Seit Kurzem ziert eine große Gedenktafel die Geschäftsstelle des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) in der Schaezlerstraße in Augsburg. Eine junge Frau ist darauf abgebildet: Anna Simon. Sie gründete 1912 im Alter von nur 26 Jahren den Ortsverband des Sozialdienstes. Wer war die Frau, die sich vor über 100 Jahren mit großem Engagement für andere Frauen einsetzte?
Agnes Neuhaus war Anna Simon (1879–1967) ein Vorbild. Neuhaus lebte in Dortmund und engagierte sich dort sehr in der Armenfürsorge. 1899 gründete sie den ersten Verein vom „Guten Hirten“, der sich darum kümmerte, Mädchen und junge Frauen aus der Prostitution zu befreien. In den Folgejahren wurden weitere Ableger des Vereins gegründet, die Neuhaus zu einem Gesamtverband zusammenschloss. Weitere Einrichtungen wurden gegründet, die sich auch um ledige Mütter und Schwangere kümmerten. Zum Jahreswechsel 1901/1902 wurde der Verein in den „Katholischen Fürsorgeverein für Mädchen, Frauen und Kinder“ umbenannt, 1968 schließlich in Sozialdienst katholischer Frauen.
1912 wurde der heutige SkF in Augsburg von Anna Simon gegründet
1912 gründete Anna Simon eine Ortsgruppe des Vereins für die Stadt und Diözese Augsburg. Ihr Mann, ein Jurist und Amtsgerichtsrat, und ihr Bruder Maximilian Lingg, der 1902 Diözesanbischof geworden war, unterstützten sie finanziell und ideell. Denn auch in Augsburg war die Not von Frauen groß. Die Industriestadt war ein Anziehungspunkt für Mädchen und Frauen vom Land. Teilweise entwurzelt gerieten sie in Not, verloren durch Schwangerschaft und Krankheit ihren Arbeitsplatz und sahen sich plötzlich starker Diskriminierung ausgesetzt. Viel wurde bereits in den Anfangsjahren bewegt: 1914 kauften etwa die sieben Gründungsmitglieder mit ihrem Privatvermögen ein Anwesen im Äußeren Pfaffengäßchen. Ehrenamtliche Mitarbeiterinnen kümmerten sich dort um Schwangere, unverheiratete Mütter, in Not geratene Frauen und Kinder und betreuten auch Insassinnen im Frauengefängnis in Aichach.
Verschiedene Einrichtungen in Augsburg gehen auf das Engagement von Anna Simon zurück
Heute ist in dem Gebäude die Einrichtung Mosaik beheimatet – eine heilpädagogisch-therapeutische Mädchenwohngruppe des SkF. Nur wenige Meter weiter befindet sich eine weitere Einrichtung des SkF, die auf das Engagement von Anna Simon zurückgeht. Denn 1927 wurde der Grundstein für das St.-Afra-Heim im Kleinen Karmelitengäßchen gelegt. Es wurde als Wöchnerinnenheim und später als Mädchenwohnheim genutzt – seit 1988 ist es ein Seniorenheim. Mit 77 Jahren zog sich Anna Simon aus der Ortsgruppenleitung zurück. Den von ihr gegründeten Verein benannte sie zu ihrem Alleinerben.
„Anna Simon war eine Frau mit Haltung und Herz. Ihr Engagement für soziale Gerechtigkeit und ihre tiefe Menschlichkeit hat viele Leben berührt“, sagte SkF-Geschäftsführerin Martina Kobriger anlässlich der Enthüllung der Gedenktafel.
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