Seit dem 17. Jahrhundert steht der Salon für eine besondere Idee: dass Kunst nicht im Museum beginnt, sondern im Gespräch. In der Firnhaberau lebt diese Idee auf ihre eigene, ganz unakademische Weise weiter. Susanne Dörfler und Waldemar Stimke laden einmal im Jahr ein – in ihren Garten, in ihr Atelier, zu einem Nachmittag, der so heißt, wie der Ort, an dem er stattfindet: Grüner Salon.
Schirin, die Tochter des Hause, hat auf einem Gartentisch eine urzeitliche Landschaft aus Sand, Lehm und Holz aufgebaut. In der Mitte erhebt sich ein Vulkan aus Lehm. „Die Drachen feiern ein Fest, und reisen von überall her an, um zusammen zu feiern“, sagt die junge Künstlerin und Ethnologin. Die Drachen werden im Laufe des Nachmittags immer mehr, Gäste und Kinder formen kleine Figuren aus Lehm und setzen sie in die Kunstlandschaft. Wenn sich genug Zuschauer finden, stopft Schirin ein paar brennende Servietten in den Vulkanschlund und lässt ihn Feuer speien.
Grüne Salon in Augsburg: Kunst, die entsteht und wieder vergehen darf
„Mich fasziniert vor allem vergängliche Kunst, Dinge die entstehen und dann auch wieder vergehen dürfen“, sagt Kunsttherapeutin Susanne Dörfler. Weshalb es beim Grünen Salon jedes Jahr etwas aus Lehm zu formen gibt. Jeder kann hier mitmachen, ob mit künstlerischem Sachverstand oder einfach nur aus purer Freude. An anderen Stationen können die Gäste Aquarell malen, es gibt einen Bereich, in dem die Familiengeschichte der Hausherrin auf sehr ungewöhnliche Weise in Bildern und Einmachgläsern dargestellt wird. Auch das Atelier von Waldemar Stimke ist zu besichtigen, der sich mit sehr viel handfester Kunst aus geschmiedetem Eisen beschäftigt. „Schräge Geschichten“ sind in diesem Jahr das Motto, unter dem der Nachmittag steht.
Der Garten des Künstlerpaares gleicht einem liebevoll angelegten Dschungel. „Ein botanischer Garten im Kleinen“, sagt eine Besucherin. Die Bäume grünen üppig, dazwischen wächst auch schon mal etwas Farn, eine kleine Wasserstelle rundet den Eindruck ab. Eine Hängematte im Baum dient als Geschichten-Schaukel – für schöne schräge Geschichten. Gerade gibt Susanne Dörfler das Sufi Märchen von Mushkil Gusha – dem Löser der Schwierigkeiten, zum Besten. Die Gäste haben sich gespannt um die Schaukel versammelt und hängen an ihren Lippen. Für den westlichen Geschmack ist das Märchen tatsächlich ein wenig ungewöhnlich, passend zu den „schrägen Geschichten“.
Ein ruhiger, entspannter Tag ohne Kommerz
Viele der rund 30 Gäste an diesem Nachmittag im Grünen Salon sind befreundete Künstler oder Klienten aus der Kunsttherapie. Aber auch einzelne neugierige Kunstliebhaber haben sich unter das bunte Publikum gemischt, sitzen zusammen im Gespräch oder lassen sich etwas von dem angebotenen Kaffee, Kuchen, salzige Köstlichkeiten und Erfrischungen schmecken. Am späteren Abend wird noch der Grill angeworfen. Verkauft wird an diesem Tag nichts – weder für die Erfrischungen nehmen die Hausherren Geld, noch gibt es Kunstwerke zu erwerben. „Es soll ein ganz ruhiger, entspannter Tag sein, ohne Kommerz“, sagt Dörfler.
„Ich mag Natur und wilde Gärten und finde dieses Atelier im Grünen schön“, sagt Designerin Maria, die mit ihrem zweijährigen Sohn Toni den Nachmittag im Grünen Salon verbringt. „Ich zeige meinem Sohn immer neue Dinge und finde es cool, wenn Kinder ihre Welt entdecken dürfen“, so die Mama. Natürlich hat Toni bereits einen kleinen Drachen für das Drachenfest beigesteuert. „Das war das erste Mal, das er mit Lehm gespielt hat“, freut sich Maria.
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