Als Unterhaltungsmedium ist sie allgegenwärtig, besonders in sozialen Netzwerken. Der weltweite Erfolg des chinesischen Diensts TikTok zeigt: Musik ist längst Teil der Globalisierung.
Foto: Oliver Wolff

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Es geht um den Weg aus der Magersucht, um Technik-Tipps oder um Selbstliebe: Vika, Roland und Jamal wollen Vorbilder sein. Was sie auf TikTok genau machen.

Vika, Roland und Jamal teilen so gut wie alles in den sozialen Medien: Sie erzählen, was sie essen, wie es in Corona-Quarantäne ist oder wie man bei Ikea richtig einkauft. Neben den täglichen Banalitäten geben sie aber auch Tipps, wie man mehr aus seinem Smartphone rausholen kann oder wie man seiner mentalen Gesundheit etwas Gutes tun kann. Für viele Jugendliche sind die drei Vorbilder. Wie sie damit umgehen und wie sie ihren Großeltern ihren Job erklären, haben sie im Interview verraten.

Vika ist Influencerin und lebt in Augsburg.
Foto: Max Baier

Vika (@Vikykid, 22) wohnt seit einem Jahr in Augsburg und erzählt im Netz aus ihrem Alltag. Sie beschäftigt sich überwiegend mit Themen rund um den eigenen Körper. Sie erzählt über ihren Weg aus der Essstörung und wie man es schafft, sich im eigenen Körper wohlzufühlen. Außerdem betreibt sie mit ihren Social-Media-Kanälen sexuelle Aufklärung. Sie spricht über den ersten Kuss, Vibratoren und Verhütung.

Vika, sind Sie Influencerin?

Vika: Ja.

Und wie erklären Sie Ihren Eltern und Großeltern Ihren Job?

Vika: Ich sage, dass ich Videos mache und kleinen Mädels beibringe, dass sie sich lieb haben sollen.

Warum das Thema Selbstliebe?

Vika: Ich glaube nicht, dass man sich das Thema aussucht. Ich musste mich durch verschiedene Themen durchtesten und herausfinden, was zu mir passt und was auch die anderen gerne sehen wollen. Ich würde sagen, mein Content hat mich gefunden und nicht andersrum. Ich habe aber mein erstes Video auf TikTok hochgeladen und es hatte gleich 170.000 Klicks.

Sie erzählen auch von Ihren Essstörungen. Wie ging es Ihnen damals?

Vika: Ich bin von der Schule heimgekommen und habe gesagt: "Ich mache jetzt eine Diät." Dann bin ich von einer Diät in die nächste gesprungen. Es gab nichts, was ich nicht gemacht habe. Im Internet habe ich dann noch Seiten entdeckt, die Magersucht und Bulimie glorifizieren. In diesen Communities habe ich meine engsten Freunde gefunden. Es ging mir aber nicht gut in dieser Zeit.

Das größte Ziel ist, dass es Menschen durch meinen Inhalt besser geht.

VikA

Und jetzt versuchen Sie darüber aufzuklären.

Vika: Bei mir gab es als Teenager kaum solche Channels – über Selbstliebe beispielsweise – oder ich habe sie erst später gefunden. Jetzt möchte ich auf jeden Fall über Essstörungen aufklären. Ich mache aber natürlich auch Kram über mich selbst oder TikTok-Trends nach. Aber das größte Ziel ist, dass es Menschen durch meinen Inhalt besser geht.

Ist es wichtig, dass Menschen Vorbilder im Internet haben?

Vika: Ganz sicher! Es kommt nur darauf an, welche das sind. Heute hat man in der Schule oder zu Hause weniger Vorbilder, auf TikTok hingegen ist das alles sehr ehrlich und freundschaftlich. Es ist, wie wenn man mit Freunden spricht, und deshalb hat man als Influencerin auch eine sehr enge Bindung zu den Followern.

Natürlich verdienen Sie aber auch Geld mit dem Vertrauen.

Vika: Ja, das ist ein bisschen wie Fernsehwerbung. Ich mache auch Werbung für Produkte, um Geld zu verdienen, es ist ja auch meine Arbeit. Aber ich habe da auch klare Regeln. Ich mache keine Werbung für etwas, wenn zum Beispiel die Preise gemogelt sind oder auch die Models nicht divers oder auf der Seite nicht gegendert wird.

Sie verdienen mit den Videos Ihren Lebensunterhalt. Sind Sie stolz auf Ihren Weg?

Vika: Klar! Aber ich habe ehrlich gesagt nicht so viel dafür gemacht. Ich habe immer das gemacht, was mir Spaß gemacht hat. Aber das sollte doch eigentlich bei jedem so sein, in jedem Job.

Jamal Fischer erklärt Tipps und Tricks am Smartphone.
Foto: privat

Jamal Fischer (@dasistjay, 21) bezeichnet sich selbst als "Techniknerd". Auf Social Media gibt er Technik-Tipps, berichtet über die neuesten Smartphones. Vor seiner Karriere als selbstständiger Video-Creator arbeitete er als Redakteur für Chip.de.

Herr Fischer, was machen Sie auf Ihren Accounts?

Fischer: Ich beschäftige mich mit der aktuellsten Technik und versuche beispielsweise, bei den neuesten Smartphones zu zeigen, was wirklich neu ist. Sind also 108 Megapixel in einer Kamera wirklich geil oder klingt das nur mächtig?

Sie waren davor bei Chip.de, warum sind Sie jetzt selbstständig?

Fischer: Ich habe bei Chip auch den TikTok-Account bespielt. Und das Thema Technik funktioniert einfach auf dieser Plattform. Die Leute scrollen an ihrem Smartphone und probieren die Dinge einfach aus, die ich erkläre, und das bringt Reichweite. Der große Unterschied zur Zeit damals ist, dass ich jetzt voll und ganz verantwortlich bin für das, was ich poste, und wie erfolgreich es ist. Es ist einfach etwas anderes, es für den eigenen Namen zu machen.

Woher kommt die Faszination für Technik?

Fischer: Ich war schon immer begeistert davon. Ich erinnere mich noch gut an mein erstes Tablet. Das konnte nichts, das war Müll. Aber ich habe so viel darauf ausprobiert.

Sie verdienen mit Social Media ihren Lebensunterhalt. Sind Sie also Influencer?

Fischer: Ich mag das Wort Influencer nicht. Ich bezeichne mich als Creator. Klar, "to influence" heißt ja so etwas wie "beeinflussen". Das stimmt ja. Wir Creator haben einen sehr großen Einfluss auf unsere Abonnentinnen und Abonnenten. Die Leute folgen uns, bauen ein Vertrauen auf, und jedes neue Video, in dem ich etwas erkläre, stärkt dieses Vertrauen. Das ist dann aber auch eine große Verantwortung, die man da trägt. Deswegen stimmt der Begriff "Influencer" schon, aber ich bezeichne mich als Creator.

Und wie erklären Sie Ihrer Oma Ihren Job?

Fischer: "Oma, ich mache Videos im Internet." Meine Mama ist auch ganz glücklich, weil sie auf Instagram sieht, was in meinem Leben so los ist, und ob es mir gut geht.

Augsburg ist meine Stadt. Ich bin hier groß geworden.

Jamal Fischer

Wie viel Zeit verbringen Sie vor dem Bildschirm?

Fischer: Die ganze Zeit. Und ich sage ehrlich: Das belastet mich auch. Also ich arbeite oft 60 bis 80 Stunden die Woche. Man muss auch wissen, hinter jedem Video steckt sehr viel Arbeit. Vor allem die Postproduktion – also das Schneiden der Videos – nimmt viel Zeit in Anspruch.

Und was verbindet Sie mit Augsburg?

Fischer: Augsburg ist meine Stadt. Ich bin hier groß geworden. Es ist eine sehr individuelle Stadt, die Leute erwarten hier aber keine Social-Media-Creators.

Und Ihr Lieblingsort in Augsburg?

Fischer: Früher war es die City-Galerie. Da war ich die ganze Zeit im Saturn (lacht). Inzwischen ist es die Altstadt.

Roland Golsner klärt auf TikTok über mentale Krankheiten auf.
Foto: privat


Roland Golsner (@itsrolislife, 21) kommt aus der Nähe von Mindelheim im Unterallgäu und beschäftigt sich im Internet mit Selbstliebe und mentaler Gesundheit. Er arbeitet nebenbei in einer Einrichtung für Menschen mit psychischen Krankheiten. In seinen Videos, die teilweise mehr als 100.000 Menschen erreichen, erzählt er viel von seinen persönlichen Erfahrungen, unter anderem auch von seiner Depression, die ihn lange Zeit beschäftigte.

Warum das Thema mentale Gesundheit?

Roland Golsner: Mich interessiert das Thema einfach sehr. Ich war selbst von einer mentalen Krankheit betroffen und im Internet wird viel zu wenig darüber aufgeklärt. Ich wurde damals aufgrund meines Gewichts in der Schule und in der Ausbildung gemobbt – auch im Internet. Mir ging es richtig schlecht, ich hatte lange Zeit schwere Depressionen und es hat sich auch eine Magersucht entwickelt.

Wie war das für Sie?

Golsner: Ich erinnere mich noch gut: Ich war im Fitnessstudio und bin nach ein paar Minuten auf dem Laufband einfach zusammengebrochen, weil ich so unterernährt war. Das war der Punkt, an dem ich dann gemerkt habe, dass es so nicht weitergehen kann.

Ich fand das krass, dass sich so viele für meine Geschichte interessieren.

Roland Golsner

Jetzt erzählen Sie auf Social Media von Ihren Erfahrungen. Warum?

Golsner: Ich wollte schon immer darüber berichten und Social Media ist der einfachste Weg. Das hat im ersten Lockdown angefangen, als ich mein erstes Video hochgeladen habe, und das ging dann richtig ab – das haben sehr viele Menschen gesehen und dann habe ich einfach weitergemacht.

Was hat das mit Ihnen gemacht, als das Video durch die Decke ging?

Golsner: Ich fand das krass, dass sich so viele für meine Geschichte interessieren. Es schämen sich ja auch viele, über mentale Krankheiten zu sprechen. Es war dann schon irgendwie komisch, aber es gab einfach so viele positive Kommentare. Das freut einen schon sehr, wenn man anderen damit helfen kann. Einmal hat sogar jemand geschrieben, dass sie kurz davor gewesen sei, sich das Leben zu nehmen, und ein Video von mir habe sie davon abgehalten. Das ist mir stark in Erinnerung geblieben.

Und auch in Ihrem anderen Job beschäftigen Sie sich damit.

Golsner: Ich arbeite in einem Heim für psychisch kranke Menschen für die Wiedereingliederung. Ich gehe mit den Menschen einkaufen oder spazieren und wir reden einfach gemeinsam. Ich unterstütze Menschen, dass sie wieder ein einfacheres Leben bekommen.

Als Influencer verdienen Sie mehr Geld als in der Pflege. Warum geben Sie nicht Ihren anderen 40-Stunden-Job auf?

Golsner: Ich stand schon vor dieser Entscheidung. Aber ich will diese Leute einfach gerne unterstützen. Wenn ich immer weiter erfolgreich bin, werde ich bestimmt noch mal drüber nachdenken müssen, aber der Austausch mit den Menschen in meiner Arbeit bereichert mich einfach. Sie sind sehr dankbar und das ist schön.

Wie erklären Sie Ihren Großeltern Ihren Job?

Golsner: Das ist ganz schwer. Ich sage immer, dass ich Videos im Internet drehe. Meine Oma kann das aber gar nicht so richtig nachvollziehen. Sie findet das schon cool, aber sie weiß halt nicht, was ich mache. Aber sie steht dahinter, sagt sie, also ist alles super.

Letzte Frage: Was müsste passieren, damit Sie Ihre Social-Media-Accounts löschen?

Golsner: Weltfrieden!