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„Habe mich reinziehen lassen“: Kann der Mord an Nina H. komplett aufgeklärt werden?

Prozess in Augsburg

„Habe mich reinziehen lassen“: Kann der Mord an Nina H. komplett aufgeklärt werden?

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    Der Tod der dreifachen Mutter Nina H. hat viele Menschen in Augsburg bewegt. Ihre Familie hat dieses Foto an Erinnerung an sie unserer Redaktion zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt.
    Der Tod der dreifachen Mutter Nina H. hat viele Menschen in Augsburg bewegt. Ihre Familie hat dieses Foto an Erinnerung an sie unserer Redaktion zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt. Foto: privat / Familie H.

    Margrit K. (Name geändert) sagt, sie habe es nur gut gemeint. Sie ist eine wichtige Zeugin im Prozess um den Mord an Nina H. Am Ende ihrer mehr als vierstündigen Aussage weiß man auch mehr zur Vorgeschichte der Tat. Doch längst nicht alles. Die 61 Jahre alte Frau erzählt zum Beispiel etwas, das sie vorher noch nie verraten hat: Sie hat die dreifache Mutter vor der Tat im Mai 2025 ausgespäht, genau wie der Angeklagte Gino F., teils mit ihm zusammen. Sie habe sich nicht gut dabei gefühlt, sagt Margrit K.; immer wieder betont sie, sie habe nur helfen wollen. Aber am Ende ihrer Vernehmung vor dem Landgericht Augsburg bleiben Zweifel daran und Fragen.

    Seit Monaten läuft der Prozess gegen den Angeklagten Gino F., 30 Jahre alt. Er hat, davon ist die Staatsanwaltschaft überzeugt, Nina H. mit vier Kopfschüssen aus einer Pistole regelrecht hingerichtet. Es gibt viel, was für die Annahme der Ermittler spricht. Die Beamten stellten etwa Blutspuren der dreifachen Mutter an der Mütze des Angeklagten sicher. Seine Erklärung im Prozess, wie es dazu gekommen sein könnte, hat die Staatsanwaltschaft zwischenzeitlich widerlegt.

    Die zuständige 4. Strafkammer unter Vorsitz des Richters Michael Eberle ist bemüht, den Fall komplett aufklären. Das allerdings gestaltet sich schwierig. Zwar wurden in der Verhandlung etliche Hintergründe der Tat und ihrer Vorgeschichte bereits intensiv beleuchtet, manche Details aber sind noch unklar. Die zentrale Frage ist, warum Gino F. die 30-Jährige getötet haben soll.

    Was hat ihn angetrieben? Besonders viel miteinander zu tun hatten er und das Opfer in der Vergangenheit nicht. Die Tage vor den Schüssen und am Tattag selbst soll er um ihr Wohnhaus herumgeschlichen sein; Nina H. fühlte sich von ihm bedroht. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft hat er sie im Auftrag seines „Ziehvaters“ Christian S. ausspioniert, ein Mann, von dem Nina H. sich zuvor getrennt hatte. Aber gibt es weitere Zusammenhänge, Absprachen, Motive?

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    Eine, die etwas zur Aufklärung beitragen könnte, ist Margrit K. Sie war die letzte Vermietern von Gino F. Kurz vor der Tat war er bei ihr zur Untermiete eingezogen, ganz in der Nähe von Nina H.s Wohnhaus. Margrit K. war auch eine gute Freundin der dreifachen Mutter – und jemand, der Anteil nahm an der Trennung zwischen ihr und Christian S., man könnte auch sagen: sich einmischte. Christian S., den sie zuvor kaum kannte, so schildert sie es selbst, habe ihr in einem Gespräch wegen der Trennung einmal über zwei Stunden lang sein Herz ausgeschüttet. Daran erinnert sie sich genau. An das meiste andere, was unmittelbar vor und im Mai 2025 passiert ist, laut eigener Auskunft hingegen nicht – so sehr Richter, Verteidigung, Nebenklage und der Staatsanwalt auch nachbohren. Margrit K. schweift ab, weicht aus, sagt immer wieder, sie wisse es nicht. Oder will sie sich nicht erinnern, weil die Wahrheit sie selbst in ein ungünstiges Licht rücken würde?

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    Nach gut 90 Minuten Vernehmung im Gericht und etlichen Nachfragen räumt sie ein, im Auftrag von Christian S. zum Haus von Nina H. gefahren zu sein, um zu schauen, ob dort ein anderer Mann zu Besuch sei. Auch sei man gemeinsam mit Gino F. zum Haus eines Mannes gefahren, von dem man annahm, dass Nina H. sich mit ihm traf. Damit Christian S. wisse, wo dieser Mann wohne. Die Adresse, sagt die Zeugin, habe sie ihm genannt. Richterin Katja Baues hält der Frau vor, diese habe nach dem Mord sechs Stunden bei der Kripo ausgesagt, davon aber nichts erzählt. Teils wird der Ton rauer: Anwalt Jörg Seubert, der zusammen mit Michael Weiss den Angeklagten Gino F. vertritt, fährt Margrit K. an: „Wollen Sie uns eigentlich verarschen?“ Die Zeugin sagt nun, sie habe sich „reinziehen lassen“, habe „Kontrollfahrten“ übernommen, „das macht man nicht“.

    Doch vieles bleibt auch offen. Die Wochen vor dem Mord, sagt Richterin Baues, hatten Gino F., Christian S. und sie, die Zeugin, intensiv Kontakt per WhatsApp, neun Tage zuvor plötzlich nur noch telefonisch, danach gar nicht mehr. Warum? Nach der Tat fuhren Margrit K. und Gino F. gemeinsam einkaufen. Da habe man nicht über den Fall gesprochen und die Tatsache, dass der 30-Jährige festgenommen und kurzzeitig wieder freigelassen worden war? Nein, behauptet die Zeugin.

    Es ist nicht das erste Mal, dass Zeugen den Eindruck erwecken, zu mauern – oder sich nicht erinnern zu wollen. Die Tatwaffe stammt aus dem erweiterten Umfeld des „Ziehvaters“ von Gino F., der zugleich der Ex-Partner von Nina H. war. Als es um die Frage ging, wie diese aus Nordrhein-Westfalen nach Augsburg gelangt sein könnte, konnten oder wollten die Zeugen ebenfalls nichts dazu beitragen.

    Doch noch stehen etliche weitere Verhandlungstage und Aussagen an. Der Prozess soll noch bis Juni weitergehen.

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