Demenz ist immer noch ein Tabu, auch weil Angehörige oder Drittpersonen nicht wissen, wie sie mit den Betroffenen umgehen sollen.

Das Thema Demenz begleitet Lisa Schuster ein Leben lang

Das Kompetenznetz Demenz will dies ändern. Seit 2007 trägt es dazu bei, dass altersverwirrte Menschen würdevoll in einer verständnisvollen Umgebung leben dürfen, dass pflegende Angehörige Unterstützung durch mehr Wissen bekommen und Freunde und Nachbarn sich nicht aus Unwissenheit zurückziehen. Vor Kurzem hat sich die langjährige Projektleiterin Claudia Zerbe in den Ruhestand verabschiedet. Lisa Schuster freut sich, dass sie als Nachfolgerin die vielfältige Arbeit des Kompetenznetzes fortführen kann. "Demenz begleitet mich mein Leben lang", sagt die 55-jährige Augsburgerin, die ursprünglich aus dem Raum Dillingen stammt.

Schon als junges Mädchen sei sie mit dem demenzkranken Großvater konfrontiert gewesen, erzählt sie. Dass die gelernte Krankenschwester ihr Abitur nachholte und anschließend ein Studium der Diplompädagogik mit dem Schwerpunkt Gerontologie draufsattelte, ebnete ihr den Weg in einschlägige Tätigkeiten als Pflegedienstleiterin oder Fachreferentin für Altenhilfe. Seit zehn Jahren ist Schuster für die Arbeiterwohlfahrt schwerpunktmäßig im Stadtteil Herrenbach aktiv, als Quartiersentwicklerin im Schwabencenter und zuletzt als Leiterin des Betreuten Wohnens im Geisberghof in der Herrenbachstraße.

Mit den dort gewonnenen Eindrücken kann die Pädagogin an ihre neue Aufgabe anknüpfen. Lisa Schuster hat beobachtet, dass sich Demenz gerade bei den Menschen verstärkt hat, die - etwa wegen Corona-Beschränkungen - wenig soziale Kontakte haben. Manche Seniorinnen und Senioren seien nicht mehr aus dem Haus gekommen oder hätten kaum mehr Gelegenheit zum Sprechen gehabt. "Die Pandemie hat die geistige und körperliche Mobilität beeinträchtigt", lautet das ernüchternde Fazit der Fachfrau.

Kompetenznetz will Berührungsängste vor der Krankheit nehmen

Die immer noch bestehenden Beschränkungen wirken sich auch auf die Arbeit des Kompetenznetzes Demenz aus. Sein Herzstück sind die ehrenamtlichen Demenzpaten, engagierte Frauen und Männer, die Menschen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Lebensbereiche Berührungsängste vor der Krankheit nehmen wollen. Das können Schulungen und Infoveranstaltungen für angehende Polizisten ebenso sein wie für Schülerinnen und Schüler oder auch Angehörige, die mit der neuen Situation überfordert sind. All diese Angebote kochen zum Bedauern von Lisa Schuster derzeit auf Sparflamme oder liegen völlig brach. Auch das Vorhaben, auf der Augsburger Frühjahrsausstellung (afa) die Öffentlichkeit für die Situation dementer Menschen zu sensibilisieren, ist durch die Absage der Messe hinfällig.

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Die neue Kompetenznetz-Projektleiterin ist dennoch zuversichtlich, dass die Arbeit bald wieder an Fahrt gewinnt. "Wir haben viele tolle Ideen" ,verspricht sie. Erinnert sei etwa an den 3-D-Film im vergangenen Jahr, bei dem die Betrachterinnen und Betrachter mithilfe einer Virtual-Reality-Brille für ein paar Minuten in die Rolle eines Dementen schlüpfen konnten.

Gegen Demenz gibt es noch keine "Wunderwaffe", sagt die Expertin

Unabhängig von der Corona-Lage ist Schuster gerne bereit, Ratsuchenden zu helfen oder sie an weitere Einrichtungen zu vermitteln. Mit den Seniorenfachberatungen oder der Alzheimer-Gesellschaft verfüge Augsburg über kompetente Anlaufstellen für die Betroffenen und ihre Angehörigen. Auch weitere Demenzpatinnen und -paten, die für ihr Amt ausgebildet werden, seien willkommen. "Demenz wird uns als alternde Gesellschaft weiterhin beschäftigen, zumal es dagegen noch keine Wunderwaffe gibt", sagt Lisa Schuster.

Kontakt zum Kompetenznetz Demenz gibt es unter Telefon 0821/5688181 beziehungsweise E-Mail l.schuster@sic-augsburg.de.

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