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„Da passiert was“: Zeuge im Mordfall Nina H. berichtet von einem seltsamen Mann

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„Da passiert was“: Zeuge im Mordfall Nina H. beobachtete einen mysteriösen Mann

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    Nach dem Mord am 19. Mai 2025 an Nina H. durchkämmten Polizeibeamte tagelang das Umfeld des Tatorts in Haunstetten und befragten Nachbarn des Opfers.
    Nach dem Mord am 19. Mai 2025 an Nina H. durchkämmten Polizeibeamte tagelang das Umfeld des Tatorts in Haunstetten und befragten Nachbarn des Opfers. Foto: Klaus Rainer Krieger

    Ihn beschlich ein schlechtes Gefühl, einer dunklen Vorahnung gleich. Als der Haunstetter Andreas A. (Name geändert) am 19. Mai mehrmals mit dem Auto durch die Martinistraße fuhr, fiel ihm jedes Mal ein junger Mann auf, der auf einer Bank saß. Die Kapuze des dunklen Pullovers hatte der Unbekannte tief ins Gesicht gezogen, ein Teil des bärtigen Gesichts war von einer Sonnenbrille bedeckt. „Ich rief meine Frau an und sagte ihr, da passiert was. Wenn irgendwas sein sollte, werde ich aussagen können.“ Der Mann sollte leider Recht behalten. Mit dieser Grausamkeit wird er allerdings nicht gerechnet haben.

    In der anschließenden Nacht wurde die dreifache Mutter Nina H. in ihrer kleinen Doppelhaushälfte in der Straße erschossen. Am dritten Verhandlungstag im Mordprozess am Landgericht Augsburg belasteten Zeugen mit ihren Beobachtungen Gino F., den Angeklagten.

    Kapuzenpulli, Hose, Käppi – der Vorsitzende Richter Michael Eberle packte Beweismittel aus der Asservatenkammer der Polizei aus. Auf dem Bildschirm im Schwurgerichtssaal wurde eine Sonnenbrille gezeigt. Es handelte sich um Bekleidungsstücke, die Gino F. am Tattag getragen haben soll. Dem Angeklagten also, der das Verbrechen bislang bestreitet.

    Ja, das könnten die Sachen gewesen sein, die der Mann damals trug, bestätigten Zeugen. Der ominöse Unbekannte, der ihnen am Tattag und in der Tatnacht aufgefallen war. Andreas A. fuhr am 19. Mai 2025 drei Mal durch die Straße, in der Nina H. lebte – und er selbst mit seiner Frau. Vormittags und am späten Nachmittag, immer saß dieser dunkel und für das warme Wetter dick gekleidete Mann auf der Bank, erinnerte er sich.

    Zeuge berichtet von der Mordnacht in Augsburg-Haunstetten: Jemand habe geduscht

    „Er war extrem auffällig“, so A. Ebenso die Art, wie dieser sein Handy gehalten habe. Als ob er etwas filmen wolle. Als er einmal verkehrsbedingt auf Höhe der Bank halten musste, soll der Unbekannte verärgert gewirkt und ihn weiter gewunken haben. Seine Aussagen passten zur Anklage. Laut Staatsanwaltschaft soll Gino F., Ziehsohn des ehemaligen Lebensgefährten des Opfers, Nina H. vor der Tat regelrecht ausgespäht haben. Dazu soll sich F., der eigentlich in Landsberg lebte, extra ein Zimmer in Haunstetten genommen haben. Ein weiterer Zeuge, der sich in jenem Haus zu der Zeit auch ein Zimmer gemietet hatte und direkt neben Gino F.s Zimmer wohnte, berichtete von der Mordnacht. Er habe nachts gehört, wie jemand die Treppe hochkam.

    Dann habe die Person in dem Gemeinschaftsbad auf dem Stockwerk geduscht, sei anschließend in Gino F.s Zimmer gegangen und kurze Zeit darauf wieder die Treppe hinuntergelaufen, so der Zeuge. Auch das deckt sich mit der Anklage. Denn Gino F. soll nach der Tat und der Entsorgung der Waffe im Lochbach zu seiner Unterkunft zurückgekehrt und anschließend nochmal nach draußen gegangen sein, um an einem Automaten Zigaretten zu holen. Dabei soll er auf einen jungen Mann getroffen sein, der in der Nacht auf einer Bank nahe der Feuerwehr saß und einen Joint rauchte. Der junge Zeuge bestätigte dem Gericht die unerwartete nächtliche Begegnung.

    Mordfall Nina H.: Die Frage nach der Zigarette und dem Sex

    Der Unbekannte habe ihn nach der Zigarette gefragt. „Ich hatte keine, da lud ich ihn ein, mitzurauchen.“ Der Mann habe sich zu ihm gesetzt, sie hätten sich oberflächlich unterhalten. Dabei soll dieser gesagt haben, gerade mit seiner Freundin Sex gehabt zu haben. Diese Aussage wurde zum Diskussionspunkt in der Verhandlung.

    Laut den Strafverteidigern Michael Weiss und Jörg Seubert soll ihr Mandant lediglich geäußert haben, der erste Zug fühle sich an wie die Kippe nach dem Sex. Letztlich konnte sich der Zeuge, der bei dieser Frage von den Prozessbeteiligten in die Mangel genommen wurde, nicht mehr richtig an den genauen Wortlaut erinnern. An den markanten Bart und an die schmale Gestalt des Mannes hingegen schon. Staatsanwalt Thomas Junggeburth richtete nach einer kurzen Pause einen scharfen Appell an Gino F.

    Prozess um Mord an Nina H. in Haunstetten: Augsburger Staatsanwalt spricht Tacheles

    „Bei ihrer Einlassung haben sie die Chance auf strafmildernde Umstände verpasst. Die Indizien passen wie eine zweite Haut auf Sie. Sie sind wie ein Anzug, der auf Sie zugeschnitten ist“, so der Staatsanwalt, der betonte, dass bei einer Verurteilung wegen Mordes bis zu 20 Jahre hinter Gittern verbringen könnte. „Und die besondere Schwere der Schuld steht auch im Raum, dann würde die Strafe deutlich länger ausfallen. Ich rate Ihnen, Ihre Taktik zu überdenken. Sie haben jetzt drei Wochen Zeit.“ Gino F.s Gesicht blieb, wie immer während der bisherigen Verhandlungen, regungslos. Der Prozess wird am 2. März fortgesetzt.

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