Fotograf Fred Schöllhorn dokumentierte das Augsburg der 70er und 80er in Fotos
Augsburg
Als der Hotelturm pro Woche um eine Etage wuchs: Dieser Fotograf dokumentierte Augsburgs Wandel
Am Könisplatz verschwand der „Pilz“, die Polizei regelte den Verkehr am Kö. Pressefotograf Fred Schöllhorn war dabei. Was seine Bilder über die 70er und 80er erzählen.
Ausstellung im Stadtarchiv / Fred Schöllhorn Augsburgs Wandel in FotodokumentenFoto: Marcus Merk
Der Abbruchbagger hat bereits seine Position eingenommen, in wenigen Minuten wird er beginnen, das kleine, alte Wartehäuschen am Augsburger Königsplatz zu zerstören. Es ist April 1977, als der legendäre „Pilz“ abgerissen und für immer Geschichte sein wird. Bildredakteur Fred Schöllhorn, langjähriger Fotograf der Augsburger Allgemeinen, hat den Moment für immer verewigt. In seinen Fotos hat er die Zeit festgehalten und gerade in den 70er und frühen 80er Jahren war sie in Augsburg durch einen markanten baulichen Wandel geprägt. Für eine Ausstellung im Stadtarchiv hat Schöllhorn einige dieser Foto-Dokumente zusammengestellt. Sie erzählen Geschichte(n), die im Gedächtnis vieler Augsburger für immer verankert ist.
Das Wartehäuschen am Königsplatz kurz vor seinem Abriss: 1977 verschwand der legendäre „Pilz“ für immer aus dem Augsburger Stadtbild.Foto: Fred Schöllhorn (Archiv)
Ältere Augsburger werden es wissen: Gerade der Königsplatz hat immer wieder sein Gesicht verändert. Fred Schöllhorn hat nicht nur den Abriss des Wartehäuschens dokumentiert, sondern auch die Verkehrssituation festgehalten, die dort damals herrschte: Auf einem Foto ist ein Verkehrspolizist zu sehen, der im weißen Mantel mitten auf der Straße steht und den Verkehr regelt. Autos fahren in verschiedenen Richtungen an ihm vorbei. „Er war in ganz Augsburg bekannt. An Weihnachten fuhren die Menschen vorbei und streckten eine Flasche Wein oder etwas anderes aus dem Fenster“, berichtet der 77-Jährige. Die Geschenke sammelte der Polizist am Fahrbahnrand.
Die Polizei regelte früher den Verkehr am Königsplatz. An Weihnachten spielten sich dort oft skurrile Momente ab.Foto: Fred Schöllhorn (Archiv)
„Live bei Ereignissen dabei zu sein“ hat Pressefotograf Fred Schöllhorn immer fasziniert
In die Zeit des Umbruchs und Aufbruchs in Augsburg fällt auch der Bau des Hotelturms (1971–1972). Eine Luftaufnahme zeigt den imposanten Turm und die Kongresshalle. Fred Schöllhorn hat das Foto damals von einem Zeppelin aus aufgenommen, erzählt er. Der Bau des Turms habe ihn fasziniert. „Das Tempo war rasant – eine Etage pro Woche.“ Die Produktion von Betonteilen fand im Wittelsbacher Park statt. Der Kongress am Park wurde ebenfalls 1972 fertiggestellt und eröffnet. Schöllhorn war wie so oft dabei. „Zwei Dinge haben mich immer an meinem Beruf gereizt: Die Nähe zu den Menschen und bei Ereignissen live mit dabei zu sein“, sagt er. Über 46 Jahre arbeitete er bei der Augsburger Allgemeinen. In den Ruhestand ging er aber nicht, betont er, denn auch heute fotografiert der passionierte Rennradfahrer, Tierschützer und Unterstützer des Freundeskreises des Augsburger Zoos bei vielen Gelegenheiten und Ereignissen – etwa bei den Qualifikationsrennen des Deutschen Kanu-Verbands für die Weltmeisterschaft an der Kanustrecke.
Den neu gebauten Hotelturm und die Kongresshalle fotografierte Fred Schöllhorn von einem Zeppelin aus.Foto: Fred Schöllhorn (Archiv)
„Das ist mein Lieblingsthema seit fast 60 Jahren“, sagt er. Natürlich dürfen bei der Ausstellung Bilder vom Bau der Strecke und auch den olympischen Wettkämpfen nicht fehlen. Die Kanuslalom-Wettbewerbe fanden am 28. und 30. August 1972 statt. Auf einem Foto sieht man vor lauter Menschen den Eiskanal kaum. „An jedem Tag waren 30.000 Zuschauer da“, sagt Fred Schöllhorn. Den Kontakt zwischen dem Bildredakteur und dem Stadtarchiv gibt es schon länger. Schöllhorn hatte dem Archiv bereits ein anderes Mal Bilder zur Verfügung gestellt. Dann kam die Nachfrage zum Thema „Augsburgs Wandel in Fotodokumenten“. Sein persönliches Archiv ist riesig: Von 1969 bis ins Jahr 2000 fotografierte er analog, später digital. Aus der Zeit der analogen Fotografie sammelte er 170 Ordner, die mit Negativen bestückt sind.
Am 28. und 30. August 1972 fanden die Kanuslalom-Wettbewerbe der Olympischen Spiele in Augsburg statt. Fred Schöllhorn war als Fotograf dabei.Foto: Fred Schöllhorn (Archiv)
Ein halbes Jahr durchforstete er seine Sammlung und stellte eine Auswahl aus den 70er und frühen 80er Jahren zusammen. Die Ausstellung sei in verschiedene Themenblöcke gegliedert. Unter anderem werden auch Fotos von der Entstehung des Kuhsees oder der Umsiedelung von Bewohnern des Siebenbrunner Unterdorfs, die aus Gründen des Trinkwasserschutzes weichen mussten, gezeigt. Für Fred Schöllhorn waren das spannende Jahre in Augsburg. „Damals ist so viel passiert. Heute verlaufen viele bauliche Projekte eher schleppend“, sagt er.
Info: Die Ausstellung „Augsburgs Wandel in Fotodokumenten“ ist von Mittwoch, 13. Mai, bis Freitag, 5. Juni, im Stadtarchiv Augsburg, Zur Kammgarnspinnerei 11, zu sehen. Gezeigt werden die Bilder montags bis donnerstags von 8 bis 17 Uhr, freitags von 8 bis 15 Uhr. Am Wochenende und an Feiertagen von 10 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei.
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