Gabriele Brunnhuber stöbert mit ihrem Bruder Rudolf durch die Fotoalben ihres Familienunternehmens. Vor 100 Jahren hat ihr Großvater eine Autoreparatur in der Ulmer Straße in Augsburg gegründet und später um den Verkauf von Autos der Marke Opel erweitert. Heute führen seine beiden Enkel den Betrieb am Standort in der Hessenbachstraße, wohin der Betrieb 1968 umgezogen ist. „In den 100 Jahren ist viel passiert“, sagt Gabriele Brunnhuber und findet in den Bildern immer wieder kleine Geschichten. Sie bleibt an einem Foto hängen, das einen Ochsenkarren an einer Tankstelle auf dem früheren Betriebsgelände in der Ulmer Straße zeigt – und taucht direkt wieder in die Geschichte ihres Betriebs ein. Und sie erzählt auch, was für sie Erfolg ausmacht.
1926 hatte sich Franz Brunnhuber mit einer Autowerkstatt in der Ulmer Straße selbstständig gemacht und 1930 mit dem Vertrieb von Fahrzeugen der Marke Opel begonnen. Damals, das zeigt besagtes Bild, machten auch noch Ochsenkarren bei Brunnhuber Station. „Es wurde unter anderem der Reifendruck am Karren kontrolliert“, erzählt Gabriele Brunnhuber. Dieses Bild stehe sinnbildlich dafür, wie viel sich in der 100-jährigen Geschichte des Betriebs verändert habe - und dass manche Themen wiederkehrend seien. „Eine Mobilitätswende, wie wir sie heute mit dem Umstieg auf den Elektroantrieb sehen, haben wir, wenn auch in anderer Form, damals schon mitgemacht“, sagt Rudolf Brunnhuber.
Anfang der 1970er Jahre habe man zudem die Ölkrise erlebt, heute stehe man vor der nächsten. Veränderungen und Herausforderungen seien Teil des Geschäfts. Ebenso wie erfolgreiche Zeiten wie damals zur Wiedervereinigung, als die Nachfrage nach Autos größer war als der Bestand. „Wir haben in unserer Geschichte schon vieles kommen und gehen sehen. Man lernt, damit umzugehen“, so Brunnhuber weiter.
Gabriele Brunnhuber: „Ich habe nie über eine Alternative nachgedacht“
Gabriele Brunnhuber fällt beim Blättern durch das Bilderarchiv noch etwas anderes auf: „Zu Zeiten meines Großvaters und meines Vaters waren Frauen in der Werkstatt oder gar in einer Führungsposition nicht vorstellbar“, sagt sie. Ausgerechnet der tödliche Autounfall ihres Vaters 1986 leitete die Wende ein. Sie und ihr Bruder seien schneller als Unterstützung im Betrieb gefragt gewesen als vorgesehen. „Man hat mir als Frau die Leitung allerdings nicht zugetraut. Aber ich habe es einfach gemacht“, schildert Brunnhuber. Um zu überzeugen, habe sie nach dem Abitur in Augsburg Betriebswirtschaftslehre studiert.
Ihr Bruder machte zunächst eine kaufmännische Ausbildung, es folgte eine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker und er schloss mit einem Studium zum Kfz-Betriebswirt ab. Erfahrene Mitarbeiter unterstützten damals die Mutter als Interimsgeschäftsführerin, das Unternehmen wurde in eine GmbH umgewandelt und Gabriele Brunnhuber übernahm nach ihrem Studium die Geschäftsführung. „Ich habe nie darüber nachgedacht, ob es für mich eine Alternative gibt. Es war immer klar, ich mache das“, sagt sie überzeugt. Heute seien Frauen im Betrieb zum Glück normal – selbst in der Werkstatt.
Dass damals die Mitarbeiter nach dem Tod des Vaters den Übergang in die dritte Generation unterstützt haben, sei ein Beleg dafür, wie wertvoll das Personal sei. „Der Mensch ist neben dem Produkt das Wichtigste. Das gilt für unsere Kunden und die Beschäftigten“, sagt Rudolf Brunnhuber. So freue es die Geschäftsführung auch, dass einige Mitarbeiter dem Betrieb über viele Jahre die Treue hielten – manche von der Ausbildung bis zur Rente. Die Ausbildung – derzeit hat Brunnhuber neun Azubis – liege dem Familienbetrieb am Herzen. „Schon unserem Großvater war das enorm wichtig. Er hat die Ausbildung in zahlreichen Bildern immer wieder dokumentiert“, sagt Rudolf Brunnhuber und tippt auf ein weiteres Bild. Dafür habe er extra einen Fotografen engagiert. Für damalige Zeiten etwas Besonderes.
Erfolgsrezept über 100 Jahre: Brunnhuber setzt auf Beständigkeit
Gabriele und Rudolf Brunnhuber könnten zu den Bildern noch viele Anekdoten erzählen, sie wollen den Alben aber auch neue Fotos mit ihrer Handschrift hinzufügen. Es müsse in das Gebäude investiert werden, das sei klar, sagen sie. Ansonsten wolle man die Firmengeschichte mit einem über 100 Jahre bewährten Konzept fortschreiben. „Wir sind nie auf kurzfristige Trends aufgesprungen, sondern beständig geblieben, sind nicht groß gewachsen und haben den eigenen Profit nie über das Ziel, ein guter und verlässlicher Partner für unsere Kunden und Mitarbeiter zu sein, gestellt“, sagt Gabriele Brunnhuber. Eine vierte Generation gebe es, sie probiere sich gerade bezüglich ihrer Perspektiven aus. Sie verspricht: „Der Brunnhuber bleibt der Brunnhuber.“
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