Kommentar: Ein Konzept für die Augsburger Innenstadt ist überfällig
Kommentar
Ein Konzept für die Augsburger Innenstadt ist überfällig
Die City hat sich in den vergangenen Jahren stärker als andere Teile der Stadt verändert, und zwar unfreiwillig. Diese Transformation muss gesteuert werden.
Die Augsburger Innenstadt mit der Maximilianstraße als markante Nord-Süd-Achse. Rechts im Bild ist der Königsplatz zu erkennen.Foto: Ulrich Wagner
Der Strategieprozess zur Innenstadt ist etwas, was schon früher hätte in die Wege geleitet werden müssen. Mit Corona haben Entwicklungen, die schon am Laufen waren, an Fahrt gewonnen. Dazu zählt das Erstarken des Online-Handels. Dessen Umsätze fehlen dem stationären Handel. Die Schließung von Karstadt war der bisherige Höhepunkt dieser Entwicklung, das Verschwinden kleinerer Geschäfte setzt sich fort. Befeuert wird das aktuell noch durch Zurückhaltung beim Konsum bei ohnehin schon niedrigem Kaufkraft-Niveau.
Reicht eine Idee für die Innenstadt oder braucht es mehrere?
Unmittelbar nach Corona hat die Stadt schon kleinere Maßnahmenpakete geschnürt und zuletzt auch größere Maßnahmen wie die Sanierung des Bauermarktes auf den Weg gebracht und im Marketing die Trommel gerührt (Light Nights etc.). Der große Wurf mit einer Idee für die Innenstadt fehlt aber. Womöglich wird es künftig mehrere Ideen geben müssen, weil die Innenstadt nicht mehr so stark die Funktion als Handelsstandort haben wird, sondern auch Funktionen wie Wohnen stärker in den Vordergrund rücken. Und diese Funktionen müssen sich nicht gleichmäßig über die Innenstadt verteilen, sondern können hier stärker, dort schwächer ausgeprägt sein. Momentan gibt es aber gefühlt zu viel Platz für zu wenig Passanten und funktionierende Geschäfte.
Am Ende dieses Prozesses wird kein Konzept stehen, das es schafft, dass alles wieder so wie früher wird. Manche Dinge, etwa Durchgangsverkehr in der Fuggerstraße, waren ja auch gar kein Vorteil. Die Strategie sollte sich aber nicht damit begnügen, den Wandel nur moderierend zu begleiten, sondern aktiv Ziele und Projekte definieren. Handel wird dabei weiterhin eine wichtige Rolle spielen müssen. Nur über konsumfreie Zonen lässt sich die Frequenz nicht herstellen, die in den vergangenen Jahren beobachtbare starke Ausrichtung auf Gastronomie könnte sich bei weiterer Konsumzurückhaltung als Problem herausstellen.
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