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Steine statt Grün: Zu viele Augsburger Plätze sind eine Pflasterwüste

Kommentar Von Jörg Heinzle
30.07.2022

Es muss grüner werden in der Augsburger Innenstadt, um mit dem Klimawandel leben zu können. Noch immer wird aber zu viel zugepflastert. Das zeigt sich auch beim Hauptbahnhof.

Der Platz ist leer in der Mittagshitze, vier kleine Bäume kämpfen tapfer gegen das widrige Klima an. Auf den Bänken, die scheinbar willkürlich auf dem Platz aufgestellt wurden, sitzt niemand. Wieso sollte man sich diese Umgebung auch freiwillig antun? Nichts als pralle Sonne, stehende Luft, graues Pflaster. Und der Blick fällt auf eine trostlose Lärmschutzwand, die den Bahnlärm abschirmen soll. Diese Tristesse, die unseren Lesern aufgefallen ist, ist keine Altlast aus vergangenen Epochen des Städtebaus. Nein, schlimmer: Der „Platz“ ist neu und befindet sich auf dem Areal der ehemaligen Ladehöfe nahe dem Augsburger Hauptbahnhof. Wohnungen, Büros und ein Busbahnhof sollen hier entstehen. Auf der Internetseite der Stadt heißt es noch immer, die Ladehöfe würden als „hochwertige urbane Quartiere revitalisiert“. Nur: Vital ist hier bisher wenig. Dabei hätte es so schön werden können. Es gab einmal Ideen, hier eine große Wasserfläche entlang der Bahnstrecke zu schaffen. Eine Art „Stadtstrand“ mit einem Grünzug, der Bahnhof und Siebentischwald verbindet.

Grün statt Stein: So sah es auf dem Elias-Holl-Platz in Augsburg aus, als sich im Jahr 2001 dort ein vorübergehender Frühlingsgarten befand.
Foto: Wolfgang Diekamp

Es wäre ein Traum, in Zeiten von immer mehr Hitzetagen. Die Steinwüste hinter dem Hauptbahnhof ist nur ein Beispiel für viele Augsburger Plätze, die längst noch nicht ans künftige Klima angepasst sind. Man wird künftig ganz anders planen müssen und den Mut haben, Pflaster aufzureißen, selbst wenn es erst vor einigen Jahren verlegt worden ist. Wer die hübsch grünen Planzeichnungen für die Ladehöfe kennt und sieht, was daraus bisher geworden ist, der versteht die Kritiker, die sich derzeit gegen Pläne für den Vorplatz des Hauptbahnhofs zu Wort melden. Auch dieser Platz soll nach dem Bahnhofsumbau neu gestaltet werden. Erst einmal müssten aber sämtliche Bäume gefällt werden, die bisher dort stehen und kühle Oasen bilden. Zwar sollen dann neue Bäume gepflanzt werden. Doch diese müssen erst wachsen - und in Zeiten des Klimawandels wohl auch mühsam aufgepäppelt werden.

Beim Bahnhofsvorplatz wird die Forderung nach Umplanungen lauter

Der Augsburger Verein Baumallianz übt deshalb Kritik. Und die Kritik zeigt inzwischen auch Wirkung. Die Grünen sehen Redebedarf, auch der CSU-Bundestagsabgeordnete Volker Ullrich will die Pläne noch mal auf den Prüfstand stellen. Ein Problem in diesem Fall ist, dass die Architekten, die den Gestaltungswettbewerb für den Platz gewonnen haben, ein Anrecht darauf haben, dass ihre Pläne auch so umgesetzt werden. Allerdings sind diese Pläne auch schon einige Jahre alt. Und vielleicht erkennen die Planer ja auch selbst, dass sich die Zeichen der Zeit schnell verändert haben. Will man wirklich noch weite Teile des Platzes einfach zupflastern? Oder muss nicht auch Platz da sein für Wiesenflächen und Beete, wenn man es ernst meint mit mehr Grün in der Stadt? Wer kann schon wollen, dass Reisende der Hitzschlag trifft, wenn sie in Augsburg ankommen?

Attraktiver Platz - oder heiße Aschenbahn? Die Fläche vor der Stadtbücherei in Augsburg.
Foto: Jörg Heinzle

Dass wir so viel wie möglich Grün in der Stadt brauchen werden, daran gibt es eigentlich keinen Zweifel. Ein von der Stadt selbst mit in Auftrag gegebene Studie hat erst kürzlich belegt, um wie viel heißer es in dicht bebauten Vierteln ist. „Wir müssen unsere Städte umbauen, um mit dem Klimawandel leben zu können“, sagte Dirk Messner, der Chef des Umweltbundesamtes, kürzlich, als in Teilen Deutschlands fast 40 Grad gemessen wurden. „Wir werden Flächen wie Parkplätze, Straßen und gepflasterte Plätze entsiegeln müssen und Platz schaffen für kühlendes Grün.“ In Augsburg bedeutet Umbau auch heute noch viel zu oft: Pflastern.

Würde man den erst vor wenigen Jahren neu gepflasterten Elias-Holl-Platz heute noch immer zur Steinwüste machen? An warmen Tagen sitzen die Menschen dort im Schatten unter den Bäumen am Rand des Platzes – in der Mitte dagegen herrscht oft Leere. Wie es aussehen könnte? Man muss nur zurückschauen: Vor gut hundert Jahren gab es hier einen hübschen kleinen Park. Viel grüner als heute.

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Muss die Augsburger Maximilianstraße auch grüner werden?

Die Liste der trostlosen Plätze ließe sich noch verlängern. Beim Anblick des roten Bodens, der den Platz vor der Neuen Stadtbücherei versiegelt, denkt man zurück an schweißtreibende Sportstunden auf einer heißen Aschenbahn. Die Prachtmeile Maximilianstraße ist zwar historisch ohne Grün. Ob sich das künftig durchhalten lässt, wird man aber noch hinterfragen müssen.

Ödnis auf dem Ladehof-Areal, grüne Oase am Theodor-Heuss-Platz: Man muss den Mut haben, Pflaster aufzureißen, selbst wenn es erst vor einigen Jahren verlegt
Foto: Jörg Heinzle


Dass es auch in Augsburg anders gehen kann, zeigt der Theodor-Heuss-Platz in der Nähe der IHK. Ein ziemlicher öder Platz ist dort in ein grünes Wohnzimmer verwandelt worden. Große, schattenspendende Bäume blieben stehen. Der Platz wurde durch die Umgestaltung grüner, es gibt schöne Staudenbeete und Wasserspiele, die speziell von Kindern geliebt werden. Mehr Pflanzen statt Pflaster wagen – eine große Aufgabe auch für den gerade im Stadtrat neu gewählten Baureferenten Steffen Kercher.

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03.08.2022

.
Und in Fortsetzung der auf dem Foto Ladehof-Areal (s.o.) gezeigten Ödnis
wurden dann die etwa 15, weiter etwa 30 Bäume an dem nach Südosten
(Richtung Gögginger Brücke) parallel zur Bahnlinie führenden Fuß-/Radweg
links des Gehwegs gesetzt, so dass dann, wenn die Sonne in den Weg rein-
brennt, die links daneben liegende Straße, nicht aber der Fußweg - wenn
denn die Bäume auf dem° im Verhältnis zu den aufheizenden Platten_/
Asphaltflächen relativ schmalen Streifen gedeihen - den Schatten abbe-
kommen wird ……

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01.08.2022


Kühlendes Grün statt brütendem Rot vor die Stadtbücherei !!
.

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30.07.2022

Es ist ein Graus mit den versiegelten Böden.

Wie soll das Regenwssser in den Boden gelangen und den Grundwasser Spiegel verbessern, wenn das ganze Wasser in der Kanalisation zu dem darin befindlichen Unrat gelangt?

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30.07.2022

Stadtbücherei mit Vorplatz - made by rot-grüner Regenbogen...

https://de.wikipedia.org/wiki/Neue_Stadtbücherei_Augsburg

>> Auf Initiative der Offensive für eine neue Stadtbücherei gab es 2005 ein erfolgreiches Bürgerbegehren für eine „Neue Stadtbücherei“. Auf einen Bürgerentscheid konnte verzichtet werden, nachdem die Stadtverwaltung auf das Anliegen der Bürgerinitiative einging. 2007 erfolgte die Grundsteinlegung für ein neues Haus am Ernst-Reuter-Platz... <<

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30.07.2022

Architekt der Neuen Stadbücherei war das renommierte Augsburger Architekturbüro Schrammel. http://www.schrammel-architekten.de/neue-stadtbuecherei-augsburg.html

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30.07.2022

Zum ersten Mal viel es mir beim letzten Umbau des Königsplatzes auf. Bei jedem Umbau verschwinden Bäume. Wann wachen die Verantwortlichen endlich auf?

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30.07.2022

Gar nicht. Die Stadt sollte die jeden entfernten Baum Ersatz Pflanzen.

Würde ich meinen Garten dem neuen Stil anpassen, dann wären nicht nur viele Bäume und Sträucher durch langweiligen Stein und Tristesse zu wechseln mit viel Deko Mist und Beleuchtung, es würde auch das Heim von vielen kleinen Bewohnern, Spatzen, Amseln, Igel, etc. die reichlich vorhanden sind, zerstört werden. Ich freue mich lieber jeden Tag über das Gezwitscher und Werkeln der zunehmend zutraulichen Tiere. Es ist auch nett zu sehen, wie die Vögel bei heißer Witterung in den bereitgestellten Wasser baden.

Der Mensch nimmt sich exklusiv das Recht heraus, die Umwelt zu verschandeln, anderen Lebewesen wie selbstverständlich den Lebensraum zu entziehen. Muss man sich nicht wundern, wenn es dann irgendwann hässlich und assi wird in diversen Großstädten wird.

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