Startseite
Icon Pfeil nach unten
Augsburg
Icon Pfeil nach unten

Das älteste Café in Augsburg: Porträt über das Café Dichtl

Augsburg

Ein paar Tische stehen in großen Museen: Wie das älteste Café Augsburgs überlebt hat

  • |
  • |
  • |
  • |
    Die Inhaberin des Café Dichtl, Susanne Dichtl-Krachenfels.
    Die Inhaberin des Café Dichtl, Susanne Dichtl-Krachenfels. Foto: Anna Kondratenko

    Im Café Dichtl in der Maximilianstraße riecht es nach frisch gebrühtem Kaffee und süßem Gebäck. In der Kuchenvitrine liegen Käsekuchen und saisonale Obstkuchen, Schwarzwälder Kirschtorte sowie Pralinen, Macarons und Apfelstrudel. Und es duftet auch nach der historischen Atmosphäre: Es riecht nach poliertem Holz und Leder. Rote Stühle, runde Tische und Kronleuchter prägen den Innenraum. Die Tische und Sitzbänke stammen noch aus den 1950er-Jahren. Durch ein großes Fenster an der Decke fällt zusätzliches Tageslicht herein und macht den hinteren Teil des Raumes heller und offener. Auch berühmte Gäste waren hier schon zu Besuch und haben ihre Spuren in der Geschichte des Cafés hinterlassen. Dieses Café ist ein kleines Stück Augsburger Stadtgeschichte – es ist das älteste noch bestehende Café in der Stadt, nachdem das Café Eber am Rathausplatz geschlossen hat.

    Joseph Beuys malte auf den Tischen im ältesten Café Augsburgs

    Nach dem Zweiten Weltkrieg gründete die Familie Drexl ein Kaffeehaus. Als Alfred Greisinger das Café 1974 übernahm, brachte er seine große Leidenschaft für Kunst mit. Der ehemalige Drexl-Lehrling war nicht nur Konditor, sondern auch leidenschaftlicher Kunstsammler. Er verwandelte das Café nach und nach in ein echtes Künstlercafé. Greisinger sammelte über viele Jahre Werke bekannter Künstler. Zwischen 1974 und 1990 stellte er regelmäßig Kunst in seinem Café aus. Darunter waren Arbeiten von Joseph Beuys, Felix Droese, Jürgen Brodwolf und anderen bekannten Namen. Besonders außergewöhnlich waren zwölf originale Cafétische, die Künstler gestaltet haben. Heute sind diese Tische in bedeutenden Kunstsammlungen Europas zu finden.

    Das Konditorei-Café Drexl in der  Maximilianstraße in den 1950er-Jahren.
    Das Konditorei-Café Drexl in der Maximilianstraße in den 1950er-Jahren. Foto: Sammlung Familie Dichtl

    Sogar Joseph Beuys, einer der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts, bemalte und signierte einige Tische und Speisekarten im Café in den 1980er-Jahren. Diese Tische befinden sich heute nicht mehr im Café, sondern im Museum of Modern Art in New York.

    Vom Künstlercafé zum Café von heute: ein neues Kapitel für das Kaffeehaus Dichtl

    1999 übernahm Susanne Dichtl-Krachenfels das Café in der Maximilianstraße und führt es bis heute. Aus dem Namen Drexl wurde Dichtl. Heute nennen manche Augsburger und Augsburgerinnen das Café immer noch „Drexl“. Laut Susanne Dichtl-Krachenfels habe sich seit der Gründung einiges verändert: „Der Verkaufsbereich wurde komplett umgestaltet und modernisiert. Das Kaffeehaus-Ambiente ist bis heute nahezu gleich geblieben.“ Ein Unterschied sei jedoch der frühere erste Stock gewesen. Auf der linken Seite im Eingangsbereich habe eine große Treppe nach oben geführt, wo sich eine weitere, ähnlich große Fläche für Gäste befand.

    „Auch dort war das gleiche Kaffeehaus-Flair gewesen, allerdings mit einer etwas anderen Einrichtung“, erklärt Dichtl-Krachenfels. Heute ist im Café nur noch ein Stockwerk erhalten: das Erdgeschoss. Bis heute orientiert sich das Café Dichtl am Stil traditioneller Wiener Kaffeehäuser.

    Das Konditorei-Café Drexl in den 1950er-Jahren. Heute ist hier das Café Dichtl.
    Das Konditorei-Café Drexl in den 1950er-Jahren. Heute ist hier das Café Dichtl. Foto: Sammlung Familie Dichtl

    Auch die Speisekarte hat sich über die Jahre verändert. Im 20. Jahrhundert gehörten Königinpasteten mit Ragout fin zu den festen Größen festlicher Menüs und durften auf keiner gehobenen Tafel fehlen. Dabei handelt es sich um eine heiße Blätterteigpastete mit Ragout fin, einer cremigen Fleischfüllung mit Erbsen, serviert mit einem kleinen Deckel aus Blätterteig. Heute verlor sie in der zeitgenössischen Esskultur jedoch weitgehend an Bedeutung und galt als kulinarisches Relikt vergangener Jahrzehnte.

    Wandmosaik der 1950er-Jahre als Innenarchitektur-Element im Café Dichtl.
    Wandmosaik der 1950er-Jahre als Innenarchitektur-Element im Café Dichtl. Foto: Anna Kondratenko

    Seit Mitte des 20. Jahrhunderts ist das Café Dichtl für viele Augsburger und Augsburgerinnen ein Treffpunkt. „Im Kaffeehaus treffen sich eigentlich alle Generationen“, erzählt die heutige Betreiberin. Unter der Woche seien es eher ältere Gäste, während am Wochenende deutlich mehr junge Menschen kämen. „Aber grundsätzlich kommt eigentlich jeder – Schüler, Studenten, Rentner, Geschäftsleute oder Freundinnen, die sich treffen.“ Die Besitzerin erzählt außerdem, dass im Café bis zur Corona-Pandemie jedes Jahr zwei bis drei Künstlerinnen und Künstler ausgestellt haben. Diese Tradition wolle sie wieder aufleben lassen.

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein

    Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.

    Anmelden

    Sie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren