Wohin führt der Weg der evangelischen Kirche in der Region Augsburg? Das Gebiet umfasst 35 Kirchengemeinden mit 74.000 Mitgliedern. Noch. Die demografische Entwicklung bereitet der Kirche massive Probleme. Sie selbst hat zudem Nachwuchsprobleme. 40 Prozent weniger Pfarrer, Diakone und Religionspädagogen könnten es im Jahr 2035 sein. Dekan Frank Kreiselmeier ist der Mann, der den Reformprozess mit angestoßen hat. Der 64-Jährige sagt, welche Einschnitte drohen. Er erwähnt aber auch, wo Chancen liegen.
Am Samstag fand im Augustana-Saal im Annahof eine Dekanatssynode statt. Etwas mehr als 100 Personen, die sich in der evangelischen Kirche engagieren, kamen zusammen. „Wir haben die Türen für den Prozess aufgemacht“, sagt Kreiselmeier. Als Dekan betreut er den Dekanatsbezirk, der Stadt und Landkreis Augsburg sowie die Landkreise Aichach-Friedberg und Wertingen vereint.
Die Zahl der Gemeindemitglieder geht dramatisch zurück
Der leitende Pfarrer, der in der Kirche St. Anna Gottesdienste hält, ist ein optimistischer Mensch. In zweieinhalb Jahren geht er in Ruhestand. Der Reformprozess wird deutlich länger dauern. Kreiselmeier geht davon aus, dass in den nächsten zwei Jahren Antworten gegeben werden, wie sich das Dekanat künftig aufstellt. Manche Dinge sind von außen längst vorgegeben. Es werden immer weniger Mitglieder in den Gemeinden, die Zahl der Pfarrer geht zurück, Gebäude veralten, drohen teils zu verfallen. Der Landeskirche fehlt Geld, um in großem Stil zu investieren.
„Es ist keine einfache Aufgabe“, sagt Kreiselmeier gegenüber unserer Redaktion. Der Prozess biete jedoch die Chance zur Gestaltung. Dass es teils Widerstände in Pfarrgemeinden gebe, liege auf der Hand: „Als ich vor 20 Jahren mit meiner Tätigkeit als Pfarrer in Augsburg begonnen hatte, gab es knapp 96.000 Mitglieder im Dekanat.“ Jetzt stehe man bei 74.000 Mitgliedern. Eine Trendwende werde es nicht geben.
Eine Antwort sind Regionalgemeinden für ein größeres Gebiet
Was tun? Es werde darauf hinauslaufen, dass Pfarrgemeinden in bekannter Form nicht zu halten seien. Gedacht wird vielmehr an Regionalgemeinden. Pfarrgemeinden bilden Teams, die Tätigkeit eines Pfarrers konzentriert sich nicht mehr auf seine Gemeinde, sondern mehrere Pfarrer sind für ein größeres Gebiet zuständig. Kreiselmeier verweist auf einen Aspekt, der den Gemeindemitgliedern dabei zugute kommen soll: „Wir möchten die Seelsorge vor Ort verstärken.“ Pfarrer sollen sich um ihre Mitglieder kümmern. Verwaltungsarbeit, die viel Zeit koste, werde an externe Verwaltungskräfte vergeben. Derzeit übernehmen Pfarrer bürokratische Angelegenheiten. Wie Gemeinden zusammengelegt werden können, darüber wird nun diskutiert.
Ein weiteres Thema, das die evangelische Kirche aus finanziellen Gründen umtreibt, ist der Unterhalt von Kirchen, Pfarrhäusern und Gemeindezentren. 50 Prozent der jetzigen Gebäude könnten womöglich aufgegeben werden, heißt es. In Stätzling wurde zum Jahreswechsel eine Kirche entweiht, wie es offiziell heißt. Ähnliches steht im Sommer für die Paul Gerhardt-Kirche im Augsburger Stadtteil Hochfeld an. Es gebe einen Zusammenschluss mit einer anderen Gemeinde, so Kreiselmeier.
Bei der Konzeption für ihre Gemeindezentren geht die evangelische Kirche im Dekanat bereits neue Wege. Gesucht werden Partner, die Gebäude übernehmen und womöglich teils selbst nutzen. Die Kirche könnte in diesem Fall als Mieter einsteigen. In der Firnhaberau habe dieses Konzept erfolgreich funktioniert, sagt der Dekan. Er weiß, dass die örtlichen Voraussetzungen stimmen müssen. Eines betont Kreiselmeier: „Die Kirche wird Gebäude nicht verfallen lassen. Wir haben einen gesellschaftlichen Auftrag.“
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