„Durchatmen“ statt Blumen: Was Mütter in Augsburg sich wirklich zum Muttertag wünschen
Augsburg
„Durchatmen“ statt Blumen: Was Mütter sich wirklich zum Muttertag wünschen
Blumen, Frühstück ans Bett – und danach wieder Alltag? Zum Muttertag haben wir fünf Mütter aus Augsburg gefragt, was sie sich statt eines typischen Geschenks wünschen.
Was wollen Mütter wirklich? Das haben uns unter anderem Gabriela Baumgarten, Zahide Cakir und Pona Hamiti (rechts unten) beantwortet.Foto: Daniela de Haen, Zahide Cakir, Pona Hamiti
Pona Hamiti (34), Mutter von sechs Kindern (zwischen 1 und 15 Jahre alt)
Leben in einer Großfamilie: Pona Hamiti mit ihrem Mann Isak und ihren Kindern. Ihr zweiter Sohn Noak, sagt sie, gehöre dazu. Er starb 2022 mit nur wenigen Wochen.Foto: Marcus Merk
„Mein größter Wunsch zum Muttertag ist kein großes Geschenk, sondern ganz simpel: Zeit mit meiner Familie. Bei fünf Kindern in so unterschiedlichen Altersphasen ist es im Alltag gar nicht so leicht, alle zusammen an einen Tisch zu bekommen oder für etwas zu begeistern. Umso wertvoller sind diese gemeinsamen Momente für mich. Ein ruhiger Vormittag, ein gemütliches Frühstück vielleicht im Garten, ein kleiner Spaziergang – oder einfach nur zusammen sein. Diese Zeit ganz bewusst miteinander, mit allen, zu verbringen, bedeutet mir mehr als alles andere. Gerade an solchen Tagen wird mir bewusst, dass ich eigentlich Mama von sechs Kindern bin. Dass eines davon nicht bei uns ist – mein herzkranker Sohn Noak starb vor vier Jahren mit nur wenigen Wochen – macht mich am Muttertag sehr emotional. Und gleichzeitig spüre ich diese tiefe Verbundenheit ganz intensiv. Dieses Gefühl von Liebe, Zusammenhalt und Familie, das über alles hinausgeht, macht den Muttertag für mich so besonders.“
Zahide Cakir (34), Mutter von drei Kindern (3, 11 und 14 Jahre alt)
Der Sohn von Zahide Cakir lebt seit fast zwei Jahren in einem Heim für autistische Kinder. Zum Muttertag wünscht sie sich deshalb vor allem, dass er dort glücklich ist.Foto: Zahide Cakir
Zum Muttertag wünsche ich mir keine Blumen, keine Geschenke. Einfach nur, dass es jedem meiner Kinder gut geht. Vor allem natürlich Kerim, der seit zwei Jahren in einem speziellen Heim für Kinder mit Autismus im Bodenseekreis wohnt. Auch wenn uns dadurch, dass er nicht mehr bei uns ist, immer ein Puzzlestück fehlen wird, merke ich, wie gut ihm die Routinen dort tun. Ich wünsche mir, dass er ein glückliches Leben führen kann, auf seine Weise. Aber wenn es einen Zauber gäbe, dann würde ich mir nichts mehr wünschen, als einmal in seinen Kopf schauen zu können. Zu erfahren, wie er die Welt sieht, was ihn stört, was er eigentlich fühlt. Und für mich ganz persönlich: dass er vielleicht einmal Mama sagt. Ich habe Kerim neun Jahre lang rund um die Uhr gepflegt. Wir hatten Glück und einen guten Platz für ihn gefunden, aber viele andere Familien brauchen dringend mehr Unterstützung. Deswegen wünsche ich mir auch, dass es mit dem Bau der Kurzzeitpflege Dachsbau endlich zügig losgehen kann. Und dass die Blicke aufhören. Wir sind mit Kerim oft nur abends rausgegangen, weil ihn wegen seines Helms und der Fixierung alle angestarrt haben. Heute genieße ich es, einfach mal duschen gehen oder mir meinen Rucksack nehmen und loslaufen zu können. Und vor allem können wir jetzt die Zeit mit Kerim bewusst genießen. Wenn wir ihn besuchen, zusammen auf der Picknickdecke sitzen und mit ihm seine heiß geliebte Schokolade essen – genau das wünsche ich mir für den Muttertag.“
Marianne Mors (71), eine Tochter (44) und vier Enkelkinder
Marianne Mors ist nicht nur Mutter, sondern auch Großmutter. Sie engagiert sich mit der Gruppe „Omas for Future“ in Augsburg für eine enkeltaugliche Zukunft.Foto: Marianne Mors
„Was ich mir wünsche: Ich wünsche mir für die Familie meiner Tochter samt Enkelkindern, dass es ihnen immer wieder gelingt, mit Selbstvertrauen und Zuversicht ihr Leben zu meistern. Schön, dass sie mich daran teilhaben lassen, auch herausfordern – allermeist in gegenseitigem Verständnis. Mit der Zuversicht war es in meiner Jugend leichter – heute erfordert es wirklich mehr inneren Zuspruch für einen positiven Blick auf die Welt. Was mich neben der Familie trägt, sind ähnlich Gesinnte, denen ein ressourcenschonender Umgang mit der Natur und die Entwicklung unserer Gesellschaft in Demokratie und Frieden am Herzen liegen. Darum engagieren wir uns bei Omas for Future – um kleine Dinge in Bewegung zu bringen.“
Gabriela Baumgarten (34), Mutter von zwei Kindern (6 Jahre und 3 Monate)
Gabriela Baumgarten, 34, ist vor drei Monaten zum zweiten Mal Mutter geworden. Ihr kleiner Sohn verschlief das kurze Interview.Foto: Daniela de Haen
„Wenn man Mutter wird, ist der Alltag, wie man ihn kannte, erst mal auf Eis gelegt. Ich würde mir wünschen, dass man als frisch gebackene Eltern nicht so viele Abstriche machen muss – einfach, weil kleine Kinder oft nicht mitgedacht werden.
Es wäre schön, wenn ein Baby viel selbstverständlicher überall dabei sein könnte. Ich habe neulich im Fitnessstudio gefragt, ob ich mein schlafendes Baby kurz an einem sicheren Ort neben mir ablegen darf, während ich trainiere. Das ging nicht. Klar, sowas funktioniert nur, wenn es niemanden stört – aber oft ist es einfach unnötig kompliziert für junge Eltern. Am Ende musste ich warten, bis mein Mann abends zu Hause war, und es war unentspannt für uns alle. Man würde sich viel freier fühlen, wenn es mehr Möglichkeiten gäbe. Und was ich mir auch mal wieder wünschen würde? Ein Glas Wein ohne schlechtes Gewissen. Ohne die Fragen im Kopf: Will der Kleine gleich wieder gestillt werden? Nimmt er die Flasche? Aber die Zeit kommt zum Glück wieder.“
Sara Thurner (35), zwei Kinder (2 und 4 Jahre alt)
„Durchatmen“ wünscht sich Sara Thurner unter anderem zum Muttertag. Sie hat einen vier Jahre alten Sohn und eine zweijährige Tochter.Foto: Natalie Stanczak, Sandsack Fotografie
„Was ich mir zum Muttertag wünsche? Ich brauche keine Blumen. Nichts, was ich mir noch dazu ins Regal stellen oder um den Hals hängen kann. Nichts mit Preisschild dran. Ich will nicht mehr von einem zum anderen springen. Nicht jeden Moment mit Beschäftigt-Sein füllen. Ich will wissen, wie es mir wirklich geht und was ich wirklich brauche. Durchatmen. Nicht zwischen dem Überall sein, sondern da. Meine Kinder wirklich sehen – nicht nur halb, nicht nebenbei, ganz. Lachen, bis der Bauch wehtut. Augenblicke einfangen, statt nur die Storys von anderen anzusehen. Ich will die ganze Ladung Leben. Aufhören mit dem Warten, bis ihn mir jemand gibt, sondern mir Raum nehmen – da, wo gefühlt keiner ist. Alles, was ich brauche, ist da. Und ich glaube, wir dürfen es uns einfach nur erlauben.“
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