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„Du fehlst mehr als mein Herz verträgt“: Gedenken an tödlich verunglückten Radfahrer in Augsburg

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„Du fehlst mehr als mein Herz verträgt“: Menschen gedenken tödlich verunglücktem Radfahrer

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    Ein weißes Fahrrad – ein sogenanntes Ghost Bike – erinnert an der MAN-Kreuzung an Dominikus S. Er starb vor einem Jahr bei einem Unfall auf der Kreuzung.
    Ein weißes Fahrrad – ein sogenanntes Ghost Bike – erinnert an der MAN-Kreuzung an Dominikus S. Er starb vor einem Jahr bei einem Unfall auf der Kreuzung. Foto: Michael Hochgemuth

    Um 18 Uhr, die Regenschauer haben sich gerade verzogen, sperren Polizisten einen Teil der Georg-Haindl-Straße, der an die MAN-Kreuzung in Augsburg grenzt. Über 100 größtenteils weiß gekleidete Menschen haben sich am Donnerstagabend mit ihren Fahrrädern hier versammelt. Genau ein Jahr nach dem tödlichen Unfall von Dominikus S. wollen Familie und Freunde an ihn erinnern. Der 28-Jährige wollte mit seinem Fahrrad die Kreuzung überqueren, als er von einem Auto erfasst wurde und einen Tag später im Krankenhaus starb. Es wird ein emotionales Gedenken an einen jungen Mann – verbunden mit dem Appell, dass mehr für die Sicherheit von Radfahrern getan werden müsse.

    „Wir stehen hier, wo du vor genau einem Jahr deine letzte bewusste Sekunde gelebt hast“, richtet sein bester Freund Andreas Basan seine Worte an den Verstorbenen. „Mini“, wie er von vielen Freunden genannt wurde, habe eine große Lücke hinterlassen. Vor zehn Jahren habe er „Mini“ kennengelernt, erzählt Basan. Die beiden waren über viele Jahre hinweg Teil der Modular-Festival-Crew und der Denkwerkstatt. Sie lebten sich als gelernte Zimmerleute kreativ in der Platzgestaltung aus. Sie stellten, als das Jugendfestival noch im Wittelsbacher Park beheimatet war, dort unter anderem Sitzmöglichkeiten her, den Da-Vinci-Bogen oder einen Wal, der zunächst im Weiher zur Schau gestellt wurde und später auf das Oberhauser Gaswerkareal mit umzog. Dominikus S., der in Augsburg sein Studium zum Bauingenieur absolvierte, half auch bei anderen Festivals mit. Das sei für ihn eine große Spielwiese, sagte er einmal in einem Gespräch mit unserer Zeitung. Die „Crewlove“, das Zusammengehörigkeitsgefühl unter all den ehrenamtlichen Helfern des Festivals, war ihm wichtig.

    Am Da Vinci-Bogen, der vor Jahren das Gelände des Jugendfestivals Modular im Wittelsbacher Park zierte, war Dominikus S. beteiligt.
    Am Da Vinci-Bogen, der vor Jahren das Gelände des Jugendfestivals Modular im Wittelsbacher Park zierte, war Dominikus S. beteiligt. Foto: Michael Hochgemuth

    Am Donnerstagabend beteiligen sich an der Gedenk-Aktion auch zahlreiche Freunde aus dem Modular-Team, die T-Shirts des Festivals tragen. Die Räder eines sogenannten Ghost Bikes, eines weißen Fahrrads, das an den verstorbenen Radler erinnern soll, werden in Schalen betoniert. Familienmitglieder und Freunde befestigen Blumen daran, zünden Kerzen an. „Du fehlst mir mehr, als Sprache ausdrücken kann und mein Herz verträgt“, steht auf einem Erinnerungsfoto. Bereits seit Monaten erinnern laminierte Fotos, die an der gegenüberliegenden Seite der Kreuzung an einen Zaun gehängt wurden, an Dominikus S. Seine Freunde malen ihm während der 45-minütigen Aktion Blumen mit Kreide auf den Asphalt.

    Nach tödlichem Unfall in Augsburg: Mehr Sicherheit für Radfahrer gefordert

    500 Fahrradfahrer seien im vergangenen Jahr in Augsburg verletzt worden, zwei von ihnen – darunter Dominikus S. – starben, berichtet Anja Mayer vom Fahrradclub ADFC in ihrer Ansprache. Es gehe nicht nur um die persönliche Erinnerung an den Verstorbenen, sagt sie. Man fordere auch politische und gesellschaftliche Konsequenzen. Damit Fahrradfahren sicherer werde, sei eine bessere Fahrradinfrastruktur notwendig. „Das heißt: geschützte Radwege, sichere Kreuzungen und vorteilhafte Ampelschaltungen für Radfahrende“, sagt sie. Aktivist Stefan berichtet von der Vision Zero im Straßenverkehr: Es geht um das Ziel, dass es keine Getöteten und Schwerverletzten mehr im Straßenverkehr gibt.

    Freunde von Dominikus S. malen während der Gedenkfeier Blumen auf die Georg-Haindl-Straße.
    Freunde von Dominikus S. malen während der Gedenkfeier Blumen auf die Georg-Haindl-Straße. Foto: Michael Hochgemuth

    Mit einer Gedenkfahrt, einem „Ride of Silence“, fahren schließlich die Teilnehmer der Veranstaltung, begleitet von der Polizei, zum Wittelsbacher Park. Für Andreas Basan ist das ein emotionaler Ort, viele Erinnerungen verbindet er dort mit seinem besten Freund. Sie hätten privat viel gemeinsam unternommen, er vermisse ihn sehr. Mit der Familie, die aus Oberammergau nach Augsburg gekommen war, stehe er nach wie vor im Kontakt. Am Freitag, am Todestag von Dominikus S., werde er gemeinsam mit ihnen an seinem Grab an ihn denken.

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