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Augsburgs Hitzevorsorge: Pflanzen und Konzepte für kühle Stadtinseln

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Die Zahl der Hitzetage in Augsburg nimmt zu – mit diesen Plänen will die Stadt gegensteuern

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    Der Augsburger Martin-Luther-Platz soll in den kommenden Wochen so umgestaltet werden, dass er Hitzewellen besser standhalten kann. Vorerst ist das nur ein Versuch.
    Der Augsburger Martin-Luther-Platz soll in den kommenden Wochen so umgestaltet werden, dass er Hitzewellen besser standhalten kann. Vorerst ist das nur ein Versuch. Foto: Marcus Merk

    Auf dem Martin-Luther-Platz in der Augsburger Fußgängerzone will die Stadt in den nächsten Wochen probieren, wie Straßen und Plätze so gestaltet werden könnten, dass sie besser für Hitzewellen gerüstet sind. Es werde künftig verstärkt darum gehen, verwundbare Personengruppen zu schützen, aber auch die Nutzung der Stadt in Hitzephasen zu ermöglichen, so Umweltreferent Reiner Erben (Grüne). Die Zahl der Hitzetage in Augsburg hat in den vergangenen Jahrzehnten bereits zugenommen und soll in Zukunft weiter nach oben gehen. Bestimmte Viertel in Augsburg werden davon besonders betroffen sein.

    Geplant ist auf dem Luther-Platz eine Begrünung mit Sträuchern und Bäumen in Pflanzgefäßen zusätzlich zum aktuellen Baumbestand. Mit der Aktion möchte die Stadt den Aufenthalt im Sommer in der Innenstadt angenehmer machen, aber auch auf das Thema von Hitzevorsorge aufmerksam machen. Ab Mittwoch soll der Aufbau laufen, bis Mitte September bleibt die Klimainsel stehen. Es gehe darum, temporäre Klimaanpassungsmaßnahmen auszuprobieren, so Erben. Eine Wiederholung, womöglich an anderen Orten, ist geplant. Man prüfe auch eine Vernebelungsanlage als Abkühlungsmöglichkeit für Passanten. Parallel laufen die Überlegungen für eine Bepflanzung des Rathausplatzes mit Bäumen - hier könnte es im Frühjahr 2026 erste Ergebnisse geben. In einem weiteren Schritt will die Stadt so genannte Klimaoasen auf dem früheren Ladehofareal und im Gögginger Neubaugebiet schaffen, indem dort versiegelte Flächen aufgebrochen und bepflanzt werden. Die zwei Bereiche zeichnen sich bisher durch eine starke Hitzebelastung aus. Durch die geplanten Maßnahmen – neben der Pflanzung von Bäumen ist ein Trinkbrunnen vorgesehen – will die Stadt die Hitzebelastung und mithilfe der zusätzlich geschaffenen Versickerungsflächen die Gefahr von Überschwemmungen reduzieren. Die Maßnahmen sollen bis spätestens Ende 2027 abgeschlossen sein.

    In diesen Augsburger Stadtteilen ist die Hitzebelastung hoch

    Doch wenn ganze Viertel hitzefest gemacht werden sollen, wird es schwieriger. Seit einigen Jahren laufen Planungen, das Wertachviertel (die Nebenstraßen der Wertachstraße zwischen Arbeitsagentur und Wertachbrücke) umzugestalten. Hintergrund: Dort ist die Hitzebelastung aufgrund der hohen Versiegelung ebenfalls hoch. So richtig in Schwung mit mehr Begrünung sowie der Umgestaltung ganzer Straßenzüge wie der Langenmantelstraße kommt das Programm bisher aber nicht. Das Interesse an Infoveranstaltungen ist verhalten, die Unterstützung für Baumpflanzungen wenig gefragt, das Geld bei der Stadt knapp. Und als im vergangenen Jahr vorübergehend „Parklets“ (große Sitzmöbel für den Straßenraum) auf Stellplätzen installiert wurden, gab es Anwohnerbeschwerden. Man plant nun unter anderem eine Neugestaltung der Wolfgangstraße im Wertachviertel, um zu zeigen, wie ein Stadtumbau aussehen könnte.

    Dass irgendwie reagiert werden muss, steht für Erben außer Zweifel. In einer Klimaanalyse fürs Stadtgebiet, die Temperaturen an einem sonnigen Sommertag aufzeigt, sind Wälder und Parks aktuell in satten Grün abgebildet, dunkelrot sind Oberhausen/Wertachviertel, Lechhausen und Teile der Innenstadt. Die Unterschiede rühren aus der höheren Versiegelung her. In einer Zukunftsprojektion fürs Jahr 2040 sind aus den dunkelroten Punkten, die extreme Hitzeherde mit 40 Grad anzeigen, größere Flächen geworden. Fast alle Stadtteile sind betroffen, speziell die dichter bebauten Quartiere. Auch die Wälder und Parks kühlen nicht mehr in dem Maße.

    Beim Hitzeranking der Deutschen Umwelthilfe schnitt Augsburg schlecht ab

    Man werde vorrangig auf verwundbare Gruppen wie Kinder, chronisch Kranke und ältere Menschen schauen müssen, so Erben. Speziell wenn es auch nachts keine Erholung mehr gibt, weil die aufgeheizte Stadt die Wärme speichert, gebe es gesundheitliche Risiken. Das werde nicht alles über einen Stadtumbau auffangbar sein, weil es auch um Verhaltensänderung geht. Die Stadt will im kommenden Umweltausschuss des Stadtrats einen Hitzeaktionsplan vorstellen. Ziel dieses Aktionsplans ist laut Umweltreferat die negativen gesundheitlichen Auswirkungen von Hitze abzufedern. Die angestrebten Maßnahmen binden Augsburger Kliniken und Hausarztpraxen, aber auch soziale Einrichtungen wie Kindertagesstätten ein. Gelingen soll ein besserer Hitzeschutz über eine stärkere Sensibilisierung der Bevölkerung sowie bauliche Anpassungen. Eine zentrale Rolle soll dabei eine stärkere Begrünung einnehmen.

    In einem Hitzeranking der Deutschen Umwelthilfe schnitt Augsburg zuletzt schlecht ab (wir berichteten). Anhand von Faktoren wie Versiegelungsgrad und Begrünung wurde eine Rangliste aufgestellt, bei der Augsburg im roten Bereich liegt. Erben weist darauf hin, dass man berücksichtigen müsse, dass Augsburg aufgrund seiner Stadtgeschichte - eine der ältesten Städte Deutschlands mit industrieller Vergangenheit - einen hohen Versiegelungsgrad habe, der sich nicht von heute auf morgen auflösen lasse. Gleichzeitig habe Augsburg mit den gut erreichbaren Grünräumen entlang der Flüsse und dem Stadtwald auch Vorteile, die in der Systematik des Rankings nicht berücksichtigt werden.

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