Schilderungen von Zeugen, Bilder vom nächtlichen Königsplatz und Stellungnahmen der Verantwortlichen: Anhand dieser Eindrücke konnte sich die Öffentlichkeit bisher ein Bild von der umstrittenen Drogenrazzia vor vier Monaten im Augsburger City Club machen. Nun hat Pro Sieben die Aufnahmen des Filmteams veröffentlicht, das die Aktion begleitet hat. Diese enthalten nicht nur aufsehenerregende Bilder, sondern auch bemerkenswerte Aussagen von Verantwortlichen der Polizei.
Seit Dienstag sind die Folgen vier und fünf der Dokumentationsreihe „Real Rookies USK“ online auf der Plattform Joyn verfügbar. In der Serie werden Polizisten in ihrer Ausbildung für das Unterstützungskommando – kurz USK – in Dachau begleitet. Dieser Nachwuchszug war auch an der Durchsuchung am 31. Januar im City Club beteiligt, bei der ein Großaufgebot mit über 200 Einsatzkräften Räumlichkeiten und Gäste des City Clubs intensiv durchsucht hatte. Auf den massiven Einsatz folgte ein Aufschrei, mehrere Klagen und harsche Kritik an der Verhältnismäßigkeit des Einsatzes.
„Galileo“ zeigt Videos von Razzia: Polizei rückt am Königsplatz in den City Club vor
Die nun veröffentlichten Aufnahmen (externer Link zur Galileo-Folge) zeigen unter anderem, wie Polizeieinheiten durch das Bleigäßchen im Laufschritt auf den Königsplatz vorrücken und sich dort ihren Weg durch die Nachtschwärmer in den City Club bahnen. Schon den vor dem Lokal sitzenden Gästen befehlen sie lautstark, die Hände nach oben zu nehmen und drohen, sie zu fesseln. Anschließend zeigt der Film Sequenzen aus dem Erdgeschoss des City Clubs, dem City Café: Der Raum ist zu diesem Zeitpunkt bereits hell erleuchtet und die Musik abgedreht, ein Beamter erteilt den mit erhobenen Händen festgesetzten Gästen „Verhaltenshinweise“ und kündigt ihnen an, dass sie im Außenbereich eine „Abarbeitungsstraße“ durchlaufen müssen.
Mit dieser „Abarbeitungsstraße“ sind die für den Einsatz in der Katharinengasse aufgebauten Zelte gemeint, in denen die Gäste auf Drogen untersucht wurden. Unter anderem das Vorgehen in diesen Zelten haben viele Betroffene scharf kritisiert. Dabei mussten sich nach übereinstimmenden Berichten zahlreiche Personen komplett entkleiden und wurden an intimen Stellen durchsucht. Zudem standen manche Gäste in der Kälte vor den Zelten, bevor sie durchsucht wurden. Die Zelte selbst wurden beheizt und waren mit Bodenmatten ausgelegt, wie der Film zeigt. Auch eine durchsuchte Person kommt anonymisiert in dem Film zu Wort. Sie habe ebenfalls ihre Unterhose herunterziehen müssen, sagt sie. Und: „Die haben uns wie Schwerverbrecher behandelt.“
Bei den „maskierten, schwer bewaffneten Männern“, die „schreiend“ das City Café betraten, habe sie an die für ihr teils unrechtmäßig und brutales Vorgehen bekannte Einwanderungsbehörde ICE in den USA gedacht. „Die sind jetzt hier und erschießen uns alle“, habe sie gedacht. Gefilmt wurde während der Razzia überwiegend im Erdgeschoss oder im Außenbereich des Gebäudes. Die Durchsuchung erfolgte allerdings in vielen weiteren Räumen. Es habe einen Durchsuchungsbeschluss „für die Räumlichkeiten des kompletten Gebäudes gegeben“, sagt Kommandoführer Andreas Diehm im Film. Rechtansanwältin Martina Sulzberger widerspricht dieser Aussage.
City Club wehrt sich gegen die Razzia vor Gericht
Sie vertritt unter anderem den City Club, der juristisch gegen die Razzia vorgeht. Der Beschluss habe lediglich für die Räume des City Clubs gegolten, sagt Sulzberger. Über diesem befinden sich noch drei weitere Stockwerke. Strittig ist zudem eine weitere Aussage Diehms: „Bei der Razzia gab es Ermittlungsergebnisse, dass in diesem Club mit Drogen gehandelt wird“, sagt er an einer Stelle. Urteile in den über 60 eingeleiteten Ermittlungsverfahren stehen allerdings noch aus.
Zu sehen ist in dem Film auch ein Einsatz von „unmittelbarem Zwang“, wie die Beamten es nennen, wenn sie Gewalt ausüben müssen. Dabei packen zwei Polizisten einen Mann am Arm und drücken ihn nach unten, nachdem dieser mutmaßlich den Aufforderungen der Beamten nicht Folge leistet. Ein mit dem Rücken zum Geschehen stehender Beamte aus dem Nachwuchszug des USK erklärt dabei anderen Gästen, sie sollen sich ruhig verhalten: „Macht das, was ich sag‘, dann passiert auch nichts.“
Die Kritik am Einsatz habe in den beteiligten Beamten „etwas ausgelöst“, sagt ein Zugführer der Polizei zudem im Film. Sie seien sich „unsicher“ gewesen, ob sie Fehler gemacht hätten – könnten die Kritik allerdings nicht verstehen, da sich die Situation vor Ort für sie „anders“ dargestellt habe. Worin diese Diskrepanzen genau bestanden, wird im Film nicht aufgelöst. Im linearen Fernsehen werden die Folgen an den kommenden Montagabenden ausgestrahlt.
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